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Unternehmensinsolvenzen: Höchster Juli-Wert seit 13 Jahren

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 11:21 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

In Deutschland sind im Juli so viele Unternehmen insolvent gegangen wie seit 13 Jahren nicht mehr in einem einzelnen Monat. Besonders stark betroffen waren Verkehr und Lagerei, Gastgewerbe und Bau.

Die Kaufhauskette Galeria ist derzeit ein prominentes Beispiel fĂŒr Insolvenzen. Die meisten FĂ€lle sind deutlich kleiner. (Foto: Archiv)  - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
Die Kaufhauskette Galeria ist derzeit ein prominentes Beispiel fĂŒr Insolvenzen. Die meisten FĂ€lle sind deutlich kleiner. (Foto: Archiv) - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

In Deutschland sind im Juli 2373 Unternehmensinsolvenzen amtlich registriert worden – so viele wie seit 13 Jahren nicht mehr in einem einzelnen Monat.

Höchster Juli-Wert seit 2013

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts entsprach die Zahl einem Anstieg von 8,0 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahresmonat. Einen höheren Monatswert hatte es zuletzt im Juli 2013 mit 2459 FĂ€llen gegeben.

Die amtliche Statistik erfasst Insolvenzen erst, wenn das zustÀndige Insolvenzgericht eine erste Entscheidung getroffen hat. Die AntrÀge seien in der Regel annÀhernd drei Monate zuvor gestellt worden, erlÀuterten die Statistiker.

IWH erwartet RĂŒckgang im vierten Quartal

Schnellere Hinweise liefert eine Analyse des Leibniz-Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung Halle, die Insolvenzbekanntmachungen auswertet. Danach stieg die Zahl der Firmenpleiten auch im September, im gesamten dritten Quartal lag sie jedoch 2,3 Prozent unter dem Vorquartal.

Forschungsleiter Steffen MĂŒller sieht das Insolvenzgeschehen weiterhin auf hohem Niveau. FĂŒr das vierte Quartal könne insgesamt mit rĂŒcklĂ€ufigen Insolvenzzahlen gerechnet werden.

GlĂ€ubigerforderungen gehen zurĂŒck

Bei den im Juli registrierten Unternehmensinsolvenzen beliefen sich die Forderungen der GlÀubiger auf 21,9 Milliarden Euro. Im Vorjahresmonat waren es 31,8 Milliarden Euro gewesen. Im laufenden Jahr waren damit durchschnittlich kleinere Unternehmen betroffen.

Verkehr und Lagerei besonders betroffen

In den ersten sieben Monaten gerieten statistisch knapp 43 von 10.000 Unternehmen in die Insolvenz. Am höchsten war die Quote im Bereich Verkehr und Lagerei mit 86 FÀllen je 10.000 Betriebe, gefolgt vom Gastgewerbe mit 70 und dem Baugewerbe mit 63.

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen sank im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat leicht. 7111 FĂ€lle bedeuteten einen RĂŒckgang um 1,0 Prozent.

Hohe Belastung trotz vorsichtiger Entspannung

Die Juli-Zahlen zeigen, dass die Insolvenzwelle vor allem kleinere und mittlere Unternehmen trifft. Zwar lagen die Forderungen der GlĂ€ubiger deutlich unter dem Vorjahreswert, doch die Zahl der Verfahren erreichte einen fĂŒr einen einzelnen Monat ungewöhnlich hohen Stand. FĂŒr BeschĂ€ftigte, Lieferanten und Vermieter können auch kleinere Insolvenzen erhebliche Folgen haben, weil finanzielle Puffer und alternative Auftraggeber oft begrenzt sind.

Besonders stark betroffen sind Verkehr und Lagerei, Gastgewerbe sowie Bau. Diese Branchen reagieren empfindlich auf hohe Kosten, schwache Nachfrage und verzögerte Investitionen. Im Logistikbereich kommen zudem strukturelle VerÀnderungen im Handel und schwankende Transportbedingungen hinzu. Das Baugewerbe verzeichnete im August zwar einen krÀftigen Produktionsanstieg, doch eine einzelne Monatsentwicklung beseitigt die zuvor aufgelaufenen Finanzierungs- und Margenprobleme nicht.

Konjunktur bleibt widersprĂŒchlich

Die aktuelle Lage enthĂ€lt deshalb gegenlĂ€ufige Signale: Das IWH erwartet fĂŒr das vierte Quartal insgesamt rĂŒcklĂ€ufige Insolvenzzahlen, wĂ€hrend die amtlichen Juli-Daten den zeitverzögerten Höhepunkt einer lĂ€nger anhaltenden Belastung abbilden. Zugleich stieg die deutsche Produktion im August deutlich, allerdings gingen die IndustrieauftrĂ€ge zurĂŒck und die Exportlage blieb anfĂ€llig. FĂŒr Unternehmen und ihre GeschĂ€ftspartner bedeutet das, dass eine mögliche Stabilisierung nicht mit einer schnellen RĂŒckkehr zu normalen Bedingungen gleichzusetzen ist.

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