Urlaub, Erreichbarkeit

Urlaub und Erreichbarkeit: 66% der Arbeitnehmer bleiben erreichbar

Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 11:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Zwei Drittel der Beschäftigten bleiben im Urlaub beruflich erreichbar, vor allem aus Pflichtgefühl gegenüber Kollegen und Chefs.

Bitkom-Studie: 66 Prozent der Arbeitnehmer im Urlaub erreichbar
Ein Smartphone und eine Sonnenbrille auf einem Schreibtisch vor einem sonnigen Fenster, symbolisch für die Erreichbarkeit im Urlaub. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit weichen in den Sommermonaten für einen Großteil der Beschäftigten in Deutschland auf. Wie aktuelle Erhebungen von Bitkom Research zeigen, sind 66 Prozent der Arbeitnehmer während ihres Urlaubs für berufliche Belange erreichbar. Diese hohe Quote verdeutlicht den anhaltenden Trend zur digitalen Verfügbarkeit, selbst in der eigentlich zur Erholung vorgesehenen Zeit.

Kommunikationswege und Kanäle der Erreichbarkeit

Die Art und Weise, wie Berufstätige im Urlaub kontaktiert werden können, ist vielfältig. Laut der Bitkom-Studie nutzen 62 Prozent der erreichbaren Personen Kurznachrichtendienste für den Austausch mit dem Unternehmen. Fast ebenso häufig, nämlich bei 61 Prozent der Befragten, erfolgt die Kommunikation über klassische Telefonanrufe.

Deutlich seltener werden hingegen komplexere oder formellere Kommunikationsmittel eingesetzt. Lediglich 22 Prozent der Erreichbaren gaben an, im Urlaub berufliche E-Mails zu bearbeiten. Videocalls werden von 14 Prozent der Befragten wahrgenommen, während die Nutzung von spezifischen Kollaborationstools mit 7 Prozent den geringsten Anteil ausmacht.

Pflichtgefühl gegenüber Kollegen und Vorgesetzten

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Die Motive für die ständige Erreichbarkeit sind primär im sozialen Gefüge der Arbeitswelt verankert. Eine Mehrheit von 53 Prozent der betroffenen Arbeitnehmer fühlt sich laut der Befragung vor allem den eigenen Kollegen gegenüber verpflichtet, im Notfall ansprechbar zu sein. Ein ähnlich hoher Wert zeigt sich beim Pflichtbewusstsein gegenüber der Führungsebene: 47 Prozent gaben an, für ihre Vorgesetzten erreichbar zu bleiben. Der Kontakt zu Kunden spielt für 34 Prozent der Befragten eine Rolle bei der Entscheidung, die berufliche Kommunikation im Urlaub nicht vollständig zu kappen.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Erholungswert

Trotz der weit verbreiteten Praxis besteht aus juristischer Sicht keine Verpflichtung für Arbeitnehmer, während der Urlaubszeit für den Arbeitgeber zur Verfügung zu stehen. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht wies darauf hin, dass die Erreichbarkeit im Urlaub keine gesetzliche oder vertragliche Nebenpflicht darstellt. Ein einmal genehmigter Urlaub könne zudem nur bei einer akuten betrieblichen Gefährdung abgelehnt werden. Eine einseitige Rücknahme des Urlaubs durch den Arbeitgeber sei rechtlich unzulässig.

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Sollten Beschäftigte dennoch einer Bitte der Geschäftsführung nachkommen und den Urlaub freiwillig unterbrechen, ergeben sich daraus spezifische Ansprüche. In einem solchen Fall müssten dem Arbeitnehmer nicht nur die anfallenden Reise- oder Stornokosten erstattet werden, sondern auch die ungenutzten Urlaubstage für eine spätere Verwendung gutgeschrieben werden.

Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Bitkom, unterstrich zudem die wirtschaftliche Relevanz der Regeneration. Er betonte, dass eine konsequente Erholung physisch und psychisch notwendig sei, um die langfristige Produktivität der Beschäftigten sicherzustellen. Nur wer im Urlaub tatsächlich abschalte, könne danach wieder mit voller Leistungsfähigkeit in den Arbeitsprozess zurückkehren.

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