Reeder kritisieren Trumps Idee einer Schutzgebühr für Hormus
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 08:45 Uhr, dpa.de
Die deutschen Reeder kritisieren die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump scharf, künftig eine Art Schutzgebühr für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu erheben. «Kein einzelner Staat sollte den freien Zugang zu einer internationalen Wasserstraße einseitig von Gebühren abhängig machen», sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder (VDR), Martin Kröger, der «Wirtschaftswoche». «Das wäre rechtlich auch nicht zulässig.»
Trump hatte zuvor die US-Seeblockade gegen den Iran wieder eingeführt und erklärt, eine Gebühr in Höhe von 20 Prozent des Frachtwerts von allen Schiffen zu verlangen, die die strategisch wichtige Meerenge passieren. Das solle die Kosten der USA für den Schutz der Straße von Hormus decken, schrieb der US-Präsident.
Was wird aus der freien Schifffahrt?
VDR-Chef Krüger sagte, mit seinem Vorstoß stelle Trump das System der freien Schifffahrt infrage. «Heute geht es um die Straße von Hormus, morgen um die Straße von Malakka, übermorgen um die nächste internationale Meerenge. Wo soll das enden?», sagte Kröger. Zugleich warnte er vor hohen Kosten für Verbraucher und Weltwirtschaft.
«Die Folgen wären höhere Transportkosten, steigende Verbraucherpreise und ein weiterer Verlust an Verlässlichkeit für den Welthandel», sagte der Verbandschef. Das könne nicht im Interesse der internationalen Staatengemeinschaft sein. «Die zivile Handelsschifffahrt darf nicht zum Spielball geopolitischer Auseinandersetzungen werden.»
20 Schiffe mit Deutschlandbezug in der Region
Die USA hatten zuletzt ihre Angriffe auf den Iran wieder verschärft. Im Gegenzug feuerte der Iran auf US-Einrichtungen in den Golfstaaten. Die Straße von Hormus, eine wichtige Schifffahrtsroute für den weltweiten Handel mit Öl und Flüssigerdgas, ist seit Beginn des Krieges kaum passierbar.
Derzeit sind nach VDR-Angaben etwa 20 Schiffe in deutschem Eigentum oder unter deutschem Management in der Region unterwegs. Ursprünglich saßen nach Angaben des VDR rund 50 Schiffe mit deutschem Bezug im Persischen Golf fest - drei dieser Schiffe seien seither angegriffen worden.
«Katastrophe für Planungssicherheit»
«Seit Ende Februar - also seit fast einem halben Jahr - ist eine sichere Schifffahrt in der Straße von Hormus nicht gewährleistet», sagte Kröger. «Das ist tragisch für die Seeleute und zugleich eine Katastrophe für die Planungssicherheit der Schifffahrtsunternehmen, auf die der internationale Handel angewiesen ist.»
Vollständig militärisch abgeriegelt sei die Wasserstraße aber nicht. «Unter hohem Sicherheitsaufwand und in enger Abstimmung mit den Marinen vor Ort finden weiterhin einzelne Passagen statt - allerdings auf deutlich reduziertem Niveau und unter erheblich erhöhtem Risiko», sagte Kröger. Allerdings warteten viele Reedereien die weitere Entwicklung ab.
