US-Zwischenwahlen, Trump-Zollpolitik

US-Zwischenwahlen Àndern Trumps Zollkurs bis 2029 kaum

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 14:11 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Das Institut der Deutschen Wirtschaft erwartet trotz eines möglichen Machtverlusts der Republikaner keinen schnellen Kurswechsel bei den US-Zöllen. FĂŒr deutsche Unternehmen dĂŒrfte die Unsicherheit bis zum Ende von Donald Trumps regulĂ€rer Amtszeit anhalten.

US-Handelsbilanz und Investitionen im August

  • Das US-Warenhandelsdefizit lag im August 2026 bei 130 Milliarden Dollar.
  • Der deutsche Anteil am US-Defizit betrug im selben Monat 5,8 Milliarden Dollar.
  • Die Direktinvestitionen auslĂ€ndischer Firmen in den USA sanken 2025 um 8,2 Prozent auf 248 Milliarden Dollar.
  • In den USA stehen am 3. November wichtige Zwischenwahlen an. (Archivfoto) - Bild: J. Scott Applewhite/AP/dpa
  • Trump ĂŒberzieht reihenweise Handelspartner mit Zöllen - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
In den USA stehen am 3. November wichtige Zwischenwahlen an. (Archivfoto) - Bild: J. Scott Applewhite/AP/dpa Trump ĂŒberzieht reihenweise Handelspartner mit Zöllen  - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

IW erwartet keinen schnellen Wechsel bei Trumps Zollkurs

Die US-Zwischenwahlen am 3. November dĂŒrften nach EinschĂ€tzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft die Zollpolitik von PrĂ€sident Donald Trump kaum verĂ€ndern. Auch eine oppositionelle Mehrheit im Kongress wĂ€re voraussichtlich zu knapp, um ein Veto des PrĂ€sidenten zu ĂŒberstimmen.

Republikaner stehen vor möglichem RĂŒckschlag

Bei der Wahl werden alle 435 Sitze im ReprÀsentantenhaus und 35 der 100 Sitze im Senat neu vergeben. Umfragen zufolge könnten die Demokraten die Mehrheit im ReprÀsentantenhaus gewinnen, wÀhrend das Rennen um den Senat offen ist.

FĂŒr eine Überstimmung eines PrĂ€sidentenvetos wĂ€re in beiden Kammern eine Zweidrittelmehrheit der stimmberechtigten Abgeordneten und Senatoren erforderlich. Selbst ein Sieg der Demokraten in einer oder beiden Kammern wĂŒrde Trumps Handlungsspielraum deshalb nicht unmittelbar beseitigen.

Handelspolitik belastet deutsche Firmen

Das IW schreibt, deutsche Unternehmen sollten damit rechnen, dass die Richtung der Wirtschafts- und Zollpolitik mindestens bis Januar 2029 bestehen bleibt. Die USA blieben ein wichtiger Handelspartner fĂŒr Deutschland und die EU, zugleich werde die Unsicherheit auch nach der Wahl anhalten.

Mit der EU einigte sich Washington auf ein Handelsabkommen, das fĂŒr die USA vorteilhaft ausfĂ€llt und fĂŒr die meisten Importe aus Europa eine Zollobergrenze von 15 Prozent vorsieht.

US-Handelsdefizit bleibt hoch

Die Bilanz der Zollpolitik fĂ€llt laut IW nach fast zwei Jahren im Amt ernĂŒchternd aus. Das US-Warenhandelsdefizit lag im August 2026 bei 130 Milliarden Dollar und damit rund 35 Milliarden Dollar höher als im August 2024.

Der EU-Anteil am Defizit sank demnach von 20 auf sieben Prozent. Das fĂŒhrt das IW vor allem auf höhere US-Warenexporte in die EU, insbesondere bei Energie, zurĂŒck. Das Defizit der USA mit Deutschland ging von 6,6 Milliarden Dollar im August 2024 auf 5,8 Milliarden Dollar im August 2026 zurĂŒck.

Weniger auslÀndische Direktinvestitionen

Auch die auslÀndischen Direktinvestitionen in den USA entwickelten sich schwÀcher. Sie beliefen sich 2025 auf 248 Milliarden Dollar und lagen damit 8,2 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Die US-Wirtschaft wachse zwar robust, zugleich entstĂŒnden weniger neue ArbeitsplĂ€tze als unter der VorgĂ€ngerregierung. Zudem konzentrierten sich die Investitionen stark auf den Bereich kĂŒnstliche Intelligenz.

Staatsschulden ĂŒbersteigen 40 Billionen Dollar

ZusĂ€tzlichen Druck erzeugen nach Darstellung des IW gestiegene Lebenshaltungskosten infolge des Iran-Kriegs und die wachsende Staatsverschuldung. Die US-Staatsschulden ĂŒberschritten erstmals 40 Billionen US-Dollar und lagen damit bei mehr als 120 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Die Zwischenwahlen am 3. November entscheiden darĂŒber, ob die oppositionellen Demokraten im ReprĂ€sentantenhaus oder im Senat Mehrheiten gewinnen. Kurz vor der Abstimmung steht die politische Landschaft der USA stark unter dem Eindruck von Lebenshaltungskosten, wirtschaftlicher Entwicklung und Trumps bisheriger AmtsfĂŒhrung.

Ein Machtgewinn der Demokraten könnte die Gesetzgebung des PrĂ€sidenten erschweren und Untersuchungen durch KongressausschĂŒsse erleichtern. FĂŒr die Zollpolitik wĂ€re der Handlungsspielraum jedoch begrenzt: Ein prĂ€sidentielles Veto kann nur mit einer Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern ĂŒberstimmt werden, die eine einzelne Partei normalerweise nicht erreicht.

Folgen fĂŒr Unternehmen

FĂŒr deutsche und europĂ€ische Firmen bedeutet das, dass die Wahl allein keine schnelle RĂŒckkehr zu stabileren Handelsbedingungen verspricht. Das mit der EU vereinbarte Abkommen setzt fĂŒr die meisten europĂ€ischen Importe in die USA eine Zollobergrenze von 15 Prozent fest; zugleich bleiben politische Entscheidungen in Washington ein wichtiger Unsicherheitsfaktor.

Die vom IW genannten Zahlen verweisen auf mehrere Belastungen: Das US-Warenhandelsdefizit lag im August 2026 bei 130 Milliarden Dollar, wĂ€hrend auslĂ€ndische Direktinvestitionen 2025 zurĂŒckgingen. FĂŒr Unternehmen zĂ€hlen daher nicht nur mögliche neue Zölle, sondern auch die Entwicklung von Nachfrage, Investitionen, Staatsfinanzen und Energiehandel.

Begrenzter Kurswechsel nach der Wahl

Selbst ein Wechsel der MehrheitsverhĂ€ltnisse wĂŒrde Trumps Zollkurs nicht automatisch beenden. VerĂ€nderungen wĂ€ren eher ĂŒber neue Gesetze, Haushaltsentscheidungen, Kontrollen der Regierungspolitik oder politischen Druck möglich; die grundlegende Richtung könnte nach EinschĂ€tzung des IW bis zum Ende der regulĂ€ren Amtszeit bestehen bleiben.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Euronews: „US-Zwischenwahlen: Wechselwille könnte Republikaner abstrafen“ (30.10.2026)

Der Beitrag ordnet die Wahl als möglichen Denkzettel fĂŒr die Republikaner ein und verweist auf die politische Stimmung vor dem Urnengang. Der Schwerpunkt liegt auf dem Wechselwillen der WĂ€hler; die langfristige Wirkung auf Trumps Zollpolitik bleibt davon getrennt zu betrachten.

tagesschau: „US-Zwischenwahlen: Trump holen seine Versprechen ein“ (29.10.2026)

Der Artikel stellt die Lebenshaltungskosten und die wirtschaftspolitische Bilanz in den Mittelpunkt. Er bestĂ€tigt damit den wirtschaftlichen Druck vor der Wahl, setzt aber einen anderen Akzent als die IW-Analyse, die vor allem die begrenzten Möglichkeiten fĂŒr einen Zollkurswechsel untersucht.

Gemeinsam ist den BeitrĂ€gen der Blick auf wirtschaftliche Belastungen und den möglichen politischen RĂŒckschlag fĂŒr Trump. Offen bleibt, ob die MehrheitsverhĂ€ltnisse im Kongress tatsĂ€chlich wechseln und wie stark ein solcher Wechsel die Handelspolitik beeinflussen könnte.

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