UM.Core in Mainz: Klinik bündelt Patientendaten für die Versorgung
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 09:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Universitätsmedizin Mainz etabliert als eine der ersten deutschen Universitätskliniken ein umfassendes klinisches Datenrepositorium nicht allein für wissenschaftliche Forschungszwecke, sondern unmittelbar für die klinische Routine.
Die neue Plattform mit der Bezeichnung „UM.Core“ bündelt behandlungsrelevante Informationen aus unterschiedlichen IT-Systemen des Hauses und führt diese systemübergreifend zusammen, wie aus einem Bericht vom 23. Oktober 2026 hervorgeht.
Mit über 60 Kliniken und Instituten, die in 11 Departments gegliedert sind, versorgt der Maximalversorger jährlich rund 395.000 Patientinnen und Patienten im ambulanten sowie stationären Bereich.
Angesichts dieser Größenordnung soll die zentrale Datendrehscheibe künftig Informationsbrüche im Klinikalltag abbauen und medizinischem Personal einen konsistenten Überblick über den Behandlungsverlauf ermöglichen. Prof. Dr. Ralf Kiesslich hob hervor, dass die Mainzer Universitätsmedizin mit diesem Ansatz eine Pionierrolle innerhalb der deutschen Krankenhauslandschaft einnehme.
Offene Standards und europäische Kooperation
Bei der technischen Realisierung stützt sich die Mainzer Universitätsmedizin auf ein europäisches Firmenkonsortium. Beteiligt sind das Unternehmen x-tention, das die Plattform als Managed Service in einer zertifizierten Private Health Cloud betreibt, der Plattformanbieter Better sowie Tieto Caretech mit der Lifecare Open Platform und der Oberfläche SmartUI.
Die informationstechnische Architektur setzt konsequent auf international etablierte Schnittstellen und Modellierungsstandards:
- Die dauerhafte Datenhaltung wird über den Standard openEHR realisiert.
- Die strukturierte Übermittlung medizinischer Datensätze erfolgt mittels FHIR.
- Die eigentliche Systemintegration im Kliniknetz wird über die Schnittstellenplattform MACH | Orchestra gesteuert.
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Durch diese herstellerunabhängige Trennung von Anwendungssoftware und Datenebene soll vermieden werden, dass Informationen in proprietären Silos verbleiben.
Digitalisierungsschub trifft auf regulatorische Vorgaben
Der Schritt in Mainz fällt in eine Phase tiefgreifender Umbrüche der digitalen Gesundheitsinfrastruktur. Die Digitalisierungsgesellschaft gematik stuft ihren Standard ISiK (Informationstechnische Systeme in Krankenhäusern) als verbindlich ein, um Medienbrüche zwischen Abteilungen zu minimieren, Abläufe effizienter zu gestalten und potenzielle Fehlerquellen bei der manuellen Datenübertragung zu reduzieren.
In einem im September 2026 vorgelegten Positionspapier hatte die gematik unterstrichen, dass digitale Behandlungspfade von der ersten Einweisung bis zur Nachsorge nur über standardisierte Interoperabilität zwischen Primärsystemen, Portalen und Akten gelingen können.
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Zudem erhöht der europäische Gesetzgeber den Druck auf die Akteure im Gesundheitswesen. Laut Erhebungen des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY wird die EHDS-Verordnung zum europäischen Gesundheitsdatenraum eine interoperable Datenhaltung bereits ab März 2027 verpflichtend vorschreiben, auch wenn der vollständige Nutzen des Rahmens erst für März 2031 projiziert wird.
Während viele Einrichtungen im Zuge regulatorischer Anforderungen wie ISiK schrittweise auf FHIR-basierte Schnittstellen umstellen, setzt die Mainzer Klinik mit ihrem Vorhaben früher als viele andere Häuser auf einen standardisierten Kern für die direkte Patientenversorgung.
