Trumps Republikaner verlieren ReprÀsentantenhaus
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Demokraten werden die Kontrolle in der Parlamentskammer ĂŒbernehmen, wie die US-Sender CNN und NBC News auf Grundlage von StimmauszĂ€hlungen und WĂ€hlerbefragungen meldeten. Der Verlust der Mehrheit in der Parlamentskammer ist auch eine Niederlage fĂŒr Trump - und wird ihm das Regieren kĂŒnftig erschweren.
Auch in der zweiten Parlamentskammer, dem Senat, verbuchten die Demokraten erste Erfolge. Noch ist aber unklar, ob sie auch dort die Mehrheit erringen können.
Mehr Kontrolle und mehr Widerstand
In der ersten HĂ€lfte seiner zweiten Amtszeit fiel das Parlament als Kontrollinstanz weitgehend aus. Im neuen Kongress muss Trump nun mit mehr Widerstand gegen seine Politik rechnen und mit mehr Kontrolle.
Mit der Mehrheit im ReprÀsentantenhaus können die Demokraten ab Januar, wenn das neu gewÀhlte Parlament erstmals zusammentritt, weitreichende Untersuchungen gegen den PrÀsidenten einleiten. Die Demokraten haben schon lÀnger zahlreiche Themen im Visier: die geschÀftlichen AktivitÀten der Familie Trumps etwa, das teils tödliche Vorgehen von Beamten im Zuge der Razzien gegen Migranten oder Trumps umstrittene Renovierungs- und Bauprojekte in der Hauptstadt Washington.
Die Demokraten können kĂŒnftig zudem Gesetzesvorhaben der Republikaner nach Belieben blockieren. Denn Gesetze mĂŒssen wortgleich in beiden Kammern verabschiedet werden. Besonders relevant ist, dass sie damit auch die Möglichkeit haben, Trumps Haushaltsgesetze zu torpedieren. Diesen Hebel könnten die Demokraten nutzen, um zu versuchen, die Republikaner zu einem Entgegenkommen bei Anliegen ihrer Partei zu drĂ€ngen. Weitere Haushaltsstreite sind also denkbar - ebenso wie weitere StillstĂ€nde der RegierungsgeschĂ€fte, sollte es keine rechtzeitige Einigung ĂŒber deren Finanzierung geben.
Droht Trump ein weiteres Amtsenthebungsverfahren?
Die Ergebnisse von Untersuchungen im US-Kongress könnten im Ă€uĂersten Fall die Grundlage fĂŒr ein weiteres Amtsenthebungsverfahren ("Impeachment") gegen Trump bilden. Als erster US-PrĂ€sident ĂŒberhaupt wurden wĂ€hrend Trumps erster Regierungszeit gleich zwei solche Verfahren gegen ihn eingeleitet. Das ReprĂ€sentantenhaus kann das mit einer einfachen Mehrheit beschlieĂen und den PrĂ€sidenten quasi anklagen.
FĂŒr eine tatsĂ€chliche Amtsenthebung mĂŒssten dann allerdings mindestens 67 der 100 Senatorinnen und Senatoren den PrĂ€sidenten fĂŒr schuldig befinden - eine hohe HĂŒrde. FĂŒr eine solche Zweidrittelmehrheit wĂ€ren die Demokraten selbst dann auf republikanische Stimmen angewiesen, wenn sie sich eine knappe Mehrheit im Senat sichern sollten. In den frĂŒheren Verfahren sprach der Senat Trump in beiden FĂ€llen frei.
UnabhĂ€ngig von den Erfolgsaussichten könnte allerdings allein ein solcher Prozess dem Image des PrĂ€sidenten schaden, der in seiner zweiten Amtszeit sehr auf sein VermĂ€chtnis bedacht ist. FĂŒr die Demokraten wĂ€re ein Impeachment-Verfahren jedoch ebenfalls nicht ohne Risiko: Wird es als politisch motiviert und ungerechtfertigt empfunden, könnte es das Trump-Lager noch enger zusammenschweiĂen. Auch der Beliebtheit des aktuell unpopulĂ€ren PrĂ€sidenten könnte es dann möglicherweise wieder zu einem Aufschwung verhelfen.
Trumps Rolle bei dem Verlust der Kammer
Trumps Zustimmungswerte sind seit Wochen verheerend. Eine Umfrage der "New York Times" mit dem Meinungsforschungsinstitut Siena bescheinigte Trump jĂŒngst eine Zustimmung von 34 Prozent unter registrierten WĂ€hlerinnen und WĂ€hlern. Laut einer Analyse der Zeitung war das der niedrigste Wert fĂŒr einen PrĂ€sidenten vor Midterms seit dem Demokraten Harry Truman im Jahr 1946.
Bei den Kongresswahlen in der Mitte zwischen zwei PrÀsidentschaftswahlen, den sogenannten Midterms, bekommt die Partei des regierenden PrÀsidenten meist einen Denkzettel verpasst. Auch wÀhrend Trumps erster Amtszeit verloren die Republikaner bei den Kongresswahlen 2018 das ReprÀsentantenhaus. "In den vergangenen 25 Jahren hat nur ein Mal die Partei des amtierenden PrÀsidenten im ReprÀsentantenhaus nicht die Zwischenwahlen verloren", sagte die Politikwissenschaftlerin an der Freien UniversitÀt Berlin, Julia Simon, der Deutschen Presse-Agentur.
Trump stand zwar nicht selbst auf dem Stimmzettel, doch die Zwischenwahlen gelten immer auch als eine Art Referendum ĂŒber die Politik des PrĂ€sidenten. Der 80-JĂ€hrige hatte das in den vergangenen Wochen noch befeuert. Trump gab sich als die zentrale Figur im Wahlkampf der Republikaner. Er reiste unermĂŒdlich von Bundesstaat zu Bundesstaat und hatte fĂŒr seine AnhĂ€nger stets dieselbe Botschaft im GepĂ€ck: "Stellt euch vor, ich stĂŒnde auf dem Stimmzettel".
Der US-PrĂ€sident setzte darauf, so seine KernanhĂ€nger zu mobilisieren. Doch fĂŒr seine Partei war die Strategie angesichts seiner schlechten Beliebtheitswerte von Anfang an riskant. US-Amerikanerinnen und -Amerikaner zeigten sich insbesondere angesichts hoher Lebenshaltungskosten unzufrieden, fĂŒr die viele von ihnen Trump verantwortlich machten.
Umfragen zeigten zuletzt, dass besonders die nach Beginn des Iran-Kriegs gestiegenen Spritpreise groĂe Teile der Bevölkerung besorgten. Trump hatte den Krieg Ende Februar gemeinsam mit Israel begonnen. Entgegen seiner anfĂ€nglichen Zusicherungen eines nur wenige Wochen dauernden Einsatzes ist der Krieg auch acht Monate spĂ€ter noch nicht beigelegt.
