Textilhandel, Warnstreiks

Textilhandel: Warnstreiks für 700.000 Beschäftigte am 12. Juni

13.06.2026 - 02:30:30 | boerse-global.de

ver.di ruft zu Arbeitsniederlegungen bei H&M, Zara und C&A auf. Forderung: 7 Prozent mehr Lohn bei zwölf Monaten Laufzeit.

Textilbranche: Warnstreiks in mehreren Bundesländern ausgeweitet
Textilhandel - Menschen, einige in Einzelhandelsuniformen, demonstrieren vor einem modernen Bürogebäude mit Protestschildern. 13.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Am 12. Juni kam es in mehreren Bundesländern zu massiven Arbeitsniederlegungen im Textileinzelhandel. Die Gewerkschaft ver.di rief Beschäftigte großer Ketten wie H&M, Zara, Primark, C&A und TK Maxx zu Warnstreiks auf. Betroffen waren Standorte in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen.

In Dortmund, Bielefeld, Hannover und Oldenburg beteiligten sich Mitarbeiter an den Protesten. Die Gewerkschaft fordert für die rund 700.000 Beschäftigten der Branche eine Entgelterhöhung von 7 Prozent. Mindestens jedoch einen Festbetrag von 225 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

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In Niedersachsen und Bremen umfasst der Forderungskatalog zudem einen Mindeststundenlohn von 14,90 Euro. Das vorliegende Angebot der Arbeitgeberseite bezeichnete die Arbeitnehmervertretung als unzureichend. Die Arbeitgeber bieten Steigerungen von 2 Prozent ab November 2026 und weiteren 1,5 Prozent ab August 2027 an. Branchenvertreter erwarten keine wesentlichen Auswirkungen auf den Kundenverkehr.

Teilzeit: Mehr als nur Lifestyle?

Eine aktuelle Analyse vom 11. Juni beleuchtet die Situation in der Schweiz. Mittlerweile arbeiten 38,7 Prozent aller Erwerbstätigen – rund 1,9 Millionen Menschen – in Teilzeit. Die Daten belegen ein deutliches Geschlechtergefälle: 58 Prozent der Frauen haben ihr Pensum reduziert, bei den Männern sind es lediglich 21 Prozent.

Besonders ausgeprägt ist der Unterschied bei Eltern: 74,9 Prozent der Mütter arbeiten Teilzeit, gegenüber 14,3 Prozent der Väter. Die Untersuchung des Arbeitgeberverbandes tritt der These entgegen, Teilzeitarbeit sei primär ein Ausdruck von „Lifestyle-Entscheidungen“ der jüngeren Generation. In der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen liegt die Quote mit 28,2 Prozent deutlich unter dem Gesamtschnitt.

Zudem wurde eine hohe Zahl an Unterbeschäftigten identifiziert: Etwa 254.000 Teilzeitkräfte, davon drei Viertel Frauen, gaben an, ihr Arbeitspensum sofort erhöhen zu wollen.

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Österreich zieht bei Altersteilzeit die Bremse

In Österreich zeichnen sich ebenfalls Veränderungen ab. Eine Regierungsvorlage zum Budgetbegleitgesetz sieht für das Jahr 2026 Einschränkungen bei der staatlich geförderten Altersteilzeit vor. Unternehmen müssen künftig verstärkt die Förderfähigkeit und die Modellwahl prüfen. Die finanziellen Rahmenbedingungen für die Reduktion der Arbeitszeit vor dem Pensionsantritt sollen angepasst werden.

Unternehmen setzen auf Auslagerung von Teilzeitkräften

Im Bereich der betrieblichen Organisation zeichnet sich ein Trend zur Umstrukturierung von geringfügig Beschäftigten ab. Berichten der Gewerkschaft ver.di zufolge plant die Wöhrl AG, Teilzeitkräfte auf 450-Euro-Basis in die konzerneigene Dienstleistungsgesellschaft WTHG zu überführen.

Betroffene Mitarbeiter sollen demnach Kündigungen erhalten und Angebote zur Wiedereinstellung als Leiharbeitnehmer bekommen. Die Gewerkschaft rät den Beschäftigten, solche Verträge nicht ungeprüft zu unterzeichnen und Widerspruch einzulegen. Der Vorgang steht im Kontext einer längeren Restrukturierungshistorie des Unternehmens, zu der auch frühere Schutzschirmverfahren und Filialschließungen gehörten.

Hohe Nachfrage nach Spezialisten

Trotz tarifpolitischer Spannungen bleibt die Nachfrage nach spezialisierten Teilzeitkräften in der Arbeitnehmerüberlassung hoch. Aktuelle Stellenausschreibungen von Mitte Juni zeigen eine differenzierte Vergütungsstruktur. Im Bereich der Pharmaverpackung in Laupheim werden für Sachbearbeiter in der Reisekostenabrechnung Stundenlöhne zwischen 22,50 und 26,50 Euro ausgelobt. Voraussetzung: Kenntnisse in SAP Concur.

Erzieher in der Region Hannover können bei Personaldienstleistern mit Stundenlöhnen zwischen 21 und 25 Euro sowie Zusatzleistungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld rechnen. Klassische kaufmännische Tätigkeiten in Teilzeit, etwa in Doberlug-Kirchhain oder im Bereich der Logistik in Muggensturm, bewegen sich in einem Lohnsegment von etwa 15,69 bis 17,65 Euro pro Stunde.

Die Anforderungen an diese Fachkräfte steigen dabei stetig. Neben fundierten Sprachkenntnissen werden zunehmend spezifische ERP-Kenntnisse, beispielsweise in Infor LN, sowie fundiertes Wissen in den Bereichen Zollrecht und Frachtabwicklung gefordert.

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