Solar, Deutschland

Solarbranche braucht hunderttausende FachkrÀfte

02.10.2023 - 07:32:36

Trotz schwacher Konjunktur ist FachkrÀftemangel eine Hauptsorge der deutschen Wirtschaft. Besonders besorgt ist die Solarbranche, die auf rasantes Wachstum hofft - mit entsprechendem FachkrÀftebedarf.

Die europĂ€ische Solarbranche rechnet in den nĂ€chsten Jahren mit einem Bedarf von mehreren hunderttausend zusĂ€tzlichen FachkrĂ€ften. Nach einem Bericht des europĂ€ischen Dachverbands Solar Power Europe (SPE) hatte der Sektor in der EU bis zum vergangenen Jahr hochgerechnet 648.000 «VollzeitĂ€quivalente» geschaffen, zum grĂ¶ĂŸten Teil in Installation und Montage.

Bis 2027 könnten es bei einer Fortdauer des Sonnenenergiebooms demnach in einem «mittleren Szenario» bereits 1,2 Millionen sein. Den grĂ¶ĂŸten FachkrĂ€ftebedarf gibt es demnach in Deutschland.

Benötigt werden demnach hauptsĂ€chlich Bauhandwerker fĂŒr die Montage sowie Planungs- und Elektroingenieure. Die Solarbranche ist besorgt, dass fehlende FachkrĂ€fte zum Hemmschuh fĂŒr das erhoffte rasante Wachstum werden könnten. «Zu wenig BeschĂ€ftigte in den Erneuerbaren Energien fĂŒhren dazu, dass nicht genug Projekte umgesetzt werden können», sagte Sanda Bozic, Personalmanagerin bei der Baywa r.e., einem großen Projektentwickler fĂŒr Solaranlagen mit Niederlassungen in 31 LĂ€ndern und Sitz in MĂŒnchen.

Ein VollzeitĂ€quivalent ist eine im Personalmanagement ĂŒbliche Kennzahl, bei der sĂ€mtliche Stellen in VollzeitarbeitsplĂ€tze umgerechnet werden. Die tatsĂ€chliche Zahl der BeschĂ€ftigten dagegen ist in aller Regel höher, da Angestellte auch in Teilzeit arbeiten.

«Ehrgeizige Installationsziele in fast allen LÀndern Europas»

Solar Power Europe sitzt in BrĂŒssel und ist der europĂ€ische Lobbyverband fĂŒr 300 Unternehmen und nationale VerbĂ€nde, Vorsitzende ist die österreichische Managerin Walburga Hemetsberger.

Im vergangenen Jahr lag laut SPE-Bericht Polen mit knapp 147.000 VollzeitĂ€quivalenten an der Spitze, gefolgt von Spanien mit gut 103.000 und Deutschland mit knapp 96.000. Doch wird sich das nach EinschĂ€tzung des Solarverbands bald Ă€ndern: FĂŒr Deutschland gehen die Studienautoren bereits von ĂŒber 210.000 VollzeitĂ€quivalenten im Jahr 2027 aus. Das wĂ€re mehr als eine Verdopplung, die Bundesrepublik wĂŒrde damit vor Spanien und Polen an die Spitze rĂŒcken.

«Die ehrgeizigen Installationsziele in fast allen LĂ€ndern Europas fĂŒhren dazu, dass die Nachfrage nach ArbeitskrĂ€ften im Bereich der Erneuerbaren Energien - und im Solarbereich besonders - schneller steigt als anderswo», sagte Baywa r.e.-Personalchefin Bozic. Dabei stehe die Solarbranche bei den technischen Berufsgruppen im Wettbewerb mit Energieversorgern, Automobilindustrie oder auch großen IT-Unternehmen.

Sowohl der Verband als auch das Unternehmen fordern daher mehr Einsatz der Politik, um Ausbildung und Studium in technischen Berufen wieder zu grĂ¶ĂŸerer PopularitĂ€t zu verhelfen.

@ dpa.de