Tschechiens Innenminister aufgeschlossen
12.03.2025 - 17:04:52 | dpa.deSein Land sei bereit, hier zusammenzuarbeiten, sagte er in Berlin. Auf die Frage, ob eine ZurĂŒckweisung von Asylsuchenden durch die deutsche Bundespolizei einen Domino-Effekt auslösen wĂŒrde, antwortete der Minister nach einem GesprĂ€ch mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD): "Das ist immer möglich." Und man sei natĂŒrlich auch mit der slowakischen Seite in Kontakt. GrundsĂ€tzlich sei es wichtig, den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern der Mitgliedstaaten der EuropĂ€ischen Union klarzumachen, dass die Reisefreiheit im Schengen-Raum ein hohes Gut sei, das es zu bewahren gelte.
Rakusan sagte, es sei bereits viel erreicht worden. "An der serbisch-ungarischen Grenze ist es viel ruhiger als vor zwei, drei Jahren", sagte der Minister. Ein Sprecher seines Ministeriums teilte nach dem Treffen mit, man begrĂŒĂe die PlĂ€ne der kĂŒnftigen neuen deutschen Regierung aus Union und SPD fĂŒr eine verschĂ€rfte Migrationspolitik. "Tschechien ist bereit, bei diesen BemĂŒhungen sehr aktiv mit Deutschland zusammenzuarbeiten", hieĂ es.
Faeser betonte, dass Deutschland bereits ZurĂŒckweisungen an den Grenzen vornehme. Auf etwaige ZurĂŒckweisungen auch von Asylbewerbern angesprochen sagte sie, Union und SPD hĂ€tten bei ihren SondierungsgesprĂ€chen vereinbart, dass so etwas nur in Abstimmungen mit den Nachbarstaaten erfolgen könne.
Möglich sind ZurĂŒckweisungen grundsĂ€tzlich nur da, wo es stationĂ€re Grenzkontrollen gibt. Die hatte Faeser in den vergangenen Jahren sukzessiv fĂŒr alle deutschen Landgrenzen angeordnet. Wer einen Asylantrag stellen will, darf aber bisher in der Regel einreisen.
Schon 47.000 ZurĂŒckweisungen an deutschen Grenzen 2024
Im vergangenen Jahr wurden laut Bundesinnenministerium rund 80.000 unerlaubte Einreisen festgestellt, wobei es in etwa 47.000 FĂ€llen zu einer ZurĂŒckweisung kam - zum Beispiel wenn jemand gefĂ€lschte Dokumente vorlegte oder weil nach einer Abschiebung eine Einreisesperre ausgesprochen worden war.
Die tschechische Regierung hatte jĂŒngst selbst eine VerschĂ€rfung des Asyl- und Migrationsrechts angekĂŒndigt. Geplant sind unter anderem eine schnellere Abschiebung von ausreisepflichtigen AuslĂ€ndern, erweiterte SicherheitsĂŒberprĂŒfungen und beschleunigte Asylverfahren.
In Berlin betonte Innenminister Rakusan nach Angaben seines Sprechers nun, dass man zugleich die regionale Zusammenarbeit und den problemlosen grenzĂŒberschreitenden Warenverkehr aufrechterhalten mĂŒsse. Er habe den Wunsch geĂ€uĂert, ĂŒber Schritte Deutschlands hin zu einem strengeren Grenzregime vorab informiert zu werden. Das ermöglicht es, diese Schritte eng zu koordinieren und je nach Lage in der gesamten Region durchzufĂŒhren.
Faeser und Rakusan unterzeichneten in Berlin einen neuen Vertrag ĂŒber die gemeinsame Staatsgrenze. Umstritten war der Verlauf der mehr als 800 Kilometer langen gemeinsamen Grenze nicht. Neu ist lediglich die digitale Darstellung des Grenzverlaufs. GemÀà EU-Vorgaben kommen hier nun Geodaten zur Anwendung, wie das Bundesinnenministerium mitteilte. Von groĂer Bedeutung seien solche Daten unter anderem bei der BekĂ€mpfung von WaldbrĂ€nden und der BewĂ€ltigung von Hochwasserlagen, sagte Faeser.
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