Textilwirtschaft, Zollregeln

Textilwirtschaft: Neue Zollregeln und Vernichtungsverbot ab Juli

27.06.2026 - 10:28:21 | boerse-global.de

Deutschland, Frankreich und Niederlande legen Initiative für strengere Ökodesign-Vorgaben und Herstellerverantwortung vor.

EU-Staaten fordern strengere Regeln gegen Wegwerf-Mode
Textilwirtschaft - Nahaufnahme von zerknitterter, weggeworfener Kleidung, die die Umweltauswirkungen von Fast Fashion symbolisiert, mit Andeutungen von Recycling. 27.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Beim EU-Umweltrat in Luxemburg präsentierten Deutschland, Frankreich und die Niederlanden am Freitag eine gemeinsame Initiative. Ziel: den Ressourcenverbrauch der Textilindustrie drastisch senken und Unternehmen zur Verantwortung ziehen.

Strengere Ökodesign-Vorgaben gefordert

Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth kritisierte, dass Kleidung zunehmend für eine sehr kurze Nutzungsdauer produziert werde. Die beteiligten Staaten fordern von der EU-Kommission eine ambitioniertere Ökodesign-Verordnung. Künftig soll es strengere Anforderungen an Haltbarkeit, Recyclingfähigkeit und den Rezyklat-Anteil in Textilien geben.

Ein zentraler Punkt: die Ausweitung der Herstellerverantwortung. Unternehmen, die große Mengen kurzlebiger Kleidung verkaufen, sollen an den Kosten für Sammlung und Entsorgung beteiligt werden. „Billige Wegwerfkleidung darf keinen Wettbewerbsvorteil mehr darstellen", so Flasbarth. Unterstützung kommt auch von Slowenien und Dänemark.

Neue Zollregeln ab Juli

Parallel zu den politischen Forderungen stehen konkrete gesetzliche Änderungen an. Ab dem 1. Juli entfällt die bisherige Freigrenze von 150 Euro für Paketsendungen aus Drittstaaten. Stattdessen wird eine Zollgebühr von 3 Euro pro Warengruppe erhoben – ein Schlag gegen die Flut an Billigimporten über Online-Plattformen.

Anzeige

Das Vernichtungsverbot ab 19. Juli trifft Importeure unerwartet hart – wer unverkaufte Ware nicht rechtzeitig umschichtet, riskiert hohe Strafen. Dieser Report liefert die konkrete Checkliste zur Umstellung auf zirkuläre Modelle. Jetzt kostenlosen Compliance-Report anfordern

Am 19. Juli tritt zudem ein Verbot für große Unternehmen in Kraft: Die Vernichtung unverkaufter Verbraucherprodukte wird untersagt. Die Regelung soll zirkuläre Wirtschaftsmodelle fördern.

Industrie warnt vor Wettbewerbsnachteilen

Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie übt Kritik. Die heimische Industrie könnte durch zusätzliche regulatorische Anforderungen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit verlieren, warnt der Verband. Eine Umfrage des Genoverbands zeigt zudem: Viele Firmenkunden empfinden die datengetriebenen Nachhaltigkeitsanforderungen als überfordernd. Das dämpft Kreditvergabe und Investitionsbereitschaft.

Dennoch gibt es Bewegung: Die Pact Group investierte in das Unternehmen Plan B Circular, um eine Textilrecycling-Anlage im britischen Kettering von 3.000 auf 10.000 Tonnen Kapazität zu erweitern. Ziel ist die Produktion von rPET-Pellets aus Altextilien. Branchenexperten rechnen ab 2028 mit stark steigender Nachfrage nach textilbasiertem recyceltem Polyester.

Anzeige

Neue Zollgebühren von 3 Euro pro Warengruppe ab 1. Juli fressen Ihre Import-Margen – wer jetzt nicht umstellt, verliert Wettbewerbsfähigkeit. Der Leitfaden zeigt, wie Sie die neuen Regeln für Paketsendungen aus Drittstaaten kosteneffizient umsetzen. Zoll-Leitfaden jetzt sichern

Reparatur statt Wegwerfen

Flankierend setzte der Bundestag am Freitag die EU-Richtlinie zum Recht auf Reparatur um. Sie betrifft primär Elektrogeräte wie Waschmaschinen oder Smartphones – unterstreicht aber den politischen Trend: weg von der Wegwerfmentalität, hin zu langlebigeren Produkten.

de | wirtschaft | 69638478 |