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WDH / ROUNDUP 3 / Nach Biden-RĂŒckzug: Demokraten versammeln sich hinter Harris

22.07.2024 - 21:30:20

(Tippfehler im 2. Satz korrigiert: Die 59-JĂ€hrige...)WASHINGTON - Nach dem historischen RĂŒckzug von US-PrĂ€sident Joe Biden aus dem Rennen um eine weitere Amtszeit versammeln sich mehr und mehr US-Demokraten hinter seiner Stellvertreterin Kamala Harris.

(Tippfehler im 2. Satz korrigiert: Die 59-JĂ€hrige...)

WASHINGTON (dpa-AFX) - Nach dem historischen RĂŒckzug von US-PrĂ€sident Joe Biden aus dem Rennen um eine weitere Amtszeit versammeln sich mehr und mehr US-Demokraten hinter seiner Stellvertreterin Kamala Harris. Die 59-jĂ€hrige gilt damit derzeit als aussichtsreichste Bewerberin ihrer Partei fĂŒr die Wahl am 5. November. Sie hat von Biden und zahlreichen weiteren ParteigrĂ¶ĂŸen öffentlich ihre UnterstĂŒtzung erhalten und muss nun von ihrer Partei nominiert werden. Ob die Partei Bidens Vorschlag folgt, entscheidet sich auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten vom 19. bis 22. August in Chicago.

Mit dem RĂŒckzug Bidens nimmt der US-Wahlkampf gut drei Monate vor dem Wahltag neue Fahrt auf. Das Lager um den frisch gekĂŒrten Kandidaten der Republikaner, Donald Trump, reagierte auf den RĂŒckzug Bidens wĂŒtend. Gleichzeitig nutzen Trump und sein Vizekandidat J.D. Vance Bidens öffentliches EingestĂ€ndnis auch, um dessen Eignung als amtierender PrĂ€sident infrage zu stellen.

Demonstrative Einheit fĂŒr Harris

Nachdem Biden seiner Vize die volle UnterstĂŒtzung zugesagt hatte, sprachen sich auch eine Reihe weiterer ParteigrĂ¶ĂŸen zĂŒgig fĂŒr sie aus- darunter vor allem die ebenfalls als mögliche Bewerber gehandeltenGouverneure Gavin Newsom (Kalifornien), Josh Shapiro (Pennsylvania) und Roy Cooper (North Carolina).

Die frĂŒhere Vorsitzende des ReprĂ€sentantenhauses, Nancy Pelosi, stellte sich ebenfalls hinter Harris. Als langjĂ€hrige Kongressabgeordnete hat die 84-JĂ€hrige weiterhin großen Einfluss innerhalb der eigenen Partei - in der Debatte um Bidens Eignung fĂŒr eine zweite Amtszeit galt Pelosi als wichtige StrippenzieherIn. Die UnterstĂŒtzung der Top-Demokratin ist deshalb fĂŒr Harris bedeutsam.

Vom linken FlĂŒgel der Partei bekam Harris UnterstĂŒtzung von der Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez. Auch Konkurrenz von der einflussreichen Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer, muss die VizeprĂ€sidentin nach deren Verzicht nicht fĂŒrchten. Der ehemalige PrĂ€sident Barack Obama sprach dagegen nur von der Zuversicht, dass "ein herausragender Kandidat" gefunden werde. In seiner Stellungnahme verlor er ĂŒber Harris kein Wort.

Finanziell dĂŒrfte Harris jedenfalls gut ausgestattet in den Wahlkampf starten: Die den Demokraten nahestehende Fundraising-Plattform ActBlue berichtete am Sonntagabend (Ortszeit) kurz nach Bekanntwerden ihrer angestrebten Kandidatur ĂŒber Rekordspenden. Demnach wurden innerhalb weniger Stunden rund 50 Millionen US-Dollar gesammelt (etwa 46 Millionen Euro). Laut "New York Times" war der Sonntag damit der fĂŒr die Demokraten grĂ¶ĂŸte Tag fĂŒr Online-Spenden seit der PrĂ€sidentschaftswahl im Jahr 2020.

Ob Harris Trump schlagen kann, ist offen. Viele Demokraten hoffen darauf, dass Harris zumindest verhindern kann, dass die Republikaner am Ende auch beide Kammern des US-Parlaments kontrollieren. Denn bei der Wahl im Herbst werden auch alle Sitze des ReprÀsentantenhauses sowie rund ein Drittel der Sitze im Senat neu vergeben.

Trump schÀumt und stellt Eignung Bidens im Amt infrage

Trump Ă€ußerte sich nach dem RĂŒckzug Bidens erbost und setzte auf seiner Online-Plattform Truth Social mehrere Posts in Folge ab. Sein Team habe Zeit und Geld in "den Kampf gegen den betrĂŒgerischen Joe Biden" investiert. "Jetzt mĂŒssen wir wieder von vorn anfangen", schrieb Trump.

"Der korrupte Joe Biden war nicht in der Lage, fĂŒr das Amt des PrĂ€sidenten zu kandidieren, und er ist sicherlich nicht in der Lage, das Amt zu bekleiden - und war es auch nie!", schrieb er. In einem anderen Post Ă€tzte er: "Es ist ein neuer Tag und Joe Biden erinnert sich nicht daran, dass er gestern aus dem Rennen ausgestiegen ist!"

Der 78-JĂ€hrige war beim Parteitag der Republikaner in Milwaukee vergangene Woche offiziell zum Kandidaten seiner Partei gekĂŒrt worden, ebenso Vance als Vizekandidat. Auf dem Parteitag inszenierte sich Trump nach dem Attentat auf ihn als Politiker, den die SchĂŒsse verĂ€ndert hĂ€tten und der nun das tief gespaltene Land einen wolle.

Trump ist 18 Jahre und vier Monate Ă€lter als Harris. Mit Bidens RĂŒckzug ist Trump der Ă€lteste PrĂ€sidentschaftskandidat in der Geschichte der USA.

Die Krise der vergangenen Wochen

Seit Bidens desaströsem Auftritt bei einem Fernsehduell gegen Trump war die Kritik an seinem Alter immer grĂ¶ĂŸer geworden. WĂ€hrend des Schlagabtauschs hatte sich der mĂ€chtigste Mann der Welt regelmĂ€ĂŸig verhaspelt. Er verlor den Faden, starrte mit offenem Mund ins Leere und konnte hĂ€ufig seine SĂ€tze nicht richtig beenden.

Biden selbst versuchte zunĂ€chst, sich herauszureden. Seinen schwachen Auftritt begrĂŒndete er mit MĂŒdigkeit in Folge anstrengender Auslandsreisen. Bei diversen Auftritten versicherte er trotzig, er werde sich nicht zurĂŒckziehen. Doch weitere Patzer folgten. Am Ende wurde der Druck aus den eigenen Reihen zu groß.

In den vergangenen Tagen hatte sich Biden nach einer Infektion mit dem Coronavirus in sein Privathaus in Rehoboth, Delaware zurĂŒckgezogen und keine öffentlichen Termine absolviert. WĂ€hrend seiner Zwangspause fasste er nun den Entschluss, sich dem Druck seiner Parteikollegen zu beugen.

Respekt fĂŒr Biden

FĂŒhrende Demokraten sowie Staats- und Regierungschef aus der ganzen Welt zollten Biden Respekt fĂŒr den bedeutenden Schritt.

Der fĂŒhrende Demokrat im Senat, Chuck Schumer, wĂŒrdigte Biden als großartigen PrĂ€sidenten und bemerkenswerten Menschen. "Seine Entscheidung war gewiss nicht leicht, aber er hat wieder einmal sein Land, seine Partei und unsere Zukunft an die erste Stelle gesetzt", schrieb der Senator in einer Stellungnahme. Der heutige Tag zeige, dass Biden "ein wahrer Patriot und großer Amerikaner" sei.

First Lady Jill Biden (73) kommentierte den RĂŒckzug ihres Ehemannes mit zwei Herzen auf der Plattform X.

Ein Wahljahr wie keines zuvor

Schon vor dieser grĂ¶ĂŸtmöglichen Komplikation war dieses US-Wahljahr eines, das auf allen Ebenen heraussticht, vor allem mit Blick auf den republikanischen Kandidaten. Mit Trump bewirbt sich ein verurteilter StraftĂ€ter um das höchste Amt im Staat. Als erster Ex-PrĂ€sident der USA wurde er in einem Strafverfahren schuldig gesprochen - wegen der Verschleierung einer Schweigegeldzahlung an eine Pornodarstellerin. Im Wahlkampf hat das dem 78-JĂ€hrigen bislang nicht geschadet. Es laufen noch andere Strafverfahren gegen ihn - allerdings dĂŒrfte es vor dem Wahltag in diesen FĂ€llen nicht mehr zum Prozess kommen.

Zu einer Eskalation im Wahlkampf kam es vor gut einer Woche, als ein SchĂŒtze auf einer Veranstaltung Trumps in Pennsylvania das Feuer eröffnete. Trump wurde bei dem Attentat am Ohr verletzt, ein Zuschauer kam ums Leben, zwei weitere wurden verwundet.

Bereits das jĂŒngste US-Wahljahr 2020 war chaotisch gewesen. Trump akzeptierte seine Wahlniederlage gegen Biden damals nicht, sondern versuchte mit drastischen Mitteln, den Wahlausgang umzukehren. Sein Feldzug gipfelte damals in einem gewaltsamen Angriff seiner AnhĂ€nger auf das US-Kapitol, bei dem mehrere Menschen ums Leben kamen./trö/DP/he

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