ROUNDUP, G7-Gipfel

Was beim G7-Gipfel erreicht wurde - und was nicht

18.06.2025 - 06:35:02 | dpa.de

Trotz der vorzeitigen Abreise von US-PrÀsident Donald Trump und mangelnder Erfolge bei zentralen Streitthemen haben mehrere G7-Staaten ihren Gipfel in Kanada positiv bewertet.

"Dieser G7-Gipfel ist weitaus erfolgreicher, als ich es am Anfang gedacht habe", sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in Kananaskis. Er verwies darauf, dass eine Einigung auf einvernehmliche ErklĂ€rungen zu sieben Themen gelungen sei. Der kanadische Premierminister Mark Carney als Gastgeber habe die Gruppe fĂŒhrender demokratischer WirtschaftsmĂ€chte zusammengehalten, lobte Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron.

Selbst US-PrĂ€sident Donald Trump, der den Gipfel mit seiner vorzeitigen Abreise durcheinanderwirbelte und aus dem Flugzeug gegen Macron keilte, pries den Gipfel: "Ich habe es geliebt. Und ich denke, wir haben viel erledigt bekommen." Konkret nannte er dann aber nur die beim Treffen in den Rocky Mountains verkĂŒndeten Fortschritte bei seinem Handelspakt mit Großbritannien - was eigentlich aber nichts mit dem G7-Gipfel zu tun hat.

Die Nichtregierungsorganisation Oxfam warf den G7 mit Blick auf die Gipfelergebnisse dagegen vor, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Die Staatengruppe habe ihre Chance verpasst, Druck fĂŒr Frieden im Nahen Osten zu machen, teilte Oxfam mit - und prangerte mangelnde Fortschritte bei Klimaschutz und Entwicklungshilfe an.

Was also kann die Staatengruppe nach dem Gipfel in den Rocky Mountains vorweisen - und was blieb auf der Strecke?

Was erreicht wurde:

Das G7-Format ist nicht tot

Immerhin: Der erste G7-Gipfel in Trumps zweiter Amtszeit ist nicht in einem ganz großen Debakel geendet. Das klingt nach wenig, war aber vorab nicht ausgemacht angesichts der großen Differenzen zwischen dem US-PrĂ€sidenten und seinen Kollegen. Man erinnere sich daran, wie Trump in seiner ersten Amtszeit den Kanada-Gipfel der Gruppe von 2018 platzen ließ, indem er seine Zustimmung zur AbschlusserklĂ€rung nachtrĂ€glich zurĂŒckzog. Ein Fiasko dieser GrĂ¶ĂŸenordnung konnte Gastgeber Carney vermeiden. Der Westen ist noch (zumindest eingeschrĂ€nkt) gesprĂ€chsfĂ€hig.

Das ist auch deshalb wichtig, weil ein Großteil der Runde sich schon nĂ€chste Woche beim Nato-Gipfel in Den Haag wieder trifft, wo unter dem Druck Trumps ein neues Nato-Ziel fĂŒr Verteidigungsausgaben beschlossen werden soll. Da geht es letztlich um nicht weniger als die Frage, ob die USA weiter als Schutzmacht fĂŒr Europa bereitstehen.

Sieben Mal auf einer Linie

Carney kann zumindest ein paar konkrete Ergebnisse vorweisen. Insgesamt sieben ErklĂ€rungen verabschiedeten die G7-Chefs, beispielsweise zum Kampf gegen irregulĂ€re Migration und Schleuser. Konkret geht es etwa darum, die Jagd auf Schleuserbanden durch eine noch bessere Überwachung von GeldflĂŒssen zu intensivieren.

Mit einem neuen Aktionsplan fĂŒr kritische Mineralien wollen die G7-Staaten ihre AbhĂ€ngigkeit von autoritĂ€ren RohstoffmĂ€chten wie China verringern und eigene Lieferketten fĂŒr strategisch wichtige Rohstoffe wie Lithium, Kobalt oder seltene Erden absichern. Und beim Einsatz von KĂŒnstlicher Intelligenz wollen die G7 eine Vorreiterrolle einnehmen - nicht nur fĂŒr wirtschaftliches Wachstum, sondern auch fĂŒr gesellschaftlichen Nutzen.

Allerdings: Es handelt sich ĂŒberwiegend um wenig strittige Themen und Vereinbarungen mit ĂŒberschaubarer Tragweite. Die richtig heißen Eisen wurden ausgeklammert.

Gemeinsame Position zum Iran-Krieg

Eine der sieben ErklĂ€rungen war eine echte Überraschung: die gemeinsame Positionierung zum Krieg zwischen Israel und dem Iran. Zumindest bei einem der aktuell brisantesten geopolitischen Themen konnte die Runde eine gemeinsame Linie finden: Bekenntnis zum Selbstverteidigungsrecht Israels, Aufruf zum Schutz von Zivilisten - und das Diktum, der Iran dĂŒrfe niemals eine Atombombe besitzen. Allerdings: Der Text gibt keinerlei Hinweise, wie ein Ausweg aus der Eskalation gefunden werden könnte. Und Trump lĂ€sst nicht nur die G7, sondern die ganze Welt im Unklaren, ob er an der Seite Israels in den Krieg eingreifen will.

Was nicht erreicht wurde:

Bei Russland weiter gespalten

Beim Ukraine-Krieg ziehen Trump und die EuropĂ€er weiterhin nicht an einem Strang. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj reiste eigens nach Kanada, um gemeinsam mit den europĂ€ischen G7-Staaten auf Trump einzuwirken. Sie wollen, dass dieser den Druck auf Moskau erhöht und neue US-Sanktionen billigt. Doch als die G7-Chefs am Dienstag mit Selenskyj zusammensaßen, war Trump lĂ€ngst abgereist.

Allerdings zeigt sich Kanzler Merz zuversichtlich, dass es schon bald Bewegung geben könnte: "Ich gehe mit dem vorsichtigen Optimismus zurĂŒck nach Deutschland, dass es auch in Amerika in den nĂ€chsten Tagen hier Entscheidungen geben wird, weitere Sanktionen gegen Russland zu verhĂ€ngen." Kanada und Großbritannien haben bereits weitere Strafmaßnahmen angekĂŒndigt, die EU arbeitet derzeit am mittlerweile 18. Paket.

Keine sichtbaren Fortschritte im Zollstreit zwischen EU und USA

Ein Durchbruch im Zollstreit ist weiter nicht in Sicht. Die in der EU zustĂ€ndige KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen sprach zwar in Kanada mit Trump ĂŒber das Thema, konkrete Fortschritte konnte sie aber nicht verkĂŒnden. Etwas Optimismus verbreitete lediglich Kanzler Merz. Er zeigte sich zuversichtlich, dass es bis zum 9. Juli zumindest einen begrenzten Deal mit den USA geben kann - etwa fĂŒr ausgewĂ€hlte Bereiche wie die Autoindustrie. Wenn bis zum 9. Juli keine Einigung erzielt wird, greifen nach derzeitigem Stand neue hohe US-Zölle auf fast alle Exporte aus der EU in die Vereinigten Staaten- und die EU wĂŒrde ihrerseits mit Zöllen auf Einfuhren aus den USAantworten.

Trump schimpft und provoziert

Trump begann den Gipfel schon mit einer Provokation, als er erneut den Ausschluss von Kremlchef Wladimir Putin aus der G8 nach der Annexion der ukrainischen Krim 2014 kritisierte. Die Stunden, die er beim Gipfel dabei war, blieben dann zwar ohne Eklat - doch dieses Maß an Gemeinsamkeit wurde durch sein nachtrĂ€gliches Austeilen gegen Macron prompt wieder relativiert.

Und mit seiner vorzeitigen Abreise entstand der Eindruck, dass er dem Format G7 als Forum der westlichen WirtschaftsmĂ€chte wenig Bedeutung zumisst - wobei aber erwĂ€hnt werden muss, dass auch andere G7-Chefs in der Vergangenheit schon frĂŒher von Gipfeln abreisten. Aber ein Signal der Geschlossenheit ging damit von diesem Gipfel eher nicht aus.

Keine gemeinsame AbschlusserklÀrung

Schon vorab war auf eine umfassende gemeinsame AbschlusserklĂ€rung verzichtet worden, um ein Scheitern zu verhindern. Das unterstreicht: Bei den großen Streitthemen finden die G7 keine gemeinsame Linie.

Wichtige Themen fielen völlig unter den Tisch

Manche Themen, bei denen die G7-Staaten in der Vergangenheit wichtige Akzente setzten, fanden gar nicht erst statt, weil mit Trump ohnehin keine Einigkeit zu erzielen wĂ€re. So etwa die Entwicklungshilfe - die in den USA dafĂŒr zustĂ€ndige Behörde war unter Trump kurzerhand eingestampft worden. Und obwohl die G7-Teilnehmer sich in einer ErklĂ€rung zutiefst besorgt zeigen ĂŒber die "rekordverdĂ€chtigen WaldbrĂ€nde" in den vergangenen zehn Jahren, wird der Klimawandel als ein wichtiger Faktor auf Druck der USA nicht erwĂ€hnt. Beide Themen gehörten bei frĂŒheren Gipfeln zum Pflichtprogramm der G7.

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