Unikliniken-Streik: 20 OP-SĂ€le in Freiburg geschlossen ab Montag
13.06.2026 - 03:32:30 | boerse-global.de
Verdi teilte heute mit, dass die Arbeitgeberseite alle vereinbarten Verhandlungstermine zum Thema âmehr gesunde Arbeitâ abgesagt hat. Die Absage erfolgt in einer Phase, in der die Gewerkschaft bereits weitere StreikmaĂnahmen angekĂŒndigt hatte.
Wissenschaft warnt vor Erschöpfung der Belegschaften
Die Unterbrechung der GesprĂ€che fĂ€llt mit aktuellen Warnungen aus der Wissenschaft zusammen. Dr. Elke Ahlers vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) wies gestern darauf hin, dass rund 43 Prozent der BeschĂ€ftigten hĂ€ufig mehr als acht Stunden pro Tag arbeiten. Fast die HĂ€lfte der ErwerbstĂ€tigen fĂŒhle sich ausgebrannt, so Ahlers. Besonders verkĂŒrzte Ruhezeiten von weniger als elf Stunden fĂŒhrten zu erheblichen Erschöpfungserscheinungen.
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Ăltere BeschĂ€ftigte zwischen 55 und 64 Jahren wĂ€ren demnach bereit, lĂ€nger im Berufsleben zu bleiben â vorausgesetzt, sie hĂ€tten mehr Einfluss auf ihre Arbeitsbedingungen. Diese Gruppe stellt rund ein Viertel aller ErwerbstĂ€tigen. Auch DIW-PrĂ€sident Marcel Fratzscher Ă€uĂerte sich gestern zur Debatte. Er mahnte mehr FlexibilitĂ€t an, befĂŒrwortete jedoch eine Obergrenze: Das Unfallrisiko steige nach acht Arbeitsstunden statistisch signifikant an.
Warnstreiks an Unikliniken in Baden-WĂŒrttemberg
WĂ€hrend bei Baur die Verhandlungen ruhen, spitzt sich die Lage im Gesundheitswesen zu. Verdi hat fĂŒr Montag und Dienstag zu zweitĂ€gigen Warnstreiks an den UniversitĂ€tskliniken in Freiburg, Heidelberg, Ulm und TĂŒbingen aufgerufen. In Freiburg allein wurden ĂŒber 20 OperationssĂ€le und knapp 60 Betten fĂŒr eine SchlieĂung angemeldet.
Grund fĂŒr die Eskalation: Das Ausbleiben eines Arbeitgeberangebots in der ersten Verhandlungsrunde und die KĂŒndigung des Rationalisierungsschutz-Tarifvertrags durch den Arbeitgeberverband. Die Gewerkschaft fordert eine Entgelterhöhung von 7,5 Prozent, mindestens jedoch 320 Euro pro Monat. Die Arbeitgeberseite verwies auf die schwierige wirtschaftliche Lage der Kliniken. So meldete die Uniklinik TĂŒbingen bei Kosten von 40 Millionen Euro ein negatives Jahresergebnis von 10 Millionen Euro. Eine zweite Verhandlungsrunde ist fĂŒr Mittwoch angesetzt â die Arbeitgeber haben ein Angebot angekĂŒndigt.
Schlichtung und festgefahrene GesprÀche in anderen Branchen
Auch in anderen Sektoren bleiben die Fronten verhÀrtet. Im Tarifkonflikt des öffentlichen Nahverkehrs in Niedersachsen wurde am Donnerstag Bodo Ramelow als Schlichter benannt. Der Konflikt betrifft zehn Unternehmen mit rund 4.550 BeschÀftigten. Neben höheren ZuschlÀgen stehen vor allem Entlastungen bei der Arbeitszeit im Fokus.
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Im hessischen Einzelhandel endete die dritte Verhandlungsrunde am Donnerstag ebenfalls ohne Ergebnis. Die Arbeitgeber warfen der Gewerkschaft mangelnde Kompromissbereitschaft vor. Die nĂ€chste Runde ist fĂŒr Anfang Juli geplant. Im Textilhandel in Niedersachsen und Bremen kam es bereits gestern zu Streiks â das vorliegende Angebot liege laut Verdi deutlich unter der Inflationsrate.
Kanzler Merz sucht Konsens fĂŒr Reformen
Auf politischer Ebene bemĂŒhte sich Bundeskanzler Merz am Donnerstag um Konsens fĂŒr anstehende Reformen. Bei einem Treffen mit WirtschaftsverbĂ€nden und Gewerkschaften standen Rente, Gesundheit und Pflege im Mittelpunkt. BDI-PrĂ€sident Leibinger drĂ€ngte auf schnelle Reformimpulse noch vor der Sommerpause. Oppositionsvertreter von GrĂŒnen, Linken und AfD kritisierten den eingeschlagenen Kurs scharf. Parallel dazu bereitet das Arbeitsministerium unter Ministerin Bas einen Gesetzentwurf zur Regelung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit vor.
