Unfallrisiko, Arbeit

Unfallrisiko bei der Arbeit 2024 erneut zurĂŒckgegangen / Berufskrankheitengeschehen nach der Pandemie stark rĂŒcklĂ€ufig

Veröffentlicht am: 07.08.2025 um 10:15 Uhr | presseportal, AD HOC NEWS

Berlin - Das Unfallrisiko bei der Arbeit ist im vergangenen Jahr weiter zurĂŒckgegangen. Das geht aus den GeschĂ€fts- und Rechnungsergebnissen der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen hervor, die ihr Verband Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) heute veröffentlicht hat. Je 1.000 VollzeitĂ€quivalente ereigneten sich 2024 demnach 20,61 UnfĂ€lle bei der Arbeit, ein RĂŒckgang um 2,3 Prozent. Auch bei WegeunfĂ€llen, SchulunfĂ€llen und Berufskrankheiten verzeichneten die TrĂ€ger der gesetzlichen Unfallversicherung RĂŒckgĂ€nge. Der durchschnittliche Beitrag zu den Berufsgenossenschaften sank auf 1,09 Euro je 100 Euro Lohnsumme.

Unfallrisiko bei der Arbeit 2024 erneut zurĂŒckgegangen / Berufskrankheitengeschehen nach der Pandemie stark rĂŒcklĂ€ufig - Bild: presseportal.de
Unfallrisiko bei der Arbeit 2024 erneut zurĂŒckgegangen / Berufskrankheitengeschehen nach der Pandemie stark rĂŒcklĂ€ufig - Bild: presseportal.de

Insgesamt ereigneten sich im vergangenen Jahr 712.257 meldepflichtige ArbeitsunfÀlle (-3,8 Prozent) sowie 168.648 meldepflichtige WegeunfÀlle (-6,0 Prozent), also UnfÀlle von der und zur Arbeit. 307 Versicherte verloren aufgrund eines Arbeitsunfalls ihr Leben, 214 aufgrund eines Wegeunfalls. 12.821 Versicherte erhielten 2024 erstmals eine Rente aufgrund eines Arbeits- oder Wegeunfalls.

"Der RĂŒckgang des Unfallrisikos zeigt sich ĂŒber fast alle Branchen hinweg", sagt die stv. DGUV-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Dr. Edlyn Höller. "Das hohe Niveau von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit bleibt damit unverĂ€ndert." Gleichzeitig warnt Höller davor, die positive Entwicklung der Unfallzahlen als selbstverstĂ€ndlich anzusehen. "Sinkende Unfallzahlen fallen nicht vom Himmel. Sie sind das Ergebnis des Engagements der Unternehmen und BeschĂ€ftigten fĂŒr sichere und gesunde Arbeitsbedingungen. Wir alle sind gut beraten, in diesem Engagement nicht nachzulassen. Der FachkrĂ€ftemangel wird sich in den kommenden Jahren weiter zuspitzen. Mehr denn je sollten wir daher Maßnahmen, um unfall- und erkrankungsbedingte Ausfallzeiten oder FrĂŒhverrentungen zu verringern, nicht als BĂŒrokratie verstehen, sondern als Investitionen, von denen alle Seiten profitieren."

Berufskrankheiten gehen erneut stark zurĂŒck

Das Abklingen der Pandemie bestimmte auch 2024 das Berufskrankheiten-Geschehen. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen erhielten 2024 insgesamt 90.749 Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit (-38 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr). Diese Zahl nĂ€herte sich damit weiter dem Wert vor der Pandemie an.

In 26.821 FĂ€llen wurde eine Berufskrankheit anerkannt, ein RĂŒckgang um rund 63 Prozent im Vergleich zu 2023. 5.190 Versicherte erhielten im vergangenen Jahr erstmals eine Rente aufgrund einer Berufskrankheit - ein Anstieg um ĂŒber 8 Prozent gegenĂŒber 2023. Grund hierfĂŒr waren vor allem die Folgen von Erkrankungen an Covid-19.

1.888 Versicherte verstarben 2024 infolge einer Berufskrankheit, ein RĂŒckgang von ĂŒber 10 Prozent. Die Mehrzahl der TodesfĂ€lle ging auf Erkrankungen durch Asbest zurĂŒck.

UnfÀlle im Ehrenamt

Neben Arbeitnehmenden und versicherten Unternehmern sind auch verschiedene andere Gruppen gesetzlich unfallversichert, zum Beispiel Feuerwehrleute, pflegende Angehörige und verschiedene ehrenamtlich TÀtige. Insgesamt registrierten die UnfallversicherungstrÀger in dieser Gruppe 42.403 ArbeitsunfÀlle sowie 4.835 WegeunfÀlle. 649 Versicherte erhielten erstmals eine Rente aufgrund eines Versicherungsfalls. 39 Versicherte verloren bei einem Unfall das Leben.

Weniger SchĂŒlerunfĂ€lle

Der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung erstreckt sich auch auf Kinder in Tagesbetreuung, beim Besuch von allgemein- und berufsbildenden Schulen und auf Studierende. TrĂ€ger der SchĂŒlerunfallversicherung sind die Unfallkassen. Auch sie meldeten fĂŒr das vergangene Jahr einen leichten RĂŒckgang der meldepflichtigen UnfĂ€lle von 1.025.963 auf 1.012.096 (-1,4 Prozent) beim Besuch der jeweiligen Bildungseinrichtung. Der Großteil dieser UnfĂ€lle entfĂ€llt auf den Besuch allgemeinbildender Schulen.

Die Zahl der UnfĂ€lle auf dem Schulweg ist um ĂŒber fĂŒnf Prozent zurĂŒckgegangen: 87.345 Versicherte verunfallten auf dem Weg von oder zu ihrer Bildungseinrichtung (2023: 92.308).

18 Versicherte verunglĂŒckten tödlich - neun weniger als im Vorjahr. Drei tödliche UnfĂ€lle ereigneten sich in einer Bildungseinrichtung, 15 auf dem Weg dorthin oder wieder zurĂŒck an den Wohnort.

Relative Beitragsbelastung geht leicht zurĂŒck

Die gewerblichen Berufsgenossenschaften und die Unfallkassen finanzieren sich durch die BeitrĂ€ge der Unternehmer. Sie erzielen dabei keine Gewinne. Berechnungsgrundlage fĂŒr die BeitrĂ€ge sind der Finanzbedarf, die Arbeitsentgelte der Versicherten sowie - bei den Berufsgenossenschaften - die Gefahrklassen.

Der Betrag, den die Berufsgenossenschaften auf die versicherten Unternehmen umlegen, heißt Umlagesoll. Dieses Umlagesoll belief sich im vergangenen Jahr auf 14,33 Mrd. Euro. Damit lag es rund 2,6 Prozent höher als im Vorjahr. Trotz dieses Anstiegs ging der durchschnittliche Beitragssatz zur Berufsgenossenschaft von 1,12 Euro auf 1,09 Euro je 100 Euro Lohnsumme zurĂŒck. Grund hierfĂŒr war ein weiterer Anstieg des beitragspflichtigen Entgelts in der gewerblichen Wirtschaft auf ĂŒber 1,3 Billionen Euro.

FĂŒr den Umlagebeitrag der Unfallkassen haben die Unternehmen in öffentlichem Eigentum und die öffentlichen Haushalte insgesamt 2,03 Mrd. Euro aufgebracht. Damit stieg der Betrag im Berichtsjahr um 6,4 Prozent.

Aufwendungen fĂŒr Leistungen steigen um 3,3 Prozent

Die Aufwendungen der UnfallversicherungstrĂ€ger fĂŒr Leistungen stiegen 2024 um 3,3 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. Der grĂ¶ĂŸte Teil davon entfiel auf Leistungen fĂŒr VersicherungsfĂ€lle. Diese beliefen sich auf rund 12,3 Mrd. Euro. Die Kosten fĂŒr Heilbehandlung und Rehabilitation stiegen dabei um 3,7 Prozent auf 5,9 Mrd. Euro, die Kosten fĂŒr die finanzielle EntschĂ€digung von Versicherten um 2,2 Prozent auf 6,4 Mrd. Euro. 1,5 Mrd. Euro investierten Berufsgenossenschaften und Unfallkassen in Leistungen der PrĂ€vention wie Aufsicht, Beratung und Qualifizierung, 7,3 Prozent mehr als 2023.

In Folge von TarifabschlĂŒssen stiegen die Verwaltungskosten um 6,6 Prozent auf 1,8 Mrd. Euro. Höller: "Die Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung sind personalintensiv, aber dieses Geld ist gut angelegt. Unsere Beratungs- und Bildungsangebote tragen dazu bei, das hohe Niveau von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu erhalten. Mit dem Rehamanagement unterstĂŒtzen wir unsere Versicherten bei der RĂŒckkehr ins Arbeitsleben, womit den Unternehmen wertvolle Arbeitskraft erhalten bleibt."

Redaktionelle Hinweise

Meldepflicht

Arbeitgeber mĂŒssen Arbeits- und WegeunfĂ€lle melden, wenn die UnfĂ€lle zu einer ArbeitsunfĂ€higkeit von mehr als drei Tagen oder zum Tod von Versicherten fĂŒhren. In der SchĂŒlerunfallversicherung sind UnfĂ€lle immer dann meldepflichtig, wenn sie eine Ă€rztliche Behandlung nach sich ziehen. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen erfassen UnfĂ€lle in Betrieben und Einrichtungen der gewerblichen Wirtschaft und der öffentlichen Hand. Arbeits- und WegeunfĂ€lle sowie Berufskrankheiten in der Landwirtschaft sind ĂŒber die Sozialversicherung fĂŒr Landwirtschaft, Forst und Gartenbau abgesichert.

VollzeitÀquivalent

Der Begriff "VollzeitĂ€quivalent" ist ein Begriff aus der Statistik. Ein VollzeitĂ€quivalent entspricht dabei der Zahl der Arbeitsstunden, die eine in Vollzeit tĂ€tige Person im Jahr tatsĂ€chlich gearbeitet hat. Der Wert wird gebraucht, um das relative Unfallrisiko zu berechnen - also die Zahl der UnfĂ€lle pro Arbeitsstunde. Um diesen Wert zu ermitteln, mĂŒssen TeilzeitbeschĂ€ftigte ihrem Anteil entsprechend berĂŒcksichtigt werden. WĂŒrden Voll- und TeilzeitbeschĂ€ftigte unterschiedslos in der Statistik berĂŒcksichtigt, wĂŒrde dies das Ergebnis verzerren. Sinkt das relative Unfallrisiko, bedeutet dies, dass in der gleichen Arbeitszeit weniger UnfĂ€lle passiert sind.

PRESSEKONTAKT:

Stefan Boltz

Pressesprecher
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV)
Spitzenverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften
und der UnfallversicherungstrÀger der öffentlichen Hand
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