Deutschland, International

Handel mit China grĂ¶ĂŸer als mit USA - Defizit wĂ€chst

20.02.2026 - 13:04:15 | dpa.de

Trumps Zölle und Chinas Expansion haben die Weltwirtschaft verÀndert. Die Exportnation Deutschland und ihr Kanzler suchen nach Strategien.

  • Die deutschen Exporte sind 2025 erstmals seit zwei Jahren wieder gewachsen (Archivbild) - Foto: Marcus Brandt/dpa
  • Besonders die Autoexporte in die USA sind eingebrochen (Archivbild) - Foto: Lars Penning/dpa
  • Das GeschĂ€ft mit den USA steht wegen Trumps Zöllen unter Druck (Archivbild) - Foto: Matt Slocum/AP/dpa
Die deutschen Exporte sind 2025 erstmals seit zwei Jahren wieder gewachsen (Archivbild) - Foto: Marcus Brandt/dpa Besonders die Autoexporte in die USA sind eingebrochen (Archivbild) - Foto: Lars Penning/dpa Das GeschÀft mit den USA steht wegen Trumps Zöllen unter Druck (Archivbild) - Foto: Matt Slocum/AP/dpa

In der deutschen Außenhandelsbilanz haben die Verschiebungen in der Weltwirtschaft deutliche Spuren hinterlassen. Die Exportwirtschaft Ă€chzt unter Trumps Zöllen und kritisiert unfairen Wettbewerb auf den WeltmĂ€rkten durch Chinas subventionierte Hersteller. Wenn Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in der kommenden Woche auf China-Reise geht, hat er zahlreiche WĂŒnsche der Wirtschaft im GepĂ€ck.

Mehr Importe aus China

Im vergangenen Jahr war China wieder der wichtigste Handelspartner fĂŒr Deutschland und ist an den USA vorbeigezogen. 2025 summierte sich das Volumen aus Importen und Exporten im GeschĂ€ft mit der Volksrepublik auf 251,8 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. 

Der Trend war dabei aber kein Freund der deutschen Handelsbilanz: Die Importe aus China wuchsen zum Vorjahr um 8,8 Prozent und waren mit 170,6 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch wie die Exporte dorthin, die gleichzeitig um 9,7 Prozent auf 81,3 Milliarden Euro schrumpften. Das Handelsdefizit zur Volksrepublik stieg um mehr als 20 Milliarden Euro auf 89,3 Milliarden Euro. Chinas Exporthits waren unter anderem Elektronik, Optik und Maschinen. 

Der US-Markt schrumpft fĂŒr die Deutschen

Auch in Richtung des nun wieder zweitwichtigsten Handelspartners, der USA, schrumpfte der Export um 9,4 Prozent. Mit 146,2 Milliarden Euro blieben die Staaten aber der grĂ¶ĂŸte Absatzmarkt fĂŒr Produkte «Made in Germany». Erhebliche Einbußen (minus 17,8 Prozent) gab es bei Autos und dazugehörigen Teilen. 

In die andere Richtung profitierten US-Erzeuger vom leichteren Zugang zum EU-Markt und steigerten ihre Ausfuhren nach Deutschland um 2,7 Prozent. In der Summe blieben die USA mit einem Außenhandelsvolumen von 240,5 Milliarden Euro zweitwichtigster Handelspartner vor den Niederlanden (209,1 Mrd/+3,3 Prozent). 

Volkswirt Sebastian Dullien von der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung sieht einen weiteren Trend: «Höhere Handelsschranken fĂŒr chinesische Lieferungen in die USA bedeuten, dass diese Waren auch nach Europa umgeleitet werden.» Das schlage sich in den gestiegenen deutschen Importen aus China nieder und erhöhe den Konkurrenzdruck fĂŒr deutsche Unternehmen auf sĂ€mtlichen MĂ€rkten. China versuche, in zentralen SchlĂŒsselbranchen WeltmarktfĂŒhrer zu werden.

Verband sieht Warnsignal

«Protektionismus dort, strukturelle Schieflage hier – das ist kein komfortables Umfeld fĂŒr eine Exportnation», sagte der PrĂ€sident des Außenhandelsverbands BGA, Dirk Jandura. «Unsere Exporte nach China gehen deutlich zurĂŒck. Das ist kein konjunktureller Ausrutscher, das ist ein Warnsignal.» Man mĂŒsse die eigenen Hausaufgaben machen, aber auch Risiken ernst nehmen. «Wir mĂŒssen Lieferketten breiter aufstellen, neue MĂ€rkte erschließen und endlich unsere WettbewerbsfĂ€higkeit stĂ€rken.»

Wunschliste fĂŒr Merz 

Der Maschinenbauverband VDMA hat Kanzler Merz eine lange Wunschliste mit auf die China-Reise in der kommenden Woche gegeben. Merz mĂŒsse deutlich machen, dass faire Wettbewerbsbedingungen Voraussetzungen fĂŒr eine Zusammenarbeit seien, sagt HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Thilo Brodtmann. China mĂŒsse dauerhaft defizitĂ€re Unternehmen vom Markt nehmen, die Subventionen herunterschrauben und öffentliche AuftrĂ€ge gleichberechtigt vergeben. Der Verband verlangt zudem ein Ende der Exportkontrollen fĂŒr seltene Erden und eine faire Bewertung der chinesischen WĂ€hrung. 

Teurer Euro hilft auch nicht

Denn auch der teure Euro macht den deutschen Exporteuren das Leben schwer, weil er ihre Waren auf den WeltmĂ€rkten verteuert. JĂŒngst ĂŒbersprang der Euro zeitweise die Marke von 1,20 US-Dollar - erstmals seit 2021. Die unberechenbare Politik von Trump hat das Vertrauen in den Dollar an den FinanzmĂ€rkten geschwĂ€cht, was umgekehrt den Euro aufwerten lĂ€sst. Trump wiederum nimmt den schwachen Dollar gerne in Kauf, um amerikanischen Exporteuren auf den WeltmĂ€rkten zu helfen. 

FĂŒr die exportorientierte deutsche Industrie werde die Luft dĂŒnner, warnt auch Carsten Klude, Chefvolkswirt bei der Bank M.M.Warburg & CO. «Ein zu starker Euro in einem fragilen globalen Umfeld ist das Letzte, was die Konjunktur jetzt gebrauchen kann.»

Hoffen auf den EU-Binnenmarkt

Trotz der Verluste auf wichtigen MĂ€rkten lĂ€uft der Export noch: Insgesamt gingen 2025 dem Statistischen Bundesamt zufolge deutsche Waren im Wert von 1.569,6 Milliarden Euro in alle Welt - vor allem Autos, Maschinen und chemische Erzeugnisse. Dank eines starken Dezembers legten die Exporte erstmals seit zwei Jahren wieder um 1,0 Prozent zu. Die Importe nach Deutschland wuchsen im Jahresvergleich krĂ€ftig um 4,4 Prozent auf 1.366,9 Milliarden Euro. Der ExportĂŒberschuss schrumpfte damit um mehr als 40 Mrd. Euro auf gut 200 Milliarden Euro. 

Was zunĂ€chst bleibt, sind Absatzchancen auf dem europĂ€ischen Binnenmarkt, die schon im vergangenen Jahr mit einem Zuwachs um 3,4 Prozent genutzt wurden. «Der Anstieg der Ausfuhren 2025 in die EU war bereits eine willkommene StĂŒtze fĂŒr die deutsche Wirtschaft», sagt Ökonom Dullien. Die steigenden öffentlichen Investitionen durch das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaschutz stĂŒtzten die Binnenwirtschaft, wie auch die Überlegungen der EU-Kommission zur Industriepolitik in die richtige Richtung gingen. Ein Aufschwung in Deutschland könne aber nur funktionieren, wenn auch der private Konsum anzieht.

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