WDH / ROUNDUP 2 / GerÀuschlose Premiere: Schwarz-Rot sondiert still und leise
28.02.2025 - 17:32:35(Tippfehler korrigiert)
BERLIN (dpa-AFX) - Fast viereinhalb Stunden haben Union und SPD in Berlin hinter verschlossenen TĂŒren die Möglichkeiten fĂŒr die Bildung einer schwarz-roten Bundesregierung ausgelotet. "Die Sondierungsrunde trifft sich kommende Woche wieder", teilten die GeneralsekretĂ€re von CDU, CSU und SPD, Carsten Linnemann, Martin Huber und Matthias Miersch, in einer Stellungnahme mit. Vor den Kameras Ă€uĂerte sich aus den Verhandlungsteams zunĂ€chst niemand. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll die nĂ€chste Runde spĂ€testens am Donnerstag stattfinden, im GesprĂ€ch ist auch der Dienstag.
Konstruktive AtmosphÀre mit Fokus auf aktuelle Haushaltslage
"Die SondierungsgesprĂ€che haben in einer offenen und konstruktiven AtmosphĂ€re begonnen", hieĂ es weiter. Zum Inhalt der Beratungen wurden keine Details genannt - nur, dass Bundesfinanzminister Jörg Kukies (SPD) der Runde einen Ăberblick ĂŒber die Haushaltslage gegeben habe.
Gegen 10.00 Uhr hatten am Vormittag die ersten GesprĂ€che begonnen. FĂŒhrende Vertreter der drei Parteien waren dazu in Berlin in einem GebĂ€ude des Bundestags, dem Jakob-Kaiser-Haus, eingetroffen. Vor der achtzehnköpfigen groĂen Runde hatten sich die Spitzen von Union und SPD zunĂ€chst knapp eine Stunde lang in einer kleinen Runde ausgetauscht. Daran nahmen neben den Parteichefs Friedrich Merz (CDU), Markus Söder (CSU), Lars Klingbeil und Saskia Esken (beide SPD) auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt (CSU), Unions-FraktionsgeschĂ€ftsfĂŒhrer Thorsten Frei (CDU) und SPD-GeneralsekretĂ€r Matthias Miersch (SPD) teil.
Dem Vernehmen nach sollte es bei dem ersten Treffen nur fĂŒnf Tage nach der Bundestagswahl auch darum gehen, atmosphĂ€rische Unstimmigkeiten aus dem Wahlkampf zu bereinigen. Die Rede war auch davon, "ein GefĂŒhl fĂŒreinander zu entwickeln".
Umfrage: Einige SPD-Abgeordnete wollen keinen Kanzler Merz
Wie dringend ein neues Miteinander notwendig ist, zeigt eine Umfrage der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Demnach gibt es unter den 120 SPD-Abgeordneten im neuen Bundestag mindestens acht, die ein Problem damit haben, Merz zum Bundeskanzler zu wÀhlen. Die Koalition von SPD und Union hÀtte aber nur eine knappe Mehrheit von 12 Stimmen- weshalb die Kanzlermehrheit aktuell noch alles andere als gesichertist.
"Ich muss Friedrich Merz meine Stimme nicht geben, wenn er zum Bundeskanzler gewĂ€hlt werden sollte. Ich bin nur meinem Gewissen verpflichtet", zitierte die Zeitung den SPD-Abgeordneten Sebastian Roloff. Er bezifferte die Zahl der SPD-Abgeordneten, die Merz kritisch gegenĂŒberstĂŒnden sogar auf "drei HĂ€nde voll". Sie begrĂŒndeten ihre Zweifel nach Angaben der Zeitung auch mit dem Verhalten der Union bei der Migrationsabstimmung im Bundestag und einer daraus abgeleiteten fehlenden VerlĂ€sslichkeit der Union.
Merz will Regierung bis Ostern
FĂŒr die Union saĂen nach dpa-Informationen in der groĂen Runde auch die GeneralsekretĂ€re Carsten Linnemann (CDU) und Martin Huber (CSU) am Tisch. Hinzu kamen Sachsens MinisterprĂ€sident Michael Kretschmer (CDU), die stellvertretende CDU-Vorsitzende Karin Prien und CSU-Vize Dorothee BĂ€r.
FĂŒr die SPD sondierten zudem Verteidigungsminister Boris Pistorius und Arbeitsminister Hubertus Heil. BundestagsprĂ€sidentin BĂ€rbel Bas, die beiden MinisterprĂ€sidentinnen Manuela Schwesig und Anke Rehlinger sowie der Chef der NRW-SPD, Haushaltsexperte Achim Post, waren auch im Verhandlungsteam.
Bei dem Treffen ging es auch darum, den weiteren Zeitplan und das weitere Vorgehen abzustecken. Merz hat wiederholt deutlich gemacht, dass er angesichts der groĂen Herausforderungen keine Zeit verlieren und bis Ostern eine Regierung bilden möchte. Klingbeil betonte aber wiederholt, es gebe keinen Automatismus einer Regierungsbeteiligung der SPD.
Schwesig warnt vor "krassen AfD-Ergebnissen" im Westen
Offizielle Stellungnahmen aus den Verhandlungsteams gab es zunÀchst keine, einzig Mecklenburg-Vorpommerns MinisterprÀsidentin Schwesig gab am Rande ein kurzes Statement ab. Sie appellierte eindringlich an Union und SPD, aus den Fehlern der Ampel-Regierung zu lernen: "Wenn jetzt die Demokraten nicht die Probleme lösen und das besser machen als die Ampel-Regierung, dann werden die krassen AfD-Ergebnisse aus dem Osten auch im Westen ankommen."
Bereits nach der Bundestagswahl 2021 sei der Fehler begangen worden, die Ergebnisse der AfD im Osten nicht ernst zu nehmen, sagte Schwesig. Dies dĂŒrfe sich nicht wiederholen. Es sei daher gut und wichtig, dass zwei MinisterprĂ€sidenten aus Ostdeutschland bei den GesprĂ€chen dabei seien, neben ihr ist das Sachsens CDU-Regierungschef Kretschmer.
Alle Seiten mĂŒssten sich bewegen und zusammenraufen
Auf die Inhalte der GesprĂ€che wollte Schwesig aber nicht eingehen, "vor die Klammer muss gezogen werden Vertrauen und VerlĂ€sslichkeit". Dies sei eine Lehre aus der gescheiterten Ampel-Regierung. Dauerstreit schade nicht nur alle Akteuren, sondern auch der Demokratie. "Beide Seiten mĂŒssen aufeinander zugehen. Alle mĂŒssen sich zusammenraufen und bewegen." Mit Blick auf die angespannte Finanzlage sagte Schwesig, es brauche solide Finanzen und SpielrĂ€ume, um die Wirtschaft zu unterstĂŒtzen, um die Energiewende "hinzubekommen" und fĂŒr die "groĂen Themen Sicherheit und Bundeswehr".

