ROUNDUP, Trumps

Trumps harter Migrationskurs nimmt Form an - Was ist geplant?

23.01.2025 - 06:35:02 | dpa.de

US-PrĂ€sident Donald Trump rechtfertigt seinen harten migrationspolitischen Kurs als legitimes Mittel, um das Land vor angeblichen Kriminellen zu schĂŒtzen.

"Wir haben Tausende Terroristen in unserem Land", behauptete er beim rechtskonservativen Sender Fox News. Außerdem seien "Mörder zu Zehntausenden" ins Land gekommen. "Es kommen Leute her, deren Gesicht komplett mit Tattoos bedeckt ist", sagte der Republikaner. "Die werden wohl nicht Leiter der örtlichen Bank sein."

Bereits im Wahlkampf hatte Trump Migranten aus Ă€rmeren LĂ€ndern pauschal als gewalttĂ€tige Verbrecher bezeichnet. Studien belegen jedoch das Gegenteil: Vor allem Migranten ohne gĂŒltige Papiere verhalten sich tendenziell gesetzestreuer als US-BĂŒrger, da sie aus Angst vor Abschiebung den Kontakt zu Behörden scheuen.

Trump treibt seine migrationspolitischen PlĂ€ne mit Nachdruck voran und lĂ€sst sich auch von Kritikern nicht davon abbringen. Der Andrang an der SĂŒdgrenze des Landes stellte in den vergangenen Jahren eine erhebliche Herausforderung fĂŒr die US-Behörden dar. Auch die VorgĂ€ngerregierung versuchte, das System zu ordnen, wurde jedoch fĂŒr mangelnde Durchsetzungskraft kritisiert. Der neue PrĂ€sident setzt nun klar auf HĂ€rte.

Trumps Maßnahmen sind weitreichend - und wurden im Vergleich zu seiner ersten Amtszeit (2017-2021) akribisch vorbereitet. Demokratisch regierte Bundesstaaten, StĂ€dte und Menschenrechtsorganisationen haben bereits begonnen, juristisch dagegen vorzugehen und wollen auch Trumps Erlass kippen, der in den USA geborenen Kindern mancher Migranten die automatische StaatsbĂŒrgerschaft verwehren soll. Erfolgsaussichten: ungewiss.

Die Trump-Regierung verfolgt zwei grobe Ziele: Zum einen soll bestimmten Gruppen die Einreise in die USA deutlich erschwert werden. Zum anderen sollen Migranten ohne gĂŒltige Papiere, die bereits im Land sind, zĂŒgig abgeschoben werden. Um das zu erreichen, werden Ministerien auf Linie gebracht, lokale Behörden und internationale Partner stĂ€rker unter Druck gesetzt.

Einreise verhindern

* Trump bezeichnet den Zustrom von Migranten an der SĂŒdgrenze als "Invasion" und hat einen nationalen Notstand ausgerufen - als Grundlage fĂŒr weitere Maßnahmen. Er beruft sich dabei auf einen Verfassungsartikel, der die Bundesregierung verpflichtet, die Bundesstaaten vor einer "Invasion" zu schĂŒtzen. Verfassungsrechtler sehen diese Auslegung jedoch kritisch, da der Begriff traditionell auf militĂ€rische Angriffe bezogen ist. Ihn auf Migration anzuwenden, gilt als höchst umstritten.

* Zum Kern der neuen migrationspolitischen Linie gehört, die Möglichkeiten Schutzsuchender zur Einreise in die USA massiv einzuschrĂ€nken. Eine App, die insbesondere Migranten aus Mittel- und SĂŒdamerika die Vereinbarung von Asylantrags-Terminen bei Grenzbehörden erleichtert hatte, wurde abgeschaltet, geplante Termine wurden storniert. Ein Aufnahmeprogramm fĂŒr besonders gefĂ€hrdete Menschen aus KrisenlĂ€ndern wie Afghanistan wurde ausgesetzt, ebenso eine humanitĂ€re Ausnahmeregelung fĂŒr bestimmte Schutzsuchende aus Kuba, Venezuela, Haiti und Nicaragua. Übrig bleiben nur noch wenige legale Wege.

* Parallel setzt die Regierung auf die Abriegelung der Grenze zu Mexiko per Weiterbau jener Mauer, die schon eines der zentralen Versprechen aus Trumps erster Amtszeit war und bislang nicht vollendet wurde. Zudem wurden bereits 1.500 zusĂ€tzliche Soldaten fĂŒr den Grenzschutz entsandt. Weitere könnten folgen.

* Wer es trotz aller HĂŒrden ĂŒber die Grenze schafft und von den Behörden aufgegriffen wird, soll kĂŒnftig nicht mehr freikommen, bevor das Asylverfahren abgeschlossen ist. Bislang wurden Betroffene meist schnell entlassen, um in den USA auf ihre Verfahren zu warten. KĂŒnftig sollen Festgenommene bis zur endgĂŒltigen Entscheidung in Haft bleiben. Angesichts der massiv ĂŒberlasteten Einwanderungsgerichte dĂŒrfte das fĂŒr viele Betroffene eine Wartezeit von mehreren Jahren bedeuten.

Striktes Abschieben

* Die Einwanderungsbehörde ICE darf kĂŒnftig auch an sensiblen Orten wie Kirchen, Schulen und KrankenhĂ€usern Migranten ohne gĂŒltige Papiere festnehmen. Das war ihr seit 2011 verboten und wurde unter der Regierung des nun abgetretenen US-PrĂ€sidenten Joe Biden weiter eingeschrĂ€nkt. Medienberichten zufolge hat die Trump-Regierung auch großangelegte Abschiebe-Razzien unter dem Namen "Operation Safeguard" in mehreren StĂ€dten geplant - an welchen Orten genau, ist nicht bekannt.

* Am Mittwoch verabschiedete der US-Kongress ein Gesetz, das die Gangart gegenĂŒber Migranten mit ungeklĂ€rtem Aufenthaltsrecht verschĂ€rft - es dĂŒrfte das erste sein, dass Trump in seiner zweiten Amtszeit unterzeichnet. Das Gesetz verpflichtet Bundesbehörden, Betroffene auch fĂŒr geringfĂŒgige Vergehen wie Ladendiebstahl in Einwanderungshaftzentren festzuhalten. Von dort sollen sie direkt und schnellstmöglich abgeschoben werden. Dabei muss die Schuld wegen des konkreten Delikts nicht unbedingt nachgewiesen sein. Ein Verdachtsmoment genĂŒgt, um eine Inhaftierung zu rechtfertigen.

* Die Einwanderungshaftzentren sind jetzt schon ĂŒberlastet - und der Platzbedarf wird noch steigen. Auch zusĂ€tzliches Personal ist notwendig, kostet aber viel Geld. Offizielle PlĂ€ne hat die Regierung bislang nicht bekanntgegeben, doch die "Washington Post" beruft sich auf ein internes Dokument, demzufolge die Einwanderungsbehörde ICE ihre KapazitĂ€ten massiv erweitern will. Auch militĂ€rische Einrichtungen könnten demnach als Haftzentren genutzt werden.

Koordination und Druck

* Die Trump-Regierung richtet die Arbeit mehrerer Ministerien gezielt auf ihre migrationspolitischen Ziele aus: Justiz-, Verteidigungs- und Außenministerium haben ihre PrioritĂ€ten entsprechend neu definiert. Gleichzeitig wird auf lokale Behörden erheblicher Druck ausgeĂŒbt, die Vorgaben der Bundesregierung widerstandslos umzusetzen. Ob dies in demokratisch regierten Bundesstaaten reibungslos gelingen wird, ist fraglich.

* Und auch international verschĂ€rfen die USA ihre Gangart: In diplomatischen Beziehungen stehen nun Grenzsicherung, die BekĂ€mpfung irregulĂ€rer Migration und die beschleunigte RĂŒckfĂŒhrung abgeschobener Migranten im Fokus, wie Außenminister Marco Rubio erklĂ€rte. Mexiko hat bereits reagiert - und damit begonnen, Zeltlager fĂŒr GeflĂŒchtete entlang der US-Grenze zu errichten. Um auf die befĂŒrchteten Massenabschiebungen vorbereitet zu sein.

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