Affront zum Abschied: Trump verlÀsst G7-Gipfel vorzeitig
17.06.2025 - 09:06:55Trump keilte unmittelbar nach seinem Abschied mit einem Social-Media-Post gegen seinen französischen Amtskollegen Emmanuel Macron und erklĂ€rte, dass er nicht nach Washington zurĂŒckreise, um eine Waffenruhe zwischen Israel und dem Iran zu erreichen, sondern "etwas viel GröĂeres". Was er vorhat, sagte er allerdings nicht. Macron hatte vorher den Eindruck erweckt, als wolle sich Trump um eine Waffenruhe bemĂŒhen.
Der zweite Tag des Treffens der Staats- und Regierungschefs wirtschaftsstarker westlicher Demokratien in den Rocky Mountains findet nun ohne Trump statt. Und der Gipfel wird zu Ende gehen, ohne dass in zentralen Themen wie dem Umgang mit Russland und dem Zollstreit zwischen der EU und den USA Fortschritte erzielt wurden. Kurz vor der Abreise einigte sich die Gruppe immerhin noch auf eine gemeinsame ErklÀrung zum Krieg zwischen dem Iran und Israel.
HintergrĂŒnde der Abreise sind unklar
Die AnkĂŒndigung von Trumps Abreise kam völlig ĂŒberraschend, und die genauen UmstĂ€nde seiner Entscheidung blieben zunĂ€chst im Dunkeln. Der PrĂ€sident werde nach Washington zurĂŒckkehren, um sich "um viele wichtige Angelegenheiten zu kĂŒmmern", teilte seine Sprecherin Karoline Leavitt am Montagabend (Ortszeit) mit. "Es wurde viel erreicht, aber wegen der Ereignisse im Nahen Osten wird PrĂ€sident Trump heute Abend nach dem Abendessen mit den Staatschefs abreisen."
Bedeutet das nun, dass die USA militĂ€risch in den Konflikt zwischen Israel und den Iran eingreifen? Oder geht es darum, zu einer Verhandlungslösung zu kommen? Das blieb zunĂ€chst offen. Die G7-Partner traf die AnkĂŒndigung der Abreise jedenfalls unvorbereitet. In der Delegation von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) war man noch kurz vorher davon ausgegangen, dass der US-PrĂ€sident bis zum Ende des Gipfels am Dienstagabend bleiben wĂŒrde.
Macron Ă€uĂert sich positiv zu US-BemĂŒhungen
Als Affront fĂŒr die G7 wollte das aber zunĂ€chst niemand der ZurĂŒckgebliebenen werten. Im Gegenteil: Frankreichs PrĂ€sident Macron Ă€uĂerte sich demonstrativ positiv zu den US-BemĂŒhungen um ein Ende des Krieges zwischen Israel und dem Iran. Wenn die Vereinigten Staaten einen Waffenstillstand erreichen könnten, sei das eine sehr gute Sache, sagte er.
Wenig spĂ€ter dĂŒrfte diese positive Haltung zumindest in Verwunderung umgeschlagen sein. Der "öffentlichkeitsheischende" französische PrĂ€sident habe fĂ€lschlicherweise behauptet, er reise nach Washington zurĂŒck, um an einer Waffenruhe zu arbeiten, schrieb Trump kurz nach dem Einstieg in die Regierungsmaschine Air Force One auf der Plattform Truth Social.
"Er hat keine Ahnung, warum ich jetzt auf dem Weg nach Washington bin, aber es hat sicherlich nichts mit einer Waffenruhe zu tun", schrieb Trump dort weiter. Macron liege immer falsch.
Trump startete mit einer Provokation in den Gipfel
Nachdem schon die Abreise ein DĂ€mpfer fĂŒr die G7-Runde war, machten diese Worte den Abschied zumindest zu einem Eklat zwischen Trump und Macron. Und in den wenigen Stunden, die Trump vor seiner Abreise am Gipfel teilgenommen hatte, war es schon nicht so richtig gut gelaufen fĂŒr die G7. Der US-PrĂ€sident startete mit einer Provokation in das Treffen und bedauerte den Ausschluss Russlands aus der Staatengruppe als "groĂen Fehler". Putin war 2014 nach der Annexion der ukrainischen Krim aus der damaligen G8 geworfen worden. Seine RĂŒckkehr gilt seitdem fĂŒr die EuropĂ€er als undenkbar - erst recht nach der Invasion in die Ukraine 2022.
Keine Fortschritte bei Russland-Sanktionen und Zöllen
Zu den von den EuropĂ€ern dringend geforderten neuen Sanktionen gegen Russland Ă€uĂerte sich Trump eher abweisend. "Vergessen Sie nicht, dass Sanktionen uns eine Menge Geld kosten", betonte er. "Wenn ich ein Land sanktioniere, kostet das die USA eine Menge Geld."
Auch bei einem anderen fĂŒr die EuropĂ€er wichtigen Themen gab es keine Fortschritte. Der erbitterte Zollstreit zwischen der EU und den USA wurde bei Trumps Treffen mit Merz gar nicht erst angesprochen
Versöhnliches Signal vor der Abreise
Als versöhnliches Zeichen kann allerdings gewertet werden, dass die G7 sich dann doch noch auf eine gemeinsame ErklĂ€rung zur Eskalation im Nahen Osten verstĂ€ndigen konnte. In dem Text wird der Iran als "die Hauptquelle regionaler InstabilitĂ€t und des Terrors" bezeichnet und Israels Recht auf Selbstverteidigung betont. Weiter erklĂ€ren die Staats- und Regierungschefs der G7, man habe stets unmissverstĂ€ndlich klargestellt, dass der Iran niemals in den Besitz einer Atomwaffe gelangen dĂŒrfe.
Schon einmal hatte Trump nach einem G7-Gipfel in Kanada mit einer Social-Media-Botschaft aus dem Flugzeug fĂŒr Aufruhr gesorgt, damals allerdings noch weitaus gravierender: 2018 hatte der US-PrĂ€sident in seiner ersten Amtszeit eine mĂŒhsam ausgehandelte GipfelerklĂ€rung auf dem RĂŒckflug nach Washington fĂŒr nichtig erklĂ€rt - ein bisher einmaliger Vorgang und bis heute ein traumatisches Erlebnis fĂŒr die G7. Die Gruppe besteht aus den Staaten USA, Deutschland, Frankreich, GroĂbritannien, Italien, Kanada und Japan. Zudem ist die EU mit dabei.
Da waren es nur noch sechs
Am zweiten Gipfeltag schrumpft die G7 nun also zur G6 - und Trump ist bei einem wichtigen Termin nicht mit dabei: einem Treffen mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj. Auch mit den GĂ€sten der G7 aus Mexiko, Indien, SĂŒdafrika, Indonesien oder SĂŒdkorea wird der US-PrĂ€sident nicht zusammentreffen. Unklar war am Abend noch, welche gemeinsamen ErklĂ€rungen nun noch verabschiedet werden.
Der Gipfel wird jedenfalls ziemlich sang- und klanglos zu Ende gehen. Das Signal der Einigkeit, dass sich Merz erhofft hat, geht von ihm nicht aus. Es bleibt eher ein GefĂŒhl groĂer Ungewissheit - fĂŒr die Lage im Nahen Osten und die Zukunft der G7.

