ROUNDUP, Ungarn

Ungarn belegt Kiewer Drohnentruppenchef mit Einreiseverbot

28.08.2025 - 16:11:54

Ungarn hat den Chef der ukrainischen Drohnentruppen, Robert Browdi, mit einem dreijÀhrigen Einreise- und Aufenthaltsverbot belegt.

"Der jĂŒngste schwere Luftangriff auf die Erdölpipeline "Druschba" war ein Angriff auf die SouverĂ€nitĂ€t Ungarns", teilte der ungarische Außenminister Peter Szijjarto in einer ErklĂ€rung mit, die die staatliche ungarische Nachrichtenagentur MTI veröffentlichte.

Die ukrainische Armee hatte vor anderthalb Wochen eigenen Angaben zufolge die Ölpumpstation Nikolskoje im zentralrussischen Gebiet Tambow mit Drohnen angegriffen. Es kam zu einer erheblichen BeschĂ€digung der Anlage. Ungarn und die Slowakei erhalten russisches Erdöl durch die betroffene Pipeline. Ungarischen Angaben zufolge traf erst am Donnerstag wieder russisches Erdöl ĂŒber die "Druschba"-Pipeline in Ungarn ein.

"Die Ukraine ist sich im Klaren darĂŒber, dass die Pipeline "Druschba" fĂŒr die Energieversorgungssicherheit Ungarns unabdingbar ist", erklĂ€rte Szijjarto weiter. Der jĂŒngste Angriff sei so schwer gewesen, dass Ungarn wegen der langen Dauer der Reparaturarbeiten beinahe auf seine strategischen Reserven hĂ€tte zurĂŒckgreifen mĂŒssen.

Die Einreisesperre fĂŒr den ukrainischen Drohnentruppenchef Browdi gelte fĂŒr den gesamten Schengen-Raum, fĂŒgte Szijjarto hinzu. Der Schengen-Raum umfasst die meisten EU-LĂ€nder und europĂ€ische Nicht-EU-LĂ€nder wie die Schweiz. In dem Gebiet ist im Prinzip grenzkontrollfreies Reisen möglich.

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als drei Jahren gegen eine russische Invasion und greift immer wieder auch Ziele auf russischem Staatsgebiet an. Ungarn und die Slowakei haben sich - anders als andere EU-LĂ€nder - auch nach dem Beginn der Invasion bei ihren Öl- und Gasimporten nicht aus der AbhĂ€ngigkeit von Russland gelöst. Die von der EU verhĂ€ngten Sanktionen gegen Moskau erstrecken sich nicht auf Erdgas und auch nicht auf Erdöl, das ĂŒber Pipelines transportiert wird.

Budapest steht eher auf Moskaus Seite

Der ungarische MinisterprĂ€sident Viktor OrbĂĄn verfolgt eine weithin kremlfreundliche Politik. Zugleich beschuldigt er die Ukraine, nicht zum Frieden bereit zu sein, wobei er russische Narrative verbreitet. Er wirft Kiew außerdem vor, die mehrere Zehntausend Menschen umfassende ungarische Minderheit zu unterdrĂŒcken.

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hatte Browdi (50) erst Anfang Juni zum Kommandeur der ukrainischen Drohnentruppen ernannt. Der Offizier im Range eines Majors entstammt der ungarischen Minderheit und gab sich den Kampfnamen "Madjar" (Ungar). Vor seiner Ernennung hatte er sich als GrĂŒnder und Kommandeur der Drohneneinheit "Madjars Vögel" einen Namen gemacht.

Sollte Budapest dem Offizier tatsĂ€chlich die Einreise nach Ungarn und in die Schengen-Zone versperrt haben, sei dies empörend, schrieb Selenskyj auf dem Portal X. Er wies das ukrainische Außenministerium an, die Fakten zu klĂ€ren "und entsprechend zu reagieren".

@ dpa.de