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Besuch in Kiew: Orban schlÀgt Selenskyj Feuerpause vor

02.07.2024 - 17:13:38

Ungarns MinisterprÀsident Viktor Orban hat den ukrainischen PrÀsidenten Wolodymyr Selenskyj dazu aufgefordert, im Krieg mit Russland eine Feuerpause in ErwÀgung zu ziehen.

"Internationale diplomatische Regeln sind langsam und kompliziert. Ich habe den Herrn PrÀsidenten gebeten, zu erwÀgen, ob es nicht möglich wÀre, die Reihenfolge umzukehren und mit einer schnellen Feuerpause die Friedensverhandlungen zu beschleunigen", sagte der als russlandfreundlich geltende Orban nach einem Bericht der ungarischen Nachrichtenagentur MTI in Kiew nach einem Treffen mit Selenskyj.

Selenskyj hÀlt sich bedeckt

Öffentlich ließ Selenskyj Orbans Vorschlag unbeantwortet. Derzeit gibt es keinerlei Friedensverhandlungen zwischen Kiew und Moskau. Kiew lehnt bisher offiziell eine Waffenruhe vor dem Abzug russischer Truppen ab, hatte diese Bedingung aber zuletzt nicht mehr in den Vordergrund gerĂŒckt. Beide Seiten lehnten in der Vergangenheit Waffenruhen oder auch einen Waffenstillstand mit der BegrĂŒndung ab, dass die Gegenseite die Pause nur fĂŒr eine AufrĂŒstung nutzen wĂŒrde.

Orban besuchte das Nachbarland erstmals seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine im Februar 2022. "Ziel der ungarischen RatsprĂ€sidentschaft ist es, zur Lösung der Herausforderungen beizutragen, vor denen die EuropĂ€ische Union steht. Meine erste Reise fĂŒhrte daher nach Kiew", schrieb der rechtspopulistische Politiker bei Facebook.

Ungarn hat gerade fĂŒr ein halbes Jahr die rotierende EU-RatsprĂ€sidentschaft ĂŒbernommen. Er wolle Schritte fĂŒr einen Frieden unternehmen, hatte Orban in einem Interview kurz vor seiner Reise nach Kiew angekĂŒndigt.

Die Beziehungen zwischen Kiew und Budapest gelten als angespannt. Selenskyj bekundete nach dem Treffen mit Orban die Hoffnung, dass zukĂŒnftig alle strittigen Fragen zwischen Ungarn und der Ukraine in einem bilateralen Abkommen geregelt werden könnten.

Ungarn hat mehrfach Hilfen fĂŒr Ukraine verzögert

In der Vergangenheit hatte Orban Hilfen fĂŒr die von Russland angegriffene Ukraine verzögert und mehrfach versucht, Sanktionen gegen Moskau zu verhindern. Ungarn ist weiterhin stark von russischen Gaslieferungen abhĂ€ngig, die trotz des Kriegs teilweise durch die Ukraine fließen. Allerdings will Kiew den zum Jahresende auslaufenden Vertrag zum Gastransit nicht verlĂ€ngern. Zudem hatte sich Ungarn lange Zeit gegen EU-BeitrittsgesprĂ€che mit der Ukraine ausgesprochen, diesen Widerstand aber letztlich nach Druck aus BrĂŒssel aufgegeben.

Ein weiterer Streitpunkt im VerhĂ€ltnis der Nachbarn sind die Rechte der ungarischen Minderheit in der Ukraine, als deren Schutzpatron sich Orban seit Jahren inszeniert. Dabei zeichnete sich eine Entspannung ab. Orban versprach Finanzhilfen zur Einrichtung von Schulen fĂŒr die ukrainische Minderheit und FlĂŒchtlinge in Ungarn, berichtete die Agentur Interfax-Ukraine. Budapest drĂ€ngt Kiew seit langem, der ungarischen Minderheit im Transkarpatengebiet wieder mehr Rechte unter anderem bei der Bildung zuzugestehen.

Orban war zuletzt 2015 in der Ukraine gewesen. Damals war noch Selenskyjs VorgÀnger Petro Poroschenko im Amt.

@ dpa.de