Musk kontert EnttĂ€uschung ĂŒber Quartal mit Zukunftsmusik
25.01.2024 - 06:06:46Teslas rasantes Wachstum flaut ab. Im vergangenen Quartal verfehlte der Elektroauto-Hersteller die Erwartungen der Wall Street, ein Absatzziel fĂŒr dieses Jahr gibt es nicht - aber das EingestĂ€ndnis, dass die Auslieferungen merklich langsamer wachsen werden. Doch Firmenchef Elon Musk zeichnet ein rosiges Bild fĂŒr die Zukunft: Tesla sei nur zwischen zwei Wachstumswellen, entwickele ein «revolutionĂ€res» Produktionssystem und könne zum wertvollsten Unternehmen der Welt werden.
Die Anleger beeindruckte das nicht: Noch wÀhrend Musk in einer Telefonkonferenz mit Analysten sprach, rutsche die Aktie tiefer ins Minus und verlor zum Ende des nachbörslichen Handels knapp sechs Prozent.
Mit dem neuen Produktionsverfahren soll unter anderem ein gĂŒnstigeres Kompaktmodell gebaut werden. Die Fertigung solle nach aktueller Planung im zweiten Halbjahr 2025 im texanischen Austin beginnen, sagte Musk. Zugleich schrĂ€nkte er ein: «Ich bin oft optimistisch, was die Zeit angeht.»
Teslas Antwort auf ĂŒbermĂ€chtige Konkurrenz aus China
Das gĂŒnstigere Modell ist von strategischer Bedeutung fĂŒr Tesla: Denn die Konkurrenz durch chinesische Hersteller nimmt zu. Im vergangenen Quartal verkaufte der Hersteller BYD mehr Elektroautos aus China. Im gesamten Jahr 2023 lag Tesla mit 1,81 Millionen Fahrzeugen zwar noch vorn - aber es ist absehbar, dass BYD die Nummer eins werden wird.
Chinesische Autohersteller seien so stark, dass der GroĂteil der Branche ohne Handelsbarrieren keine Chance gegen sie hĂ€tte, warnte Musk. «Sie sind extrem gut», sagte er in der Telefonkonferenz. «Wenn es keine Handelsschranken gibt, werden sie die meisten anderen Autofirmen in der Welt so ziemlich zerstören.» In den USA hĂ€lt ein Einfuhrzoll von 25 Prozent chinesische Autobauer vom Markt fern.
Musk: Hersteller zweifeln an Teslas neuer «Autopilot»-Software
Auf der gleichen technischen Basis wie das gĂŒnstigere Modell will Musk nach frĂŒheren Angaben auch ein Robotaxi ohne Lenkrad und Pedale bauen. DafĂŒr mĂŒste Tesla aber zunĂ€chst einmal die von Musk schon seit Jahren in Aussicht gestellte Technologie zum autonomen Fahren entwickeln.
Tesla hat zwar eine fortgeschrittene Version seines Assistenzsystems «Autopilot» mit der Bezeichnung «Full Self-Driving» (FSD, «komplett selbstfahrend»). Anders als der Name verspricht, macht die Technik einen Tesla aber nicht zum wirklich autonomen Auto: Der Fahrer trĂ€gt immer noch die Verantwortung und muss jederzeit bereit sein, die Kontrolle zu ĂŒbernehmen. Aber FSD ist immerhin darauf trainiert, etwa Ampeln und Vorfahrt-Regeln zu beachten. Allerdings ist die Software weiterhin in einer Testphase und macht Fehler - wĂ€hrend Musk immer wieder verspricht, dass sie bald fertig sein werde.
Vor einem halben Jahr sorgte Musk fĂŒr Aufsehen mit der Mitteilung, dass Tesla in GesprĂ€chen mit einem groĂen Hersteller sei, der Interesse am Einsatz der FSD-Software habe. Jetzt sagte er auf Nachfrage, man habe sich nur herangetastet: «Ich denke, sie glauben, dass es noch nicht real ist.» Dieses Jahr werde man aber den Beweis liefern, versicherte er.
Musk will mehr Stimmrechte bei Tesla
Musk bekrĂ€ftigte, dass er sich erst wohl damit fĂŒhlen werde, bei Tesla Software mit KĂŒnstlicher Intelligenz und Roboter zu entwickeln, wenn er mehr Einfluss bei der Firma bekomme. Aktuell hĂ€lt er rund zwölf Prozent der Anteile und Stimmrechte - und andere Investoren könnten in damit ausbooten, argumentierte Musk. Er strebt ein Viertel der Stimmrechte an. «Ideal» seien dafĂŒr Aktien mit mehr Stimmrechte, sagte er nun. Mit solchen Aktien schĂŒtzen GrĂŒnder wie Mark Zuckerberg beim Facebook-Konzern Meta oder Larry Page und Sergey Brin bei der Google-Mutter Alphabet ihre Kontrolle ĂŒber die Unternehmen. Musk sagte, er wolle «starken Einfluss, aber keine Kontrolle».
Erste Optimus-Roboter im kommenden Jahr?
Zugleich musste Musk wieder einmal von ihm selbst geweckte Ungeduld bremsen. Seit er in Aussicht gestellt hatte, dass einmal der humanoide Roboter «Optimus» an Teslas Produktionslinien arbeiten wird, wollen Investoren wissen, wann es soweit ist. Auch diesmal wich Musk aus. Er stellte immerhin in Aussicht, dass im kommenden Jahr erste Optimus-Roboter gebaut werden könnten.
Verfehlte Markterwartungen
Teslas Umsatz stieg im Jahresvergleich um drei Prozent auf 25,17 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt eher mit Erlösen von fast 25,9 Milliarden Dollar gerechnet.
Tesla gab keine Prognose fĂŒr Auslieferungen im laufenden Jahr ab. Analysten hatten sich auf eine SchĂ€tzung von rund 2,1 Millionen Fahrzeuge eingestellt. Im vergangenen Jahr hatte Tesla nach mehreren Preissenkungen das Auslieferungsziel von 1,8 Millionen Elektroautos geschafft - ein Plus von 38 Prozent.
Der Tesla-Quartalsgewinn sprang im Jahresvergleich von 3,7 auf 7,9 Milliarden Dollar hoch. Analysten hatten allerdings auch mit mehr Gewinn pro Aktie als die bekanntgegebenen 71 US-Cent gerechnet.


