Umsatzsteuer-Senkung, Grundnahrungsmittel

Umsatzsteuer-Senkung: 4,9 Prozent auf Grundnahrungsmittel ab Juli

27.06.2026 - 02:39:53 | boerse-global.de

Ab Juli 2026 sinkt die Umsatzsteuer auf Milch, Brot und Co. auf 4,9 Prozent. Haushalte sparen rund 100 Euro jährlich, der Staat büßt 400 Millionen Euro ein.

Österreich senkt Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel auf 4,9 Prozent
Umsatzsteuer-Senkung - Ein Einkaufswagen, gefüllt mit Grundnahrungsmitteln wie Milch, Eiern, Brot, Obst und Gemüse, symbolisiert die Umsatzsteuersenkung. 27.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Damit sinkt die Umsatzsteuer auf zahlreiche Grundnahrungsmittel von 10 auf 4,9 Prozent – ein Schritt, der Haushalte entlasten soll, aber für Diskussionen sorgt.

Was genau wird billiger?

Die Steuersenkung greift ab dem 1. Juli 2026. Betroffen sind Milch, Joghurt, Butter, Eier, Gemüse, Obst, Reis, Mehl, Teigwaren, Brot und Speisesalz. Fleischprodukte sowie Restaurant- und Cateringumsätze sind von der Ermäßigung ausdrücklich ausgenommen.

Die Einstufung erfolgt über sogenannte KN-Codes – eine komplizierte Angelegenheit für Handel und Handwerk. Besonders kurios wird es beim Bäcker: Herkömmliches Weizenbrot oder Salzstangerl fallen unter den ermäßigten Satz. Backwaren mit mehr als 5 Prozent Zucker oder Fett in der Trockenmasse nicht. Ein Mohnflesserl mit Zuckerguss? Bleibt bei 10 Prozent.

Auch Kombinationsprodukte wie eine Wurstsemmel werden weiterhin mit dem regulären ermäßigten Satz besteuert. Kaufen Kunden die Zutaten einzeln, profitieren sie vom niedrigeren Steuersatz. Bei Getränken gilt: Reine Milch ist begünstigt, fertige Kakaogetränke nicht.

Entlastung für Verbraucher – Kosten für den Staat

Für die privaten Haushalte bringt die Reform eine durchschnittliche Ersparnis von rund acht Euro pro Monat – etwa 100 Euro im Jahr. Der Staatshaushalt verliert dadurch rund 400 Millionen Euro jährlich.

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Der Lebensmitteleinzelhandel und der Handelsverband haben angekündigt, die Steuersenkung vollständig an die Kunden weiterzugeben. Das ist mit erheblichem Aufwand verbunden: Rund sechs Millionen Euro investierte der Handel bereits in die Umstellung von Kassen- und Warenwirtschaftssystemen.

Neben dem Lebensmittelhandel sind auch regelbesteuerte Betriebe der Land- und Forstwirtschaft betroffen. Umsatzsteuerpauschalierte Betriebe stellen weiterhin 10 Prozent in Rechnung.

Kritik an der praktischen Umsetzung

WIFO-Chef Gabriel Felbermayr übte am Donnerstag scharfe Kritik an der Ausgestaltung. Er bemängelte den ungewöhnlichen Steuersatz von 4,9 Prozent und die enge Eingrenzung auf bestimmte Produktgruppen. Der bürokratische Aufwand sei enorm. Zudem drohe Verwirrung bei Kunden und Betrieben, da die Steuer von der konkreten Rezeptur abhänge.

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Das Finanzministerium verteidigt das Modell als zielgerichtete Entlastung. Das Gesetzespaket umfasst weitere fiskalische Anpassungen: die Deckelung der steuerfreien Mitarbeiterprämie auf 500 Euro sowie Änderungen bei Reisekostenzuschüssen und Gebühren für Aufenthaltstitel. Bis 2030 werden dadurch Einsparungen und Mehreinnahmen in Millionenhöhe erwartet.

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