Israel will Krieg gegen Hamas bis zum Sieg fortfĂŒhren
14.12.2023 - 06:00:01"Wir machen weiter bis zum Ende, bis zum Sieg, bis zur Zerstörung der Hamas, auch angesichts internationalen Drucks", sagte er am Mittwoch vor Soldaten nach einer Mitteilung des Regierungspresseamtes. "Nichts wird uns aufhalten."
Angesichts der katastrophalen humanitĂ€ren Lage im Gazastreifen verliert Israel allerdings immer mehr an RĂŒckhalt fĂŒr seinen Krieg gegen die Terrororganisation Hamas. In der UN-Vollversammlung hatten mehr als 150 LĂ€nder einen sofortigen humanitĂ€ren Waffenstillstand verlangt, was Israel empört zurĂŒckwies.
Selbst aus den verbĂŒndeten USA wĂ€chst der Druck. Das WeiĂe Haus erwartet vom Besuch des Nationalen Sicherheitsberaters in Israel ab diesem Donnerstag "Ă€uĂerst ernste GesprĂ€che". Jake Sullivan will mit Netanjahu und dem Kriegskabinett ĂŒber die nĂ€chste Phase der militĂ€rischen Operationen im Gazastreifen und die israelischen BemĂŒhungen sprechen, prĂ€ziser vorzugehen und den Schaden fĂŒr die Zivilbevölkerung zu verringern.
Israels MilitÀr: Hamas nutzt Zivilisten als menschliche Schutzschilde
Angesichts der wachsenden Kritik an den zahlreichen zivilen Opfern der MilitĂ€roffensive im Gazastreifen warfen die israelischen StreitkrĂ€fte der Hamas erneut vor, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. "Unsere Truppen haben groĂe Waffendepots und Tunnel in mehreren Schulen gefunden. Sie haben sogar versteckt in einem Teddy-BĂ€ren ein ScharfschĂŒtzengewehr entdeckt", sagte MilitĂ€rsprecherin Keren Hajioff. Dennoch bemĂŒhten sich die StreitkrĂ€fte, bei ihrem Einsatz gegen die Hamas zivile Opfer zu vermeiden. "Unser Krieg gilt der Hamas, nicht den Menschen in Gaza", sagte Hajioff. "Aber wĂ€hrend die Hamas jeden unschuldigen Toten als Teil ihrer Strategie betrachtet, ist fĂŒr uns jeder Tod eines Unschuldigen eine Tragödie."
Umfrage unter PalÀstinensern: Hamas im Aufwind und Abbas im Aus
Nach dem Massaker in Israel mit 1200 Toten und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg stieg das Ansehen der Hamas einer Umfrage zufolge im Westjordanland deutlich. 44 Prozent der Menschen unterstĂŒtzten die Hamas, wĂ€hrend es dort im September nur 12 Prozent waren, hieĂ es in einer Erhebung des als seriös geltendenden palĂ€stinensischen Umfrageinstituts PSR. Auch im Gazastreifen stieg das Ansehen der Hamas, wenn auch weniger stark von 38 Prozent auf 42 Prozent. In der Frage, ob der Hamas-Ăberfall auf Israel vor mehr als zwei Monaten richtig war, gehen die Meinungen zwischen den PalĂ€stinensern im Westjordanland und dem Gazastreifen allerdings auseinander. WĂ€hrend im Westjordanland 82 Prozent den Angriff befĂŒrworteten, waren es im direkt betroffenen KĂŒstenstreifen nur 57 Prozent.
UNRWA-Chef: Verzweifelte Familien ohne Essen im Gazastreifen
Weil es im Gazastreifen so wenig Nahrungsmittel gibt, brach bei der Ankunft einer der wenigen Lastwagen mit HilfsgĂŒtern Chaos aus. Das berichtete der Chef des UN-Hilfswerks fĂŒr PalĂ€stinensische FlĂŒchtlinge im Nahen Osten (UNRWA), Philippe Lazzarini, am Mittwoch in Genf. "Die PalĂ€stinenser stehen vor dem dunkelsten Kapitel ihrer Geschichte seit 1948", sagte er. 1948 wurde der Staat Israel gegrĂŒndet. Er habe verzweifelte Menschen gesehen, die direkt auf der StraĂe TĂŒten aufrissen, um das wenige Essen zu verschlingen, das sie ergattern konnten, schilderte Lazzarini die Lage.
Israels MilitÀr: Hamas feuert Raketen aus humanitÀrer Zone ab
Die islamistische Hamas feuert nach Angaben der israelischen StreitkrĂ€fte weiterhin Raketen aus der von Angriffen ausgenommenen "humanitĂ€ren Zone" im Gazastreifen ab. Seit der Einrichtung der Schutzzone fĂŒr Zivilisten am 18. Oktober seien aus dem Gebiet rund um die Ortschaft Al-Mawasi an der MittelmeerkĂŒste 116 Raketen auf Israel abgeschossen worden, teilte das MilitĂ€r am Mittwoch mit. 38 Geschosse seien innerhalb des Gazastreifens eingeschlagen. "Die Hamas nutzt die humanitĂ€re Zone weiterhin, um terroristische AktivitĂ€ten auszuĂŒben und bringt damit das Leben von Zivilisten im Gazastreifen und in Israel in Gefahr", hieĂ es in der Mitteilung der StreitkrĂ€fte weiter.
Regen verschlimmert Lage fĂŒr Vertriebene im Gazastreifen
Aufgrund von heftigen RegenfĂ€llen verschĂ€rft sich die Lage der Vertriebenen im Gazastreifen weiter. "Wir haben Angst um unsere Kinder wegen der KĂ€lte und des Regens, die mit dem Wintereinbruch immer schlimmer werden", sagt Chadija al-Scharafi, der im Gazastreifen wohnt. Er und seine Familie hĂ€tten auf der Flucht aus dem nördlichen Teil des abgeriegelten Gebiets alles zurĂŒckgelassen. Jetzt seien sie ohne ausreichend Kleidung dem Wetter ausgesetzt. Nach Angaben des UN-PalĂ€stinenserhilfswerks UNRWA sind mittlerweile fast 1,9 Millionen Menschen wegen des Kriegs im Gazastreifen Binnenvertriebene - bei mehr als 2,2 Millionen Bewohnern insgesamt. Viele Menschen schlafen unter freiem Himmel.
Was am Donnerstag wichtig wird
Der Nationale Sicherheitsberater der USA, Sullivan, will unter anderem mit Netanjahu und dem Kriegskabinett ĂŒber das weitere Vorgehen im Gaza-Krieg beraten. Bayerns MinisterprĂ€sident Markus Söder (CSU) will einen Kibbuz besuchen. Am spĂ€teren Nachmittag sind politische GesprĂ€che mit StaatsprĂ€sident Izchak Herzog geplant.

