Israels Armee bleibt vorerst im SĂŒdlibanon
18.02.2025 - 06:35:01Die Aufgabe der Posten war im Ende November besiegelten Waffenruhe-Abkommen mit der libanesischen Hisbollah-Miliz vereinbart worden, das zunĂ€chst auf 60 Tage angelegt und dann noch einmal um gut drei Wochen verlĂ€ngert worden war. Den Abzug aus dem Nachbarland zu verzögern, sei zunĂ€chst eine "vorĂŒbergehende MaĂnahme", sagte ein israelischer Armeesprecher.
Dem Sprecher zufolge wurde das Vorgehen mit der von den USA und Frankreich angefĂŒhrten internationalen Kommission abgesprochen, die ĂŒber die Einhaltung des Waffenruhe-Abkommens wachen soll und der auch Israel, der Libanon und die UN-Friedenstruppe Unifil angehören. Eine offizielle BestĂ€tigung von dritter Seite gab es dafĂŒr nicht.
Libanons mit der Hisbollah verbĂŒndeter ParlamentsprĂ€sident Nabih Berri hatte zuvor schon betont, eine VerlĂ€ngerung sei fĂŒr die libanesische Regierung indiskutabel. Auch der neu ernannte PrĂ€sident Joseph Aoun hatte eine Einhaltung der Frist angemahnt und will Berichten zufolge am Dienstag eine offizielle ErklĂ€rung abgeben. Hisbollah-Chef Naim Kassim hatte den Israelis in einer Fernsehansprache gedroht: Sollten ihre Truppen ĂŒber den 18. Februar hinaus im Libanon bleiben, handele es sich um eine Besatzung - und jeder wisse, "wie mit einer Besatzung umgegangen wird".
VerstöĂe gegen Waffenruhe von beiden Seiten
Ende November war nach mehr als einjĂ€hrigem Beschuss zwischen Israel und der Hisbollah ein Ende der Kampfhandlungen vereinbart worden. Nach dem von der islamistischen Hamas angefĂŒhrten Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 hatte die Hisbollah begonnen, den Norden Israels mit Raketen zu beschieĂen. Der Konflikt eskalierte im September 2024 und entwickelte sich zu einem blutigen Krieg zwischen der Schiiten-Miliz und dem jĂŒdischen Staat, der im Libanon 4.047 Menschen das Leben kostete und in Israel 76 Menschen.
Die Vereinbarung zur Waffenruhe sah ursprĂŒnglich den Abzug der israelischen Truppen binnen 60 Tagen vor. Doch Israel veranlasste eine VerlĂ€ngerung bis zum 18. Februar. Seit Inkrafttreten der Waffenruhe kam es von beiden Seiten zu VerstöĂen.
Israels Armee will strategisch wichtige Posten halten
Israels MilitĂ€r werde "eine kleine Anzahl von Truppen" an fĂŒnf strategisch bedeutsamen Punkten entlang der Grenze belassen, kĂŒndigte ein Armeesprecher kurz vor Ablauf der Frist am Montag an. Davon abgesehen solle der Abzug der restlichen Soldaten bis Dienstag wie vereinbart vollzogen werden. In den gerĂ€umten Gebieten werde die Verantwortung an die libanesische Armee ĂŒbergeben. Wie lange die israelische Armee an den verbleibenden Posten auf libanesischem Boden festhalten will, ist unklar.
Die libanesische Armee soll gemÀà der Vereinbarung militĂ€rische Bewegungen der Hisbollah im Grenzgebiet verhindern. Die Miliz soll sich bis hinter den - etwa 30 Kilometer nördlich der Landesgrenze verlaufenden - Litani-Fluss zurĂŒckziehen. Das ist nach israelischer Darstellung bisher nicht vollstĂ€ndig geschehen. Ein Hindernis dabei: Viele der Hisbollah-AnhĂ€nger stammen aus Grenzorten und leben dort normalerweise auch. Israel wirft der libanesischen Armee vor, nicht schnell genug nachgerĂŒckt zu sein und damit ihre Verpflichtungen nicht erfĂŒllt zu haben.
Aktiven Beschuss auf Israel gab es seit Inkrafttreten der Waffenruhe nicht mehr. Libanons Armee warf Israel jedoch wiederholt Angriffe auf libanesisches Gebiet vor. Erst am Montagnachmittag wurde bei einem israelischen Angriff nahe der KĂŒstenstadt Sidon nach MilitĂ€rangaben ein Mitglied der Hamas getötet. Die Angaben der Konfliktparteien lassen sich unabhĂ€ngig kaum ĂŒberprĂŒfen.

