Thyssenkrupp-Chef wirbt vor AktionĂ€ren fĂŒr Konzernumbau
30.01.2026 - 13:25:50Thyssenkrupp-Chef Miguel LĂłpez hat bei der Hauptversammlung fĂŒr den Umbau des Traditionskonzerns geworben. «Lange Zeit wurde Thyssenkrupp als integrierter Industriekonzern gefĂŒhrt», sagte LĂłpez vor rund 500 AktionĂ€rinnen und AktionĂ€ren. Strategische Entscheidungen seien in der Zentrale in Essen getroffen worden. «In Zukunft wird die Thyssenkrupp AG eine Finanzholding sein â eine Beteiligungsgesellschaft, die grundsĂ€tzlich Mehrheitsbeteiligungen an starken, eigenverantwortlichen Unternehmen unter einem Dach vereint.»
Die Segmente werde man Schritt fĂŒr Schritt in die EigenstĂ€ndigkeit fĂŒhren. Dies bedeute mehr FlexibilitĂ€t, mehr Geschwindigkeit und ein direkter Zugang zum Kapitalmarkt. «Damit heben wir Werte, die bislang im Unternehmen verborgen waren», so LĂłpez.
Thyssenkrupp hat gut 93.000 BeschÀftigte
Thyssenkrupp ist in fĂŒnf Segmenten tĂ€tig: Marineschiffbau, Stahl, Autoteile, Werkstoffe und grĂŒne Technologien. Ende September beschĂ€ftigte das Unternehmen gut 93.000 Menschen.
Die Umsetzung der «Aces 2030» genannten neuen Strategie hat bereits begonnen. Die Marinesparte TKMS brachte Thyssenkrupp im vergangenen Herbst an die Börse. Das Unternehmen ist mittlerweile wie die Muttergesellschaft im Börsensegment MDAX gelistet. FĂŒr das Stahlsegment laufen GesprĂ€che mit dem indischen Stahlkonzern Jindal Steel ĂŒber eine Ăbernahme. «Mit Jindal Steel sind wir in konstruktivem Austausch», erklĂ€rt LĂłpez. Weitere Angaben machte er dazu nicht.Â
AktionĂ€rsvertreter: «Zuversicht ist zurĂŒckgekehrt»
AktionĂ€rsvertreter Ă€uĂerten sich positiv ĂŒber die Unternehmensentwicklung. «Vertrauen ist wieder da, Zuversicht ist zurĂŒckgekehrt», sagte Oliver Vollbrecht von der Deutschen Schutzvereinigung fĂŒr Wertpapierbesitz (DSW). «Wir vertrauen ihnen, aber niemals blind», sagte Daniel Voss von der Schutzvereinigung der Kapitalanleger.Â
Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka Investment forderte, Thyssenkrupp weiter zu entflechten und die KomplexitĂ€t zu verringern. «Das wird der Kapitalmarkt honorieren. Auch wenn es deutliche Fortschritte gab, darf es das nicht gewesen sein. Wir wĂŒnschen uns ein schlankes GeschĂ€ftsmodell und einen Abbau weiterer Beteiligungen in absehbarer Zeit.»
IG Metall fordert Verzicht auf Dividende
Vor Beginn der Hauptversammlung demonstrierten mehrere hundert BeschĂ€ftigte vor der Veranstaltungshalle und forderten die AktionĂ€re auf, auf eine Dividende zu verzichten. «Nach dem jĂŒngsten Börsengang der Marine haben AktionĂ€re bereits ĂŒberdurchschnittlich profitiert. Jetzt eine Dividende aus der Substanz auszuschĂŒtten, wĂ€re wirtschaftlich falsch und ein fatales Signal», hieĂ es in einem Flugblatt der IG Metall.
Die AktionĂ€re sollen eine Dividende in Höhe von 15 Cent je Aktie erhalten. Insgesamt will das Unternehmen 93 Millionen Euro ausschĂŒtten. Auch manche AktionĂ€rsvertreter lehnten die PlĂ€ne ab: «Die Zahlung einer Dividende erfolgt zulasten der Substanz», sagte Speich. Thyssenkrupp lebe seit Jahren von seiner Substanz. «Damit muss endlich Schluss sein.»
HKM-BeschĂ€ftigte demonstrieren fĂŒr Sozialtarifvertrag
An der Demonstration nahmen auch BeschĂ€ftigte des Duisburger Stahlherstellers HKM teil, der vor einer ungewissen Zukunft steht. «Wir wollen endlich einen Sozialtarifvertrag», sagte Betriebsratschef Marco Gasse. HKM ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Stahlfirmen Thyssenkrupp Steel, Salzgitter und Vallourec und beschĂ€ftigt rund 3.000 Menschen. Laut IG Metall soll ein Sozialtarifvertrag regeln, wie der erwartete Personalabbau sozialvertrĂ€glich gestaltet werden kann. Ăber ihn wird seit mehreren Monaten verhandelt.









