PrÀsidentenwahl in Russland hat begonnen
15.03.2024 - 06:35:17 | dpa.deIm flĂ€chenmĂ€Ăig gröĂten Land der Erde öffneten die Wahllokale am Freitag zuerst im Ă€uĂersten Osten etwa auf der fernöstlichen Halbinsel Kamtschatka. Der Urnengang, der dem 71 Jahre alten Putin weitere sechs Jahre im Amt sichern soll, wird vom russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie von massiven ManipulationsvorwĂŒrfen ĂŒberschattet.
Die Abstimmung in dem Riesenreich mit seinen elf Zeitzonen dauert bis Sonntagabend, wenn in Kaliningrad (frĂŒher Königsberg) an der Ostsee um 19.00 Uhr MEZ die letzten Wahllokale schlieĂen. Unmittelbar danach werden erste Prognosen erwartet.
Staatliche russische Meinungsforscher haben Putin, der seit fast einem Vierteljahrhundert an der Macht ist und eine fĂŒnfte Amtszeit anstrebt, bereits mehr als 80 Prozent der Stimmen prognostiziert. Das wĂ€re das höchste Ergebnis fĂŒr ihn ĂŒberhaupt.
Putins drei Mitbewerber gelten nicht nur als chancenlos. Sie sind auch alle auf Kremllinie und unterstĂŒtzen den Amtsinhaber bisweilen direkt. Bewerber, die sich gegen Putins Angriffskrieg aussprachen, wurden gar nicht erst als Kandidaten zugelassen. Die Opposition spricht von einer "Wahlfarce", die nichts mit einer Abstimmung nach demokratischen Regeln gemein habe.
OSZE-Wahlbeobachter nicht eingeladen
Wahlbeobachter der Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sind diesmal nicht eingeladen. Schon vor der Abstimmung gab es zahlreiche VorwĂŒrfe der organisierten WahlfĂ€lschung. Nicht nur werden laut unabhĂ€ngigen Beobachtern massenhaft Staatsbedienstete und Angestellte groĂer Firmen an die Urnen gedrĂ€ngt, um die Wahlbeteiligung in die Höhe zu treiben. Der Kreml hat an den drei Tagen auch illegale Scheinabstimmungen in besetzten Gebieten der Ukraine angesetzt.
Die Ukraine protestierte gegen die unter Bruch des Völkerrechts abgehaltenen Abstimmungen und forderte die internationale Gemeinschaft auf, die Ergebnisse nicht anzuerkennen. Die Wahlen seien illegitim und hÀtten keine juristischen Folgen, hieà es in Kiew. Sie gÀben zudem Anlass, Putin nicht als PrÀsident anzuerkennen. Die Oberste Rada, das ukrainische Parlament, verlangte zudem, den Sanktionsdruck auf Russland zu erhöhen.
Das AuĂenministerium in Kiew warf Russland vor, unter VerstoĂ des internationalen Rechts die territoriale IntegritĂ€t der Ukraine zu verletzten. Das Ministerium forderte die Menschen in den besetzten Gebieten auf, nicht an den "Pseudowahlen" teilzunehmen. "Russlands Diktatur hat schon lange nichts mehr mit Demokratie zu tun", hieĂ es in einer Mitteilung. Vielmehr werde Putin wegen des Verdachts, schwere Kriegsverbrechen in der Ukraine begangen zu haben, vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag per Haftbefehl gesucht. Er halte sich inzwischen seit mehr als 24 Jahren durch Manipulation, Propaganda und Gewalt, darunter Attentate auf unabhĂ€ngige Politiker, an der Macht.
In den besetzten Teilen der ukrainischen Gebiete Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson sind nach russischen Angaben 4,5 Millionen Menschen zum Urnengang aufgerufen. Abgestimmt wird auch auf der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim, die Moskau bereits 2014 annektiert hatte.
Die Zahl der in anderen LĂ€ndern lebenden Wahlberechtigten gibt Russland mit rund zwei Millionen an. Damit sind laut Wahlkommission rund 114 Millionen Menschen zur Stimmabgabe aufgerufen. Der Kreml hofft auf eine hohe Wahlbeteiligung. Putin hatte 2020 eigens die Verfassung Ă€ndern lassen, um wieder als Kandidat antreten zu können. Nach derzeit gĂŒltiger Verfassung darf er auch 2036 wieder kandidieren, dann aber zum letzten Mal.
FĂŒhrende AuĂenpolitiker gegen Anerkennung der Wahl
Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitag) haben sich fĂŒhrende westliche AuĂenpolitiker gegen eine Anerkennung der PrĂ€sidentenwahl in den besetzten Gebieten ausgesprochen. Demnach schrieben die Vorsitzenden der AuswĂ€rtigen AusschĂŒsse aus mehr als 20 Staaten: "Solche Aktionen Russlands auf dem international anerkannten Territorium der Ukraine sind völlig unrechtmĂ€Ăig und werden von der internationalen Gemeinschaft nicht anerkannt."
Die Stellungnahme sei von den Vorsitzenden der AuswĂ€rtigen AusschĂŒsse in den baltischen Staaten und von Michael Roth (SPD), dem Vorsitzenden des entsprechenden Gremiums im Bundestag, initiiert worden. Unterstrichen wird darin der Zeitung zufolge die Notwendigkeit einer politischen, wirtschaftlichen, finanziellen und militĂ€rischen UnterstĂŒtzung der Ukraine durch die EU, ihre Mitglieder und VerbĂŒndeten.
"Die bevorstehenden PrĂ€sidentschaftswahlen in Russland werden weder frei noch fair sein und durch ein umfassendes Vorgehen gegen die Opposition und die unabhĂ€ngigen Medien beeintrĂ€chtigt werden", zitierte das Blatt weiter aus dem Papier. Das Ergebnis werde "nicht den geringsten Anschein von demokratischer GĂŒltigkeit" haben.
Die Opposition um den im Straflager Mitte Februar gestorbenen Kremlgegner Alexej Nawalny rief zu einer Protestwahl gegen Putin auf. WĂ€hler sollten etwa die Stimmzettel durch ein HĂ€kchen fĂŒr mehrere Kandidaten gleichzeitig ungĂŒltig machen. Die ProtestwĂ€hler sollen sich zudem an den Wahllokalen am Sonntag 12.00 Uhr einfinden, um so zu zeigen, dass sie gegen Putin sind.
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