Zölle bremsen US-Notenbank - Fed trotzt Trump
08.05.2025 - 00:30:36Die US-Notenbank Fed setzt angesichts der aggressiven Zollpolitik von PrĂ€sident Donald Trump auf Abwarten und will sich nicht auf baldige Zinssenkungen festlegen. «Wir mĂŒssen abwarten, wie sich die Lage entwickelt», sagte Fed-Chef Jerome Powell auf die Frage eines Reporters, ob die Notenbank in diesem Jahr ĂŒberhaupt die Zinsen senken sollte.Â
«Es gibt FĂ€lle, in denen es angemessen wĂ€re, die Zinsen dieses Jahr zu senken. Es gibt aber auch FĂ€lle, in denen dies nicht angebracht wĂ€re. Und wir wissen es einfach nicht.» Damit geht die Fed auf Kollisionskurs mit Trump, der vehement Zinssenkungen fordert.Â
Wohl keine Zinssenkung im Sommer
Die Notenbank der gröĂten Volkswirtschaft der Welt hat bei ihrer aktuellen Sitzung diesen Rufen neuerlich getrotzt. Sie belieĂ den Leitzins auf hohem Niveau in der Spanne von 4,25 bis 4,5 Prozent.
Powell nannte Trumps Zölle und die damit verbundene Unsicherheit als Hauptgrund fĂŒr das zögerliche Vorgehen. Die hohen Strafabgaben könnten zu einem Anstieg der Inflation, einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums und einem Anstieg der Arbeitslosigkeit fĂŒhren, warnte er. Seit Amtsantritt hat Trump hohe Zölle auf Waren aus aller Welt verhĂ€ngt - und mit diversen Kehrtwenden Verunsicherung gestiftet.Â
«Im Moment sieht es so aus, als wĂ€re es eine ziemlich klare Entscheidung fĂŒr uns, abzuwarten und zu beobachten», sagte Powell. Im MĂ€rz hatte die Fed fĂŒr 2025 im Mittel einen Leitzins von 3,9 Prozent vorhergesagt. Das deutet auf zwei kleine Zinsschritte in diesem Jahr hin. Die nĂ€chste Prognose kommt im Juni.Â
Fachleute gehen mittlerweile davon aus, dass die Fed den Leitzins frĂŒhestens im Herbst antasten dĂŒrfte. Einige sehen ĂŒberhaupt keine Bewegung in diesem Jahr. «Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Fed die ZinssĂ€tze fĂŒr das gesamte Jahr unverĂ€ndert lassen wird», schreibt etwa Paul Ashworth, Chefvolkswirt Nordamerika bei Capital Economics.Â
Trump und Fed liegen ĂŒber Kreuz
Die Aufgabe der Fed ist es, die Inflation in Zaum zu halten. Da Zölle wie eine Art zusĂ€tzliche Steuer auf importierte Waren wirken, treiben sie die Preise in die Höhe. Die Fed strebt eine Teuerungsrate von 2 Prozent an. Im MĂ€rz stiegen die US-Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 2,4 Prozent.Â
Hohe Zinsen sind ein Instrument gegen schnell steigende Verbraucherpreise. Denn teure Kredite dĂ€mpfen die Nachfrage, was idealerweise dazu fĂŒhrt, dass Unternehmen ihre Preise nicht mehr so stark erhöhen. AuĂerdem setzen höhere Zinsen mehr Anreiz zum Sparen.Â
Die Hochzinspolitik kann allerdings die Wirtschaft ausbremsen. Im ersten Quartal verlor die US-Wirtschaft deutlich an Fahrt und schrumpfte ĂŒberraschend. FĂŒr Trump waren das keine guten Nachrichten - er wertete die Entwicklung als Nachwirkung der Wirtschaftspolitik seines AmtsvorgĂ€ngers Joe Biden. Analysten zufolge geht der RĂŒckgang aber vor allem auf einen starken Anstieg der Importe zurĂŒck, da Unternehmen versuchten, sich vor den erwarteten Zöllen Trumps mit VorratskĂ€ufen einzudecken.Â
Trump ist ein Verfechter niedriger Zinsen. Der Republikaner erhofft sich, dass so die AktienmĂ€rkte gestĂŒtzt werden, die Staatsfinanzierung ĂŒber Schulden gĂŒnstiger und das Wirtschaftswachstum angekurbelt wird. Immer wieder greift er Fed-Chef Powell verbal an und fordert die Notenbank dazu auf, an der Zinsschraube zu drehen - bisher ohne Erfolg.
«Ein Einknicken gegenĂŒber dem US-PrĂ€sidenten - zumal ohne eine glasklare ökonomische Indikation in Richtung geldpolitischer Lockerung - wĂŒrde die UnabhĂ€ngigkeit der Fed in der Wahrnehmung vieler Marktakteure beschĂ€digen», urteilte Elmar Völker, Analyst bei der LBBW nach der aktuellen Sitzung der Notenbanker.
Powell: Trumps Forderungen haben keinen Einfluss auf unsere Arbeit
Auf die Frage, wie Trumps anhaltende Forderungen die Arbeit der Fed beeinflussten, entgegnete Powell: «Das beeintrĂ€chtigt unsere Arbeit in keiner Weise.» Die Fed tue, was sie immer tue - und zwar, sich fĂŒr ein «HöchstmaĂ an BeschĂ€ftigung und PreisstabilitĂ€t zum Wohle des amerikanischen Volkes» einzusetzen.
Powell wurde von Trump selbst 2017 sogar fĂŒr seine erste Amtszeit als Fed-Chef nominiert. Doch Trumps Begeisterung fĂŒr den Juristen, der in der Finanzwelt Karriere gemacht hat, lieĂ schnell nach. Der Republikaner attackiert Powell seit Jahren wegen aus seiner Sicht zu zögerlicher Zinssenkungen öffentlich mit harschen Worten.
Dass Powell und Trump noch zueinanderfinden, ist unwahrscheinlich. Es gilt als ausgeschlossen, dass der US-PrĂ€sident Powell fĂŒr eine weitere Amtszeit nominiert. Powells Amtszeit endet 2026. Zwischenzeitlich hatte Trump auch ins Spiel gebracht, Powell zu feuern. Dabei gibt es aber rechtliche Bedenken - Trump nahm Abstand von der Idee.Â
Auf der Pressekonferenz zum Zinsentscheid gab sich Powell bei Fragen zu diesem Thema Ă€uĂert schmallippig. Auf die Nachfrage, warum er nicht das GesprĂ€ch mit Trump suche, antwortete der 72-JĂ€hrige, dass er niemals um Treffen mit einem PrĂ€sidenten gebeten habe. «Und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich das tue.»





