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WDH / ROUNDUP / Joe Biden sagt Goodbye: Was beim PrÀsidentenbesuch ansteht

18.10.2024 - 07:29:42

(Tippfehler korrigiert)BERLIN - Gut drei Monate vor dem Ende seiner Amtszeit ist US-PrÀsident Joe Biden zu seinem ersten bilateralen Besuch in Deutschland eingetroffen.

(Tippfehler korrigiert)

BERLIN (dpa-AFX) - Gut drei Monate vor dem Ende seiner Amtszeit ist US-PrÀsident Joe Biden zu seinem ersten bilateralen Besuch in Deutschland eingetroffen. Seine Regierungsmaschine Air Force One landete am spÀten Abend in der Hauptstadt, wo heute unter anderem Treffen mit BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzler Olaf Scholz geplant sind.

Der 81-JĂ€hrige hatte ursprĂŒnglich schon eine Woche zuvor nach Berlin reisen wollen, den Trip aber kurzfristig abgesagt - wegen eines Hurrikans, der zu der Zeit auf die SĂŒdostkĂŒste der USA zusteuerte. Nun holt Biden seinen Besuch in deutlich abgespeckter Form nach, mit einem kurzen Arbeitsbesuch anstelle eines Staatsbesuches. Mit der Tötung des Hamas-Chefs Jihia al-Sinwar rĂŒckt das Thema Nahost bei den GesprĂ€chen dabei weiter nach oben.

Eine bedeutsame Entwicklung im Gaza-Krieg

Kurz vor Bidens Ankunft in Berlin verkĂŒndete Israel, das eigene MilitĂ€r habe Hamas-AnfĂŒhrer Sinwar getötet. Biden, seine Stellvertreterin Kamala Harris und sein Nationaler Sicherheitsberater Jake Sullivan werteten das umgehend als echte Chance auf ein Ende des Gaza-Krieges und auf eine Freilassung der restlichen Geiseln aus den HĂ€nden der Hamas. Denn Sinwar sei ein wesentliches Hindernis fĂŒr einen Deal gewesen, argumentierten sie. Ob der Optimismus angebracht ist, muss sich zeigen.

Die USA waren in den vergangenen Monaten maßgeblich in die indirekten GesprĂ€che zwischen Israel und Hamas eingebunden - bislang mit wenig Erfolg. Sullivan betonte aber, Sinwars Tod sei nun eine bedeutsame Entwicklung, die eine Chance auf echte Bewegung berge. Ziel der USA und ihrer Partner ist es nicht nur, den Konflikt zwischen Israel und der Hamas zu beenden, sondern auch zu verhindern, dass Israels Konflikte mit der Hisbollah und dem Iran in einen verheerenden FlĂ€chenbrand ausarten. Auch darum geht es bei den GesprĂ€chen in Berlin.

Eine Geste in beide Richtungen

FĂŒr Biden ist die Stippvisite in erster Linie ein Abschiedstrip. Im Januar scheidet der Demokrat aus dem Amt. Dass er nach fast vier Jahren, in denen er bis auf den G7-Gipfel 2022 im bayerischen Elmau einen Bogen um Deutschland machte und der Bundesregierung keinen Solo-Besuch widmete, nun doch noch nach Berlin reist, ist eine Geste.

"Er wollte seine Amtszeit nicht verstreichen lassen, ohne die Hauptstadt eines unserer wichtigsten Partner und VerbĂŒndeten zu besuchen", sagte Bidens Berater Sullivan auf dem Flug nach Berlin. Deutschland sei ein wichtiger VerbĂŒndeter in der Nato, bei den G7 und bei der UnterstĂŒtzung der Ukraine. Scholz half dem US-PrĂ€sidenten zuletzt auch mit der politisch durchaus heiklen Freilassung des Tiergartenmörders dabei, einen großen Gefangenenaustausch mit Russland auf die Beine zu stellen.

Aber auch Scholz und Steinmeier wollen Biden in besonderer Weise wĂŒrdigen. Steinmeier wird dem Demokraten die "Sonderstufe des Großkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik" verleihen - die höchste Auszeichnung, die Deutschland zu vergeben hat. Von den 14 US-PrĂ€sidenten, die seit Bestehen der Bundesrepublik regiert haben, wurde bisher sonst nur George Bush senior damit geehrt. FĂŒr Biden, der nach einer jahrzehntelangen Karriere und nach einem abrupten Ende im Weißen Haus an seinem politischen VermĂ€chtnis arbeitet, ist das eine Zierde in seiner Bilanz.

Nach den chaotischen Regierungsjahren des Republikaners Donald Trump hatte er einige SchĂ€den im transatlantischen VerhĂ€ltnis zu reparieren. Und das Zusammentrommeln westlicher Partner zur UnterstĂŒtzung der Ukraine stand in den vergangenen Jahren im Zentrum seiner Außenpolitik. Biden ist so etwas wie der Lieblingsstaatschef von Scholz. Der Kanzler hat sich gerade in der Ukraine-Politik sehr an Biden orientiert - wĂ€hrend er mit seinem wichtigsten europĂ€ischen VerbĂŒndeten Emmanuel Macron nie so richtig warm geworden ist.

Was wird aus Selenskyjs "Siegesplan"?

Macron ist am Freitag in Berlin auch dabei, genauso wie der britische Premierminister Keir Starmer. Gemeinsam werden die vier wichtigsten Nato-LĂ€nder nach einem EinzelgesprĂ€ch zwischen Biden und Scholz darĂŒber beraten, was sie mit dem "Siegesplan" des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj anfangen wollen.

Biden und Scholz waren sich bisher einig, dass ihnen die von Selenskyj geforderte bedingungslose Einladung der Ukraine in die Nato zu weit geht. Auch dessen Vorhaben, den Krieg mit westlichen Waffen in russisches Territorium zu tragen, sehen die beiden skeptisch. Trotzdem sind sie fest entschlossen, die wichtigsten UnterstĂŒtzer der Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland bleiben zu wollen.

Umstrittene Stationierung von US-Mittelstreckenraketen

Und dann ist da noch die geplante Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland ab 2026. Scholz will damit den von Russland in Kaliningrad stationierten Raketen etwas entgegensetzen. Auch in seiner eigenen Partei fĂŒhlen sich aber viele ĂŒberrumpelt. Der Kanzler dĂŒrfte sich fĂŒr die Hilfe trotzdem ausdrĂŒcklich bei Biden bedanken. Denn ob Deutschland kĂŒnftig noch in gleichem Maße wie jetzt auf die militĂ€rische UnterstĂŒtzung der USA in der Nato setzen kann, steht in den Sternen.

Die Entscheidung darĂŒber fĂ€llt am 5. November, wenn sich die Amerikaner bei der PrĂ€sidentenwahl zwischen Trump und Harris entscheiden können. Sollte Trump gewinnen, dĂŒrften wieder extrem schwierige Zeiten im deutsch-amerikanischen VerhĂ€ltnis anbrechen.

@ dpa.de