Wie FinanzmĂ€rkte und Ăkonomen auf die US-Wahl reagieren
06.11.2024 - 12:34:48Eine zweite Amtszeit Donald Trumps bereitet der deutschen Wirtschaft Sorgen und beflĂŒgelt zugleich AktienmĂ€rkte. BefĂŒrchtet werden in der Exportnation Deutschland insbesondere Zölle, die der Republikaner im Wahlkampf zum Schutz der US-Wirtschaft angekĂŒndigt hatte. Ein Ăberblick zu den Reaktionen:
Industrie und AuĂenhĂ€ndler warnen vor HandelsbeschrĂ€nkungen
Die deutsche Industrie blickt mit Sorgen auf eine RĂŒckkehr Trumps ins WeiĂe Haus. «FlĂ€chendeckende Zölle von zehn oder gar 20 Prozent auf alle Importe und von 60 Prozent auf Einfuhren aus China wĂŒrden nicht nur Deutschland und der EU, sondern auch der US-Wirtschaft massiv schaden», teilte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) mit.Â
«Die Welt braucht weniger und nicht mehr HandelsbeschrĂ€nkungen», hob auch der PrĂ€sident des AuĂenhandelsverbands BGA, Dirk Jandura, hervor. Die USA seien Deutschlands wichtigster Handelspartner und wichtigster VerbĂŒndeter in einer Zeit globaler UmbrĂŒche. «Wir setzen auf eine Fortsetzung der traditionell guten transatlantischen Beziehungen.»
Der PrĂ€sident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Peter Adrian, betonte: «Falls Trump einen generellen Importzoll einfĂŒhrt, wĂ€re dies ein herber RĂŒckschlag fĂŒr die deutsche Wirtschaft.» Viele Unternehmen machten sich zudem Sorgen wegen des verschĂ€rften Umgangs der USA mit China. Ein Handelskonflikt zwischen Deutschlands wichtigsten Handelspartnern wĂ€re eine weitere Belastung im internationalen GeschĂ€ft.
Aus Sicht von ArbeitgeberprĂ€sident Rainer Dulger wird Deutschland stĂ€rker in die Partnerschaft mit den USA investieren mĂŒssen. «In der Zeit der Multi-Krisen ist eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe wichtiger denn je», sagte er.
Ăkonomen befĂŒrchten Eskalation und weniger Wachstum
Ăkonomen rechnen damit, dass Trump im nĂ€chsten Jahr zunĂ€chst nur selektive, schlagzeilentrĂ€chtige Zölle verhĂ€ngen und weitere MaĂnahmen androhen könnte. «FĂŒr sich genommen könnte eine solche Eskalation der Handelsspannungen dazu fĂŒhren, dass wir unsere Wachstumsprognose fĂŒr 2025 fĂŒr Deutschland (derzeit 0,5 Prozent) um etwa 0,2 Prozentpunkte und unsere Prognosen fĂŒr andere europĂ€ische LĂ€nder um etwa 0,1 Prozentpunkte senken», teilten die Volkswirte der Berenberg-Bank mit.Â
WĂŒrden die USA tatsĂ€chlich einen Zoll von zehn Prozent auf alle Importe aus Europa erheben, könnte der Schaden noch gröĂer ausfallen. Auch der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg KrĂ€mer, erklĂ€rte: «Die Zölle verteuern nicht nur deutsche Waren in den USA, sondern dĂŒrften auch zu Gegenzöllen der EU fĂŒhren, was den AuĂenhandel weiter belasten wĂŒrde.»Â
Nach Ansicht des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft ist das «Worst-Case-Szenario» eingetreten. Es sagt einen «Handelskrieg» voraus, der die deutsche Wirtschaft in vier Jahren bis zu 180 Milliarden Euro kosten könne.Â
Der PrĂ€sident des Kieler Instituts fĂŒr Weltwirtschaft (IfW), Moritz Schularick, wertete einen Trump-Sieg ebenfalls als negativ. Damit «beginnt der ökonomisch schwierigste Moment in der Geschichte der Bundesrepublik, weil zur inneren Strukturkrise nun massive auĂenwirtschaftliche und sicherheitspolitische Herausforderungen auf uns zukommen, auf die wir nicht vorbereitet sind.»
Dax mit Verlusten nach Anfangsgewinnen - Verluste an Börsen in ChinaÂ
An der Frankfurter Börse hat Trumps Triumph zwischenzeitlich zu deutlichen Gewinnen gefĂŒhrt. Der deutsche Leitindex Dax rutschte dann aber recht deutlich ab - er verlor zum Vortagesschluss rund 1,1 Prozent auf etwa 19.039 Punkte.
An den US-AktienmĂ€rkten gab es zunĂ€chst deutliche Gewinne. Die gröĂeren asiatischen AktienmĂ€rkte reagierten unterschiedlich: In Japan ging es nach oben, die chinesischen Börsen verzeichneten Verluste. «China ist Trumps Lieblingsziel fĂŒr höhere Zölle», sagte Fondsmanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.
Auto-Aktien im Minus - Tesla mit hohen GewinnenÂ
Im deutschen Aktienhandel war der Automobilsektor klarer Verlierer. Mit AbschlĂ€gen zwischen fast fĂŒnf und gut sechs Prozent lagen Mercedes-Benz, Volkswagen, BMW und Porsche auf den hinteren PlĂ€tzen im Dax.
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) verwies darauf, dass die deutschen Hersteller im vergangenen Jahr in den USA so viele Fahrzeuge gefertigt hĂ€tten wie nie zuvor. Im ersten Halbjahr dieses Jahres war das Land demnach zudem wichtigster Abnehmer deutscher Pkw-Exporte. FĂŒr die deutsche Automobilindustrie seien die Beziehungen mit den USA von hoher Bedeutung, betonte VDA-PrĂ€sidentin Hildegard MĂŒller. «Jede Ănderung der Rahmenbedingungen kann sich auf die wirtschaftliche Situation der Branche und damit auch auf die BeschĂ€ftigung in Deutschland, aber auch in den USA auswirken.»
FĂŒr Tesla-Investoren ist der Wahlsieg von Trump ein Festtag - schlieĂlich ist Elon Musk, GroĂaktionĂ€r und Chef des E-Autobauers, ein groĂer UnterstĂŒtzer von Donald Trump. Die Tesla-Aktie legte bis zum deutschen Börsenschluss um mehr als 13 Prozent zu.Â
Erneuerbare-Energie-Aktien unter Druck
Trump ist als BefĂŒrworter der herkömmlichen Energiequellen bekannt und hatte bereits als PrĂ€sidentschaftskandidat angekĂŒndigt, soviel Ăl wie möglich fördern zu wollen, sollte er gewĂ€hlt werden. Er gilt als Gegner der Klimapolitik. Förderungen fĂŒr grĂŒne Energien könnten unter Trump zurĂŒckgefahren werden. Dies belastete auch in Deutschland diesen Sektor.
Krypto-WĂ€hrung im Aufwind
Trump war der Favorit von der Mehrheit der Krypto-Community. Nach den US-Wahlen stieg der Bitcoin auf ein Rekordhoch von etwas mehr als 75.000 Dollar. Auf der Plattform Bitstamp war der Kurs nach SchlieĂung der Wahllokale bis auf 75.080 Dollar geklettert. So teuer war das Ă€lteste und bekannteste Digitalgeld noch nie. Der Bitcoin hatte sein bisheriges Allzeithoch am 13. MĂ€rz 2024 mit einem Preis von 73.738 Dollar erreicht.Â
Ălpreise geben nach - Starker Dollar nach US-Wahlen belastet
Die Ălpreise sind zunĂ€chst gefallen. Denn der US-Dollar reagierte mit Kursgewinnen auf eine weitere PrĂ€sidentschaft Trumps, was die Nachfrage nach Rohöl bremste. Da Rohöl auf dem Weltmarkt in der Regel in Dollar gehandelt wird, verteuern Kursgewinne der amerikanischen WĂ€hrung den Rohstoff in LĂ€ndern auĂerhalb des Dollar-Raums.


