Kiew fordert reichweitenstarke Waffen - Grossi besucht AKW
03.09.2024 - 06:35:05Nötig sei nicht nur die Freigabe von Waffen fĂŒr SchlĂ€ge gegen Ziele im russischen Hinterland, sondern auch die Lieferung dieser Raketen, sagte Selenskyj nur einige Dutzend Kilometer von der Front im SĂŒden der Ukraine entfernt. Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) reist an diesem Dienstag erneut nach Kiew und will auch das russisch besetzte Atomkraftwerk Saporischschja besuchen. Derweil setzt Kremlchef Wladimir Putin einen brisanten Besuch fort.
Russland hat das Gebiet Saporischschja teils besetzt, nicht aber die gleichnamige Gebietshauptstadt, in der sich Schoof ĂŒber den ukrainischen Verteidigungskampf informierte. Der NiederlĂ€nder sicherte weitere Hilfe fĂŒr die Ukraine zu.
Gesprochen worden sei ĂŒber Wege, die Verteidigungskraft des Landes zu stĂ€rken, um einen gerechten Frieden zu erreichen, teilte Selenskyj mit. Dabei gehe es um Flugabwehr wie neue Patriot-Systeme, um die StĂ€rkung der Luftwaffe mit von Partnern gelieferten F-16-Kampfjets, um mehr Munition und AusrĂŒstung sowie um weitere Sanktionen gegen Russland. "All diese MaĂnahmen sind wichtig, um zu verhindern, dass Russland in der Ukraine neue Fronten eröffnet", sagte Selenskyj. Er machte deutlich, dass er auf eine Freigabe reichweitenstarker Waffen hoffe und nannte dabei die LĂ€nder USA, GroĂbritannien, Frankreich und Deutschland.
Kiew: Niederlande sollen bei Wiederaufbau helfen
"Wir haben auch die Möglichkeit erörtert, dass die Niederlande eine Schirmherrschaft ĂŒber Saporischschja ĂŒbernehmen, was die UnterstĂŒtzung der Infrastruktur, den Schutz des normalen Lebens und die Lösung humanitĂ€rer Fragen einschlieĂen wĂŒrde", teilte Selenskyj ĂŒber das soziale Netzwerk X mit. So könne erreicht werden, dass noch mehr Menschen in die Stadt zurĂŒckkehrten.
Selenskyj besichtigte dort auch ein nach einem Raketenschlag im Oktober 2022 wiederaufgebautes Wohnhaus. "Schritt fĂŒr Schritt werden wir alles, was zerstört wurde, wieder aufbauen. Wir werden unser Bestes tun, um sicherzustellen, dass alle unsere StĂ€dte und Gemeinden wiederbelebt werden", sagte er.
IAEA-Chef reist nach Kiew und Saporischschja
Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als zweieinhalb Jahren mit westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg. Im Gebiet Saporischschja liegt auch Europas gröĂtes Atomkraftwerk, das von russischen Truppen besetzt ist. Die internationale Sorge um die Sicherheit des AKW in dem umkĂ€mpften Gebiet ist groĂ, der erneute Besuch des Chefs der Internationalen Atomenergiebehörde eine direkte Folge. Das Atomkraftwerk ist immer wieder Ziel von Angriffen und Sabotageakten, fĂŒr die sich Moskau und Kiew gegenseitig die Schuld geben.
Mitte August hatten Kontrolleure berichtet, dass sich die Lage zugespitzt habe. In unmittelbarer NÀhe der Sicherheitszone habe es eine Explosion gegeben, die nach EinschÀtzung von IAEA-Experten vor Ort von einer Drohne mit Sprengladung verursacht worden sei.
Gefahr fĂŒr Atomkraftwerke im Kriegsgebiet
IAEA-Chef Rafael Grossi erklÀrte vorige Woche in Russland, dass Kiew um eine Ausweitung der PrÀsenz seiner Behörde in der Ukraine gebeten habe. Er hat das AKW Saporischschja bereits mehrfach besucht und dort ein Team aus IAEA-Experten stationiert. Die stÀndige PrÀsenz der internationalen Fachleute dient nicht nur der Beobachtung der Lage, sondern auch zum Abschrecken von Kampfhandlungen, die einen Atomunfall auslösen könnten.
Bei den GesprĂ€chen in der Ukraine dĂŒrfte Grossi auch von seinem Besuch im russischen Atomkraftwerk Kursk in der vergangenen Woche berichten. Nach dem Einmarsch ukrainischer Truppen in der Region Kursk hatte der IAEA-Chef vor der Gefahr eines atomaren Zwischenfalls gewarnt und die Kriegsparteien aufgerufen, sich an die Regeln der nuklearen Sicherheit zu halten.
Die Kampfhandlungen in dem Gebiet riefen ernsthafte Besorgnis hervor, hatte Grossi gesagt. Die Reaktoren des AKW in der Stadt Kurtschatow hĂ€tten keine SchutzhĂŒlle, was sie besonders anfĂ€llig mache fĂŒr Drohnenangriffe oder Artilleriebeschuss. Bislang laufe der Betrieb aber nahezu normal, sagte Grossi. Bei Kremlchef Putin bedankte er sich fĂŒr die Einladung und die Möglichkeit, die Anlage zu besichtigen.
Putin in der Mongolei - Ukraine fordert seine Festnahme
Putin traf am Montagabend in der Mongolei ein und besucht damit erstmals seit Kriegsbeginn ein Land, das den Internationalen Strafgerichtshof anerkennt. Dieser hatte im MĂ€rz vergangenen Jahres im Zusammenhang mit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine einen Haftbefehl gegen Putin erlassen - weshalb die mongolischen Strafverfolgungsbehörden den Kremlchef bei dessen Aufenthalt in der Hauptstadt Ulan Bator eigentlich festnehmen mĂŒssten. Moskau sieht wegen der freundschaftlichen Beziehungen beider LĂ€nder indes keine Gefahr fĂŒr Putin, wie Kremlsprecher Dmitri Peskow erklĂ€rt hatte.
Die ukrainische Regierung fordert die Festnahme des russischen PrĂ€sidenten und warf der Mongolei vor, ihm dabei zu helfen, sich seiner gerechten Strafe zu entziehen. Damit mache sich das Land mitverantwortlich fĂŒr Putins Kriegsverbrechen, teilte ein Sprecher des AuĂenministeriums in Kiew mit. Das VersĂ€umnis der mongolischen Regierung, den verbindlichen Haftbefehl gegen Putin zu vollstrecken, sei ein schwerer Schlag fĂŒr das internationale Strafrechtssystem und werde Konsequenzen haben.
Der Kremlchef will heute den mongolischen PrĂ€sidenten Uchnaagiin ChĂŒrelsĂŒch treffen, auf dessen Einladung er in dem Land ist. Sein Besuch dient nicht nur dem Ausbau der Zusammenarbeit beider Nachbarstaaten. Putin will mit seiner Reise auch zeigen, dass er trotz des Krieges auf internationaler BĂŒhne nicht isoliert ist.

