Kiew verschÀrft unter Druck Gesetz zur Mobilmachung
11.04.2024 - 16:52:32FĂŒr die Novelle stimmten Medienberichten zufolge 283 Abgeordnete. Notwendig waren 226 Stimmen.
HauptsĂ€chlich verschĂ€rft das Gesetz die Regeln zur Erfassung von WehrfĂ€higen. Mit Inkrafttreten sind alle MĂ€nner im wehrfĂ€higen Alter zwischen 18 und 60 Jahren verpflichtet, wĂ€hrend des geltenden Kriegsrechts ihren Wehrpass bei sich zu fĂŒhren. Innerhalb von zwei Monaten mĂŒssen die MĂ€nner auch ihre persönlichen Daten auf den aktuellen Stand bringen, ansonsten drohen Strafen.
Neue Reisedokumente werden im Ausland nur ausgestellt, wenn die Wehrpapiere vorliegen. Diese sind aber nur bei einer RĂŒckkehr in die Ukraine erhĂ€ltlich. Wer Einberufungen und Musterungsbescheide ignoriert, dem droht neben Geldstrafe kĂŒnftig auch der Entzug der Fahrerlaubnis.
Im Kampf gegen die seit ĂŒber zwei Jahren andauernde russische Invasion haben die ukrainischen StreitkrĂ€fte immer gröĂere Probleme, ihre Verluste mit neuen Soldaten auszugleichen. PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hatte dafĂŒr kĂŒrzlich das Reservistenalter auf 25 Jahre abgesenkt. Damit können MĂ€nner zwischen 25 und 60 Jahren zum Kriegsdienst eingezogen werden. Frauen können sich in der Ukraine freiwillig zum Wehrdienst melden.
Nicht im Gesetzestext enthalten ist dabei das Recht fĂŒr Soldaten, nach drei Jahren ihren Dienst zu quittieren. Im Vorfeld hieĂ es, dass dazu ein gesondertes Gesetz verabschiedet werden soll. RegelmĂ€Ăig protestieren Angehörige von Soldaten in Kiew und anderen Orten, die eine Entlassung ihrer Verwandten aus dem MilitĂ€rdienst nach ĂŒber zwei Jahren Krieg fordern.
Angesichts der hohen Verluste versuchen viele Ukrainer, sich dem Wehrdienst zu entziehen. Zehntausende sind seit Kriegsbeginn mit gefĂ€lschten Dokumenten ĂŒber die grĂŒne Grenze ins Ausland geflĂŒchtet.
Im Land selbst sind allein in den Gebieten Poltawa, Iwano-Frankiwsk und Tscherniwzi mehr als 70 000 Personen zur Fahndung ausgeschrieben. Bei der Staatsanwaltschaft sind seit Kriegsbeginn mit stark steigender Tendenz ĂŒber 46 000 Verfahren wegen Desertion und unerlaubtem Entfernen von der Truppe eingeleitet worden. Mehr als ein Viertel davon entfĂ€llt auf das erste Quartal 2024.
Moskaus Truppen rĂŒcken auf Stadt Tschassiw Jar vor
Unterdessen ist der Druck des russischen MilitĂ€rs an der Front weiterhin hoch. Nach der ErstĂŒrmung der zur Festung ausgebauten Stadt Awdijiwka drĂŒcken sie dort die Verteidiger dort weiter gen Westen. Nahe Bachmut rĂŒcken Moskaus Truppen derweil auf die Stadt Tschassiw Jar vor.
Und auch die Attacken aus der Luft machen der Ukraine zunehmend zu schaffen. Bei schweren Raketenangriffen in der Nacht wurden erneut mehrere Objekte der Energieversorgung getroffen. Betroffen seien Anlagen zur Stromerzeugung und -Verteilung in den Gebieten Charkiw, Saporischschja, Lwiw und Kiew, teilte Energieminister Herman Haluschtschenko auf Facebook mit. Auch im Gebiet Odessa gab es SchÀden.
Der gröĂte Stromproduzent des Landes, DTEK, teilte auf Telegram mit, zwei seiner WĂ€rmekraftwerke seien beschĂ€digt worden. SĂŒdlich der Hauptstadt Kiew wurde das WĂ€rmekraftwerk von Trypilje zerstört, wie der staatliche Betreiber Zentrenerho mitteilte. Von den Angestellten des Werks sei niemand verletzt worden. Ein Brand habe das Turbinenhaus erfasst, die Löscharbeiten dauerten an. Das Werk könne keinen Strom generieren.
Seit Mitte MĂ€rz sind mehr als ein Dutzend Kraftwerke zerstört oder lahmgelegt worden. PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj bat bei seinem Besuch in Litauen daher einmal mehr den Westen um verstĂ€rkte UnterstĂŒtzung bei der Flugabwehr.

