ROUNDUP, Putin

Putin und Xi fordern bei Gipfel in China neue Weltordnung

01.09.2025 - 15:52:08

TIANJIN - Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping haben sich beim Gipfel der Shanghaier Organisation fĂŒr Zusammenarbeit (SOZ) fĂŒr eine Weltordnung ohne eine Dominanz der USA und Europas starkgemacht.

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TIANJIN (dpa-AFX) - Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping haben sich beim Gipfel der Shanghaier Organisation fĂŒr Zusammenarbeit (SOZ) fĂŒr eine Weltordnung ohne eine Dominanz der USA und Europas starkgemacht. Das eurozentrische und euroatlantische Modell habe sich ĂŒberlebt, sagte Putin den anwesenden Staats- und Regierungschefs im chinesischen Tianjin. Xi forderte, eine MentalitĂ€t des Kalten Krieges, Blockkonfrontationen und Schikane abzulehnen. Nötig sei ĂŒberdies mehr Zusammenhalt der Shanghaier Organisation, die sich als politisches Gegengewicht zu westlichen BĂŒndnissen wie der Nato und der EU versteht.

Xi und auch Putin fordern schon lĂ€nger den Aufbau einer "multipolaren Weltordnung". Damit meinen sie vor allem eine Weltordnung abseits einer aus ihrer Sicht vorherrschenden FĂŒhrung der USA. China strebt dafĂŒr nach mehr Einfluss im Globalen SĂŒden und prĂ€sentiert sich mit Investitions-Initiativen, etwa der "Neuen Seidenstraße", als Alternativen zu westlichen Partnern.

Dominiert von AnfĂŒhrern autoritĂ€rer Staaten

Die SOZ wurde vor 24 Jahren als Organisation fĂŒr den Kampf gegen Terrorismus und fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit gegrĂŒndet. Mittlerweile gehören ihr zehn Staaten an, darunter neben GrĂŒndungslĂ€ndern wie Russland, China und Kasachstan auch Indien, Pakistan sowie seit 2023 der Iran und seit 2024 Belarus. Dominiert wird die SOZ von AnfĂŒhrern autoritĂ€rer Systeme, die international auch wegen Menschenrechtsverletzungen in der Kritik stehen.

Xi schlÀgt neue Initiative vor

Als "grĂ¶ĂŸtes Highlight" des Gipfels pries Chinas Außenminister Wang Yi die von Xi vorgebrachte Initiative fĂŒr globale RegierungsfĂŒhrung (GGI) an. "Das Monopol globaler RegierungsfĂŒhrung einiger weniger LĂ€nder darf nicht weitergehen", sagt er. Alle LĂ€nder hĂ€tten ungeachtet ihrer GrĂ¶ĂŸe hĂ€tten ein Recht, in internationalen Angelegenheiten teilzunehmen, sagte er. Die Initiative soll nach Vorstellung Xis unter anderem Multilateralismus fördern und echtes Handeln erzeugen - konkreter wurde er zunĂ€chst nicht.

Xi hob die Erfolge der Shanghaier Organisation hervor, darunter die Zusammenarbeit gegen Terrorismus und Investitionen in die Industrie. Ihm zufolge erreichen die Mitglieder der Organisation zusammen eine jĂ€hrliche Wirtschaftsleistung von beinahe 30 Billionen US-Dollar (25,6 Billionen Euro). Xi kĂŒndigte außerdem 2 Milliarden Yuan (knapp 239,5 Millionen Euro) an Hilfe fĂŒr SOZ-Mitglieder an.

Modi und Putin halten HĂ€ndchen

Nach Xis Auftaktrede sprachen weitere Staats- und Regierungschefs, darunter Irans PrÀsident Massud Peseschkian und Indiens Premierminister Narendra Modi.

Die SOZ-Mitglieder unterzeichneten zudem eine gemeinsame ErklÀrung. Darin sprachen sie sich gegen wirtschaftliche HandelszwÀnge aus und verurteilten unter anderem die Angriffe Israels und der USA auf den Iran im Juni und die Terrorattacke vom 22. April im von Indien kontrollierten Landesteil Kaschmir. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine fand keine ErwÀhnung.

Russlands PrĂ€sident Putin traf am Rande unter anderem Modi. Der Inder forderte dabei ein Ende des Ukraine-Kriegs. Putin ging in seinen öffentlich gemachten Aussagen nicht auf den Krieg ein, sondern betonte die gute und enge Zusammenarbeit. Videos zeigten Putin und Modi vor der Zeremonie Hand in Hand durch die Konferenzhalle laufen. Nach dem folgenden Treffen mit dem tĂŒrkischen PrĂ€sidenten Recep Tayyip Erdogan geht Putin nach eigenen Worten davon aus, dass die TĂŒrkei auch weiter als Gastgeberin russisch-ukrainischer GesprĂ€che gefragt sein wird.

Zwischen Streit und Kooperation

Am Vortag und schon einen Tag vor Beginn des Gipfels fĂŒhrte Xi mit ersten Staats- und Regierungschefs der mehr als 20 angekĂŒndigten Gipfelteilnehmerstaaten sowie Organisationsvertreten wie UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres EinzelgesprĂ€che. Daraus veröffentlichte die chinesische Seite zumeist Forderungen nach mehr Zusammenarbeit zwischen den Staaten. Im GesprĂ€ch mit Modi ging es allerdings auch um einen seit Jahrzehnten schwelenden Grenzkonflikt, der die Beziehungen der beiden bevölkerungsreichsten LĂ€nder der Welt in den vergangenen Jahren stark beeintrĂ€chtigt hatte.

Bei einem Bankett fĂŒr die StaatsgĂ€ste am Sonntagabend (Ortszeit) sagte Xi, die Welt erlebe VerĂ€nderungen wie seit einem Jahrhundert nicht mehr, mit einer deutlich zunehmenden InstabilitĂ€t und Unsicherheit. Die SOZ trage eine noch grĂ¶ĂŸere Verantwortung fĂŒr die Wahrung des Friedens und der StabilitĂ€t in der Region, betonte er.

Einfluss durch Trump

In die Karten spielt der SOZ nicht zuletzt das angeschlagene VerhĂ€ltnis vieler Staaten mit den USA im Streit um Zölle. So hatte US-PrĂ€sident Donald Trump jĂŒngst die AufschlĂ€ge fĂŒr Importe aus Indien auf 50 Prozent verdoppelt. Washington begrĂŒndete dies unter anderem mit Indiens Öl-GeschĂ€ften mit Russland, die Geld in Moskaus Kasse fĂŒr den Angriffskrieg in der Ukraine spĂŒlen. Der Besuch Modis in China - der erste seit sieben Jahren - wurde deshalb auch als AnnĂ€herung an Peking gesehen.

WĂ€hrend Modi an diesem Montag abreist, bleibt Putin mehrere Tage in China, um am Mittwoch in der nahe gelegenen chinesischen Hauptstadt Peking unter anderem mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un einer MilitĂ€rparade zum 80. Jahrestag des Sieges ĂŒber Japan im Zweiten Weltkrieg beizuwohnen. Zuvor sind am Dienstag auch bilaterale russisch-chinesische Verhandlungen geplant.

@ dpa.de