Trump lenkt bei Zollstreit ein - aber nicht fĂŒr China
09.04.2025 - 20:49:38Trump schrieb auf der Plattform Truth Social, er habe eine 90-tĂ€gige Pause angeordnet und wĂ€hrend dieses Zeitraumes greife ein gesenkter Zollsatz in Höhe von zehn Prozent. FĂŒr China gilt das jedoch explizit nicht: FĂŒr chinesische Einfuhren hob Trump den Zollsatz vielmehr noch mal an - auf insgesamt 125 Prozent.
Trumps ĂŒberraschende und kurze AnkĂŒndigung in den sozialen Medien sorgte fĂŒr einige Verwirrung und lieĂ viele Fragen offen. Der US-PrĂ€sident hatte erst vor wenigen Tagen mit einem gewaltigen Zollpaket Handelspartnern auf aller Welt den Kampf angesagt.
Die USA fĂŒhrten zuletzt in einem ersten Schritt neue pauschale Zölle in Höhe von zehn Prozent auf Importe aus fast allen LĂ€ndern ein. FĂŒr viele Staaten wurden in einem zweiten Schritt je nach Handelsdefizit noch mal deutlich höhere sogenannte reziproke Strafabgaben eingefĂŒhrt. Auf Einfuhren aus Deutschland und anderen Staaten der EuropĂ€ischen Union in die USA wurden damit neue Zölle in Höhe von insgesamt 20 Prozent fĂ€llig.
MĂ€rkte zuletzt auf Talfahrt
Nach groĂen Turbulenzen an internationalen Börsen lenkte Trump nun jedoch ein. US-Regierungsvertreter legten nahe, die Pause gelte fĂŒr die lĂ€nderspezifischen Zölle in unterschiedlicher Höhe. Der zuvor in Kraft getretene einheitliche Zollsatz in Höhe von zehn Prozent fĂŒr alle LĂ€nder bleibe wĂ€hrend der Pause bestehen. Damit wird auch der Zollsatz fĂŒr Deutschland und die EU nun halbiert.
WĂ€hrend der 90-tĂ€gigen Pause soll es Verhandlungen mit den betroffenen Staaten geben. Trumps Ziel war es von Beginn an unter anderem, andere LĂ€nder mit Hilfe der Zölle dazu zu zwingen, Handelsbarrieren fĂŒr Einfuhren aus den USA abzubauen.
"Es wird eine 90-tĂ€gige Pause bei den gegenseitigen Zöllen geben, wĂ€hrend diese Verhandlungen laufen", erklĂ€rte die Sprecherin des WeiĂen Hauses, Karoline Leavitt. Das Zollniveau werde auf einen allgemeinen Satz von 10 Prozent gesenkt. Die AnkĂŒndigung lieĂ die US-AktienmĂ€rkte am Abend im spĂ€teren Handelsverlauf in die Höhe schnellen.
US-Finanzminister Scott Bessent bemĂŒhte sich, das Vorgehen Trumps als Erfolg darzustellen - es sei dessen Strategie gewesen, die mehr als 75 LĂ€nder dazu gebracht habe, an den Verhandlungstisch zu kommen. Bessent ging auch auf die Marktschwankungen ein, die Trumps Zollpolitik in den vergangenen Tagen verursacht hatte. Die Börsen bekĂ€men nun mehr Gewissheit, argumentierte er.
Das WeiĂe Haus hatte Spekulationen ĂŒber eine mögliche Aussetzung des gewaltigen US-Zollpakets zuletzt entschieden zurĂŒckgewiesen und diese als "Fake News" bezeichnet. Entsprechende GerĂŒchte hatten insbesondere in sozialen Medien fĂŒr Aufsehen und starke Schwankungen an den Börsen gesorgt.
EU bringt Gegenzölle auf den Weg
Die EU-Staaten hatten zuvor den Weg fĂŒr erste Gegenzölle zwischen 10 und 25 Prozent als Reaktion auf die von US-PrĂ€sident Donald Trump angeordneten Zölle freigemacht. Kommende Woche treten unter anderem Sonderabgaben fĂŒr Jeans und MotorrĂ€der aus den USA in Kraft, wie aus einer Mitteilung der EU-Kommission hervorgeht.
Weitere Gegenzölle sollen dann Mitte Mai und Ende des Jahres folgen - das betrifft unter anderem Lebensmittel wie Rindfleisch, GeflĂŒgel oder ZitrusfrĂŒchte wie Orangen oder Grapefruits. Anfang Dezember sind dann noch NĂŒsse und Sojabohnen an der Reihe.
Die ersten Zölle treffen nach EU-Angaben ein Handelsvolumen von 3,9 Milliarden Euro. Am 15. Mai sollen dann Zölle auf Waren im Wert von 13,5 Milliarden erhoben werden und die dritte Welle trifft ein Volumen von 3,5 Milliarden.
Bei den geplanten EU-Sonderzöllen handelt es sich nicht um die Reaktion auf die sogenannten wechselseitigen Zölle, sondern auf bereits vor rund einem Monat verhÀngte neue US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte.
Zollsatz von 125 Prozent fĂŒr China
WÀhrenddessen spitzt sich der Zollkonflikt zwischen den USA und China immer weiter zu. Trump schrieb, aufgrund des mangelnden Respekts, den China den WeltmÀrkten entgegenbringe, erhöhe er den Zollsatz auf Einfuhren aus China mit sofortiger Wirkung auf 125 Prozent.
Zuletzt hatte Peking als Antwort auf eine vorherige US-Zollerhöhung in Höhe von 50 Prozent Gegenzölle im gleichen Umfang verkĂŒndet - die Sonderzölle auf alle US-Einfuhren sollen nun 84 Prozent betragen und am Donnerstag in Kraft treten, teilte die chinesische FĂŒhrung mit. Die Volksrepublik hatte schon mehrfach gedroht, mit eigenen MaĂnahmen auf US-Zölle zu reagieren.
Mit seiner aggressiven Zollpolitik verbreitet Trump an den MĂ€rkten weltweit groĂe Unsicherheit. Der US-PrĂ€sident will mit Zöllen angebliche Handelsungleichgewichte korrigieren und Produktion in die USA verlagern. Zugleich sollen die Zolleinnahmen dazu dienen, im Wahlkampf versprochene Steuersenkungen zumindest teilweise gegenzufinanzieren.
EU setzt auch auf Verhandlungen
Bei der VerkĂŒndung der ersten Gegenzölle betonte die EU-Kommission: "Diese GegenmaĂnahmen können jederzeit ausgesetzt werden, wenn die USA einem fairen und ausgewogenen Verhandlungsergebnis zustimmen." Anfang der Woche hatte EU-Handelskommissar Maros Sefcovic noch gesagt, Plan A sei es, auf Verhandlungen zu setzen - eine entschlossene Reaktion sei Plan B. Ziel sei es, zu verhandeln, betonte Sefcovic am Montag.
Auch EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen hatte am Montag noch betont, die EuropĂ€ische Union sei trotz der Zollentscheidungen von US-PrĂ€sident Donald Trump bereit, zu GesprĂ€chen. Das Angebot an die USA: eine Vereinbarung zur gegenseitigen Aufhebung aller Zölle auf IndustriegĂŒter - was die US-Amerikaner bereits abgelehnt haben. Im Falle eines Scheiterns von Verhandlungen wĂŒrden mögliche GegenmaĂnahmen vorbereitet werden, so von der Leyen.

