US-Zölle: 10 bis 12,5 Prozent auf EU-Waren seit 24. Juli
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 23:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die US-Regierung hat neue Importzölle auf Waren aus 60 Handelspartnern verhĂ€ngt â darunter die EuropĂ€ische Union. Die Abgaben in Höhe von 10 bis 12,5 Prozent sind seit dem 24. Juli 2026 in Kraft. Offiziell begrĂŒndet Washington den Schritt mit unzureichenden MaĂnahmen gegen Zwangsarbeit in den Lieferketten der betroffenen Staaten.
Neue Rechtsgrundlage nach Supreme-Court-Urteil
Die Zölle basieren auf Abschnitt 301 des US-Handelsgesetzes von 1974. Nötig wurde dieser Schritt, nachdem der Supreme Court im Februar 2026 frĂŒhere Zollregelungen fĂŒr rechtswidrig erklĂ€rt hatte. Die neuen Bestimmungen ersetzen die im Februar ausgelaufenen SĂ€tze.
FĂŒr die EU gilt ein pauschaler Satz von 10 Prozent. Ausnahmen gibt es fĂŒr bestimmte Produkte wie Kork und Diamanten. GrundsĂ€tzlich ausgenommen sind Importe von Stahl, Aluminium sowie Ăl und Gas. Waren, die sich bereits auf dem Transportweg befinden, bleiben bis zum 28. Juli von den AufschlĂ€gen verschont.
EU reagiert verhalten â Wirtschaft kritisiert Protektionismus
Die EU-Kommission zeigte sich zurĂŒckhaltend. Ein Sprecher verwies auf den sogenannten Turnberry-Deal vom August 2025, der eine Obergrenze von 15 Prozent fĂŒr solche MaĂnahmen vorsieht. Auch der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo betonte: Europa komme im Vergleich zu anderen Handelspartnern glimpflich davon.
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Kritik kam dagegen vom Bundesverband GroĂhandel, AuĂenhandel, Dienstleistungen (BGA). PrĂ€sident Dirk Jandura bezeichnete die MaĂnahmen als protektionistisch. Die Bundesregierung forderte die USA zur Einhaltung bestehender Zollabkommen auf.
Technologie-Konflikt verschÀrft Handelsstreit
Parallel zum Zollstreit eskalieren die Spannungen im Technologiesektor. Kurz vor Inkrafttreten der Zölle verhÀngte die EU-Kommission Strafzahlungen von insgesamt 890 Millionen Euro gegen den US-Konzern Google. 460 Millionen Euro entfallen auf die bevorzugte Darstellung eigener Dienste, 430 Millionen Euro auf die Behinderung von App-Entwicklern.
US-Handelsbeauftragter Greer kritisierte die Entscheidung scharf und warnte vor einer GefĂ€hrdung des transatlantischen Dialogs. Als Reaktion droht Washington mit einer weiteren Untersuchung der EU-Handelspraktiken nach Section 301. EU-Parlamentarier Bernd Lange befĂŒrchtet, dass dies erst der Anfang weiterer US-MaĂnahmen sein könnte, und brachte eine gerichtliche Anfechtung der neuen Zölle ins Spiel.
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Kosten fĂŒr US-Verbraucher steigen
Die wirtschaftlichen Folgen zeichnen sich ab. SchĂ€tzungen der Tax Foundation zufolge könnten die zusĂ€tzlichen Zölle US-Haushalte mit durchschnittlich 700 Dollar belasten. Das US-Handelsdefizit lag im Mai bei 77,6 Milliarden Dollar â ein Anstieg von rund 41 Prozent seit der ersten AnkĂŒndigung neuer ZollmaĂnahmen.
WÀhrend die EU auf Dialog setzt, bleibt das Risiko weiterer Eskalationen hoch. Experten sehen besonders bei kanadischen Importen zusÀtzliches Konfliktpotenzial.
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