Baum, Wald

Trockenheit und SchÀdlinge belasten WÀlder

27.06.2023 - 14:07:42

Trockenheit und SchĂ€dlinge setzen vor allem den NadelbĂ€umen seit Jahren zu. Im Harz sind die einst als Monokulturen angepflanzten riesigen FichtenbestĂ€nde zum Großteil abgestorben. Wie kann es weitergehen?

In weiten Teilen des Harzes stehen nur noch die StĂ€mme der abgestorbenen Fichten - Trockenheit, SchĂ€dlinge und StĂŒrme haben in den vergangenen Jahren zugeschlagen. «Ein Großteil der Fichten im Harz sind schon abgestorben. Da ist nicht mehr viel. Da kann auch nicht mehr viel verschwinden», sagte Ulrike Talkner, die die Abteilung Umweltkontrolle bei der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) leitet, der Deutschen Presse-Agentur. Im Harz werden die Folgen des Klimawandels besonders deutlich, auch weil im dortigen Nationalpark die Natur sich selbst ĂŒberlassen bleibt. Das GrĂŒn muss sich erst wieder zurĂŒckkĂ€mpfen.

Wie stark etwa Insekten insbesondere den NadelbĂ€umen zusetzen, zeigen Daten, die das Statistische Bundesamt am Mittwoch herausgegeben hat. Im vergangenen Jahr waren InsektenschĂ€den in 60 Prozent der FĂ€lle die Ursache fĂŒr den durch WaldschĂ€den bedingten Holzeinschlag, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Im Vorjahr hatten die Statistiker den Rekordwert von 81 Prozent gemeldet. Seit 2016 ist der Befall mit SchĂ€dlingen die Hauptursache fĂŒr den Schadholzeinschlag.

Wind-und SturmschĂ€den spielen eine große Rolle

Die Entwicklung der kommenden Jahre ist aus Talkners Sicht nicht vorhersehbar. «In vielen Regionen steht aber noch Fichte und dort ist der BorkenkĂ€fer auch wieder zugange», sagte die Expertin, die an Waldzustandsberichten fĂŒr mehrere BundeslĂ€nder beteiligt ist. Wie es weitergehe, komme extrem auf die Witterung an. Folgten mehrere feuchte und kĂŒhle Jahre, könne sich die Lage wieder entspannen. Von einer kompletten Entwarnung gehe sie aber nicht aus, denn der Klimawandel sei grundsĂ€tzlich da. Und nicht nur der BorkenkĂ€fer schĂ€dige die BĂ€ume, sondern auch andere Insekten und Pilze.

Und nicht nur das: Im vergangenen Jahr spielten mit gut einem Viertel auch Wind- und SturmschĂ€den eine große Rolle - ihr Anteil kann von Jahr zu Jahr stark variieren. Seit 2020 erfassen die Statistiker auch Trockenheit als Ursache. Seitdem ist dieser Anteil von 5,2 auf 8,1 Prozent gestiegen. In der Summe wurden im vergangenen Jahr bundesweit 44,7 Millionen Kubikmeter Schadholz eingeschlagen. Insgesamt lag die Menge des Holzeinschlags bei 78,7 Millionen Kubikmetern.

Die BĂ€ume leiden unter Trockenstress

Durch den Klimawandel sind DĂŒrren hĂ€ufiger und heftiger geworden. Die ZeitrĂ€ume ohne NiederschlĂ€ge werden lĂ€nger. «Der Klimawandel und insbesondere sein Einfluss auf die Trockenheit der letzten Jahre hat einen immer grĂ¶ĂŸeren Anteil an diesen SchĂ€den und auch an der Zusammenwirkung der verschiedenen Schadfaktoren», sagte der Wald-Experte Christopher Reyer vom Potsdam-Institut fĂŒr Klimafolgenforschung der Deutschen Presse-Agentur. Ein weiterer Grund fĂŒr die hohen SchĂ€den sei, dass WĂ€lder in Deutschland und Europa in den wenigsten FĂ€llen natĂŒrlich seien - dadurch könnten sie oft auch schlechter SchĂ€den abpuffern.

Besonders prekĂ€r ist die Lage der WĂ€lder in Sachsen-Anhalt laut Talkner, weil die Bodenwasserspeicher ĂŒber die Winter nicht mehr aufgefĂŒllt werden. Das sei auch in diesem Jahr nach den vermeintlich regenreichen zurĂŒckliegenden Monaten so. Die BĂ€ume litten unter sogenanntem Trockenstress und seien anfĂ€lliger fĂŒr SchĂ€dlinge.

Wald-Experte Reyer fordert, aus den SchĂ€den der vergangenen Jahre Konsequenzen zu ziehen und WĂ€lder widerstandsfĂ€higer zu gestalten. Man mĂŒsse die Bewirtschaftungsziele anpassen und mehr Raum fĂŒr natĂŒrliche Prozesse lassen und «die Anforderungen einer sich verĂ€ndernden Welt» berĂŒcksichtigen, sagte der Experte.

Dem Umweltbundesamt zufolge hat bereits an etlichen Orten der Waldumbau begonnen. Mit dem Aufbau von MischwÀldern werde versucht, den Wald resistenter zu machen. AnfÀlligere Monokulturen sollen hingegen vermieden werden.

Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Deutscher WaldbesitzerverbĂ€nde, JĂŒrgen Gaulke, sagte: «Die Zahlen sind erschreckend, aber nicht ĂŒberraschend». Bei nun rund 600 000 Hektar geschĂ€digter WaldflĂ€che in Deutschland belaufe sich der Schaden auf rund 20 Milliarden Euro. Es gehe um vernichtetes Holz ebenso wie um den verlorenen CO2-Speicher und Wirtschaftsfaktoren wie den Tourismus. Insbesondere fĂŒr Besitzer kleiner FlĂ€chen sei die Wiederaufforstung eine erhebliche finanzielle Last. Pro Hektar werden laut Gaulke 5000 und 10 000 Euro fĂ€llig. Das gebe ein Wald wirtschaftlich nicht her.

@ dpa.de