Vance: Iran-Krieg ist Grund fĂŒr Wahlniederlage
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 18:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWS"Der Grund, warum wir verloren haben, ist der Krieg", schrieb er auf der Plattform X. Dies habe PrĂ€sident Trump selbst am Dienstagabend gesagt. "Jeder weiĂ, warum wir verloren haben. Und jede Diskussion darĂŒber, wie es weitergeht, muss dort ansetzen."
Es sind ĂŒberraschend deutliche Worte nach der krachenden Niederlage bei den Parlamentswahlen. Der VizeprĂ€sident hatte sich bislang stets loyal gegenĂŒber Trump und dessen Kurs im Iran-Konflikt gezeigt.
Die US-Amerikanerinnen und Amerikaner hatten bei der Wahl mit der Politik Trumps abgerechnet. Sie ĂŒbertrugen den Demokraten die volle Kontrolle ĂŒber den Kongress. Die Ergebnisse am frĂŒhen deutschen Morgen waren so eindeutig, dass auch Trump nichts anderes ĂŒbrig blieb, als zu gratulieren.
Vance zeigt VerstĂ€ndnis fĂŒr Wut
Vance schrieb, viele WĂ€hler, die bei den PrĂ€sidentschaftswahlen vor zwei Jahren fĂŒr ihn und Trump gestimmt hĂ€tten, seien verĂ€rgert gewesen. Eine Umfrage habe ergeben, dass sich enttĂ€uschte WĂ€hler vor allem vier Punkte gewĂŒnscht hĂ€tten: das Ende des Iran-Kriegs, den Fokus auf Lebenshaltungskosten und Inflation, Amerika an erste Stelle zu setzen und ein Wechsel in den Beziehungen zu Israel.
TatsÀchlich waren die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Bevölkerung Umfragen zufolge eines der zentralen Themen der Midterms. Die USA und Israel hatten den Iran Ende Februar angegriffen. Der Konflikt ist bis heute nicht beigelegt, in der Folge sind insbesondere die Energiepreise stark gestiegen.
Vance Ă€uĂerte VerstĂ€ndnis fĂŒr die Kritik. "An alle, die einfach nur wĂŒtend ĂŒber das Ergebnis sind: Das solltet ihr auch sein. Lasst uns diese Wut nutzen, um uns wieder der Aufgabe zu widmen, unser Land zu retten", schrieb er.
Trump bietet Demokraten Zusammenarbeit an
PrĂ€sident Trump hatte noch am Wahlabend angekĂŒndigt, er werde "mit den Demokraten zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die Dinge fĂŒr unser Land gut laufen". Er verwies in einer Livesendung des Magazins "Politico" zwar auf die "ultimative Macht" seines Vetorechts - sagte aber zugleich, er wolle "nicht nur fĂŒr zwei Jahre dasitzen und gegen alles ein Veto einlegen".
Mit ihren Mehrheiten im ReprÀsentantenhaus und im Senat können die Demokraten Trumps Politik zwar nicht ohne Weiteres umkehren - aber zumindest empfindlich stören. Vorsichtig richtete sich der Blick am Mittwoch bereits auf die PrÀsidentschaftswahl 2028, bei der Trump nicht mehr antreten darf.
Die Demokraten feierten wegweisende Erfolge in Bundesstaaten, in denen sie zum Teil ĂŒber Jahrzehnte nicht gewinnen konnten. In Kansas eroberte Adam Hamilton den ersten Senatssitz fĂŒr die Demokraten seit 1932, in Texas wurde James Talarico zum ersten demokratischen Senator seit fast 40 Jahren. In Ohio gewann Sherrod Brown den Sitz, den bis vor zwei Jahren VizeprĂ€sident Vance hielt. Durch den Sieg im hart umkĂ€mpften Michigan wurde der linke Demokrat Abdul El-Sayed zum ersten Muslim im Senat.
Die "blaue Welle" rollt ĂŒber die USA
Der Triumph in beiden Kammern war vor wenigen Monaten kaum fĂŒr möglich gehalten worden. Ex-US-PrĂ€sident Barack Obama nannte den Sieg seiner Partei auf X eine "deutliche Botschaft" des amerikanischen Volks.
Abgestimmt wurde zur Mitte der Amtszeit des PrĂ€sidenten ĂŒber alle 435 Sitze im ReprĂ€sentantenhaus sowie ĂŒber 35 der 100 Senatssitze. Im Senat waren die Republikaner mit einer Mehrheit von 53 Sitzen gestartet. Noch bevor alle Rennen entschieden waren, lagen die Demokraten laut Hochrechnungen bei 54 Sitzen.
Im ReprĂ€sentantenhaus, wo die Republikaner nur eine knappe Mehrheit hielten, zeichnet sich ein klarer Vorsprung fĂŒr die Demokraten ab. Der fĂŒhrende Demokrat Hakeem Jeffries ist nun auf Kurs, der erste schwarze Sprecher des ReprĂ€sentantenhauses zu werden.
Mehr Gegenwind fĂŒr Trump
Der Verlust der Kongress-Mehrheiten wird Trump das Regieren in den letzten zwei Jahren seiner Amtszeit erschweren. Die Demokraten werden ab Januar bei der Gesetzgebung den Ton angeben. Im Senat mĂŒssen Kandidaten fĂŒr wichtige Regierungsposten und Richter bestĂ€tigt werden. "Sie haben gute Arbeit geleistet", sagte Trump dem Sender Fox News anerkennend.
Gleichzeitig baute der 80-JĂ€hrige aber seine Verteidigungslinie auf. Obwohl er die WĂ€hlerinnen und WĂ€hler dazu aufgefordert hatte, so zu tun, als stĂŒnde er auf dem Wahlzettel, sagte er nun: "Ich stand nicht auf dem Wahlzettel."
Die Demokraten können dank ihres Erfolgs im Kongress Untersuchungen gegen den PrÀsidenten und dessen Regierung einleiten. Sie haben schon lÀnger zahlreiche geschÀftliche AktivitÀten der Trump-Familie im Visier, ebenso tödliche Razzien gegen Migranten sowie umstrittene Bauprojekte des PrÀsidenten in Washington. "Nehmt euch AnwÀlte", schrieb der demokratische Abgeordnete im US-ReprÀsentantenhaus, Robert Garcia, auf X an die Adresse der Republikaner.
Wohl kein Impeachment in Planung
Das ReprĂ€sentantenhaus kann auch Amtsenthebungsverfahren gegen den PrĂ€sidenten einleiten. Der Senat entscheidet dann - dafĂŒr ist aber eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich. Die Demokraten hatten zuletzt aber wenig Ambitionen gezeigt, erneut ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump zu starten. In seiner ersten Amtszeit scheiterten das im Senat. Um ein Veto des PrĂ€sidenten zu ĂŒberstimmen, braucht es in beiden Kongresskammern auch die Stimmen von jeweils zwei Dritteln der Mitglieder. Trump kann weiterhin mit Dekreten, also per Erlass, regieren.
