ĂberstundenzuschlĂ€ge steuerfrei: Nur 1,4% der Arbeitnehmer profitieren wirklich
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 05:11 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Doch die geplanten Reformen fĂŒr 2027 und 2028 könnten fĂŒr viele Arbeitnehmer im Minus enden.
Steuerfrei fĂŒr Ăberstunden â aber nur fĂŒr wenige
Das ArbeitsmarktstĂ€rkungsgesetz soll ĂberstundenzuschlĂ€ge bis 25 Prozent des Grundlohns steuerfrei stellen. Eigentlich sollte die Regelung zum 1. Januar 2026 starten â doch der Entwurf vom September 2025 ist bis heute nicht in Kraft getreten.
Die Steuerfreiheit gilt nur fĂŒr VollzeitkrĂ€fte mit mindestens 34 tariflichen oder 40 Wochenstunden. Und sie betrifft ausschlieĂlich die ZuschlĂ€ge, nicht die GrundvergĂŒtung. Das Problem: Nur rund 1,4 Prozent der sozialversicherungspflichtig BeschĂ€ftigten bekommen ĂŒberhaupt regelmĂ€Ăig steuerpflichtige ZuschlĂ€ge. TeilzeitkrĂ€fte â immerhin 30 Prozent aller ErwerbstĂ€tigen â gehen komplett leer aus. Gewerkschaft ver.di kritisiert das scharf.
Wie viel bringt das wirklich? Bei 3.000 Euro Bruttogehalt und durchschnittlichen Ăberstunden liegt die jĂ€hrliche Entlastung bei etwa 30 Euro.
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Die groĂe Steuerreform: Entlastungen und Belastungen
Ab 2027 greifen umfassendere Ănderungen. Der Grundfreibetrag steigt bis 2028 auf 12.900 Euro, der Arbeitnehmerpauschbetrag auf 1.430 Euro. Das Kindergeld klettert auf 272 Euro.
Doch die Kehrseite: Die Reichensteuer zieht an â ab 250.000 Euro Einkommen auf 45 Prozent, ab 280.000 Euro auf 47 Prozent. Der Handwerkerbonus schrumpft auf 15 Prozent der Kosten (maximal 900 Euro). Und bei Minijobs ist eine Anhebung der Pauschalsteuer von 2 auf 5 Prozent im GesprĂ€ch.
Sozialabgaben fressen Steuervorteile auf
Der Haken: Steigende SozialversicherungsbeitrÀge fressen die Steuervorteile vieler Arbeitnehmer auf. Der Rentenbeitragssatz soll bis 2028 auf 19,9 Prozent steigen. Hinzu kommt eine Kapitalrente mit 0,5 Prozent Zusatzbeitrag.
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Die Rechnung von Finanzwissenschaftler Frank Hechtner (FAU NĂŒrnberg-Erlangen) zeigt: Ein kinderloser Single mit 3.000 Euro Brutto hat 2028 real neun Euro weniger netto als 2026. Bei 9.000 Euro Brutto sind es sogar 904 Euro Minus pro Jahr. Paare mit zwei Kindern und jeweils 7.000 Euro Brutto verlieren ĂŒber 1.000 Euro jĂ€hrlich.
Leichte ZuwĂ€chse gibt es nur fĂŒr Alleinerziehende in bestimmten Einkommensbereichen und Familien mit mittleren Einkommen â wenn die höheren FreibetrĂ€ge und das Kindergeld die Abgabenlast ĂŒbersteigen.
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) beziffert die Reformkosten auf rund zehn Milliarden Euro. Ein vollstÀndiger Ausgleich der kalten Progression hÀtte allerdings 15 Milliarden Euro gekostet.
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