VDA-Chefin MĂŒller sieht keine Wachstumschancen mehr in Europa
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 15:33 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie deutsche Autoindustrie sieht nach EinschĂ€tzung des Branchenverbands VDA derzeit keine Wachstumschancen mehr in Europa. VDA-PrĂ€sidentin Hildegard MĂŒller verweist dabei auf aus ihrer Sicht schlechte Standortbedingungen, die Unternehmen zur Abwanderung veranlassten.
MĂŒller kritisiert politische Rahmenbedingungen
âFakt ist, dass die europĂ€ische Industrie unter den schlechten Standortbedingungen nicht mehr wachsen kannâ, sagte MĂŒller dem Pro-Newsletter Industrie und Handel des Nachrichtenmagazins Politico. Die Industrie wandere ab, âum im internationalen Wettbewerb weiter agieren zu könnenâ.
Diese Lage werde jedoch nicht von allen anerkannt, kritisierte die VDA-Chefin. Aus ihrer Sicht besteht in der Politik weiterhin ein Erkenntnisproblem. âDie Annahme, dass wir politisch aktuell vor allem Probleme bei der Umsetzung haben, ist nicht richtigâ, sagte MĂŒller.
Warnung vor Folgen fĂŒr Gesellschaft und Politik
Ohne starke Wirtschaft sei auch die gesellschaftliche und politische StabilitĂ€t herausgefordert, mahnte die VerbandsprĂ€sidentin. Sie knĂŒpft damit an die Bedeutung der Industrie fĂŒr BeschĂ€ftigung, Wohlstand und staatliche Einnahmen an.
MĂŒller fordert deshalb eine âWachstumsagendaâ und einen stĂ€rkeren Fokus auf Standortpolitik. Aus ihrer Sicht mĂŒsse die Politik die Rahmenbedingungen so setzen, dass Unternehmen wieder stĂ€rker in Europa investieren.
Kritik an Regulierung in der EU
Ein weiteres Erkenntnisproblem sieht MĂŒller auch auf Ebene der EuropĂ€ischen Union. Wer glaube, âdass Regulierung ein Wettbewerbsvorteil ist, ignoriert alle Zahlen, Daten und Faktenâ, sagte sie.
Das von ihr beklagte âHerumdoktern an Symptomenâ sei nach MĂŒllers Worten Ausdruck einer Verweigerung, die eigenen Probleme anzugehen. Als zentrales Problem nennt sie die fehlende KonkurrenzfĂ€higkeit der europĂ€ischen Industrie im internationalen Vergleich.
Die deutlichen Worte von VDA-PrĂ€sidentin Hildegard MĂŒller fĂŒgen sich in eine seit Jahren anhaltende Grundsatzdebatte ĂŒber die WettbewerbsfĂ€higkeit des Industriestandorts Europa ein. Die deutsche Autoindustrie steht dabei exemplarisch fĂŒr energieintensive und stark regulierte Branchen, die sich im globalen Vergleich unter Druck sehen.
Industrie unter Kosten- und Wettbewerbsdruck
Zu den hĂ€ufig genannten Belastungen zĂ€hlen hohe Energiepreise, steigende Lohnkosten, komplexe Regulierung sowie Investitionsunsicherheit in zentralen Zukunftsfeldern wie ElektromobilitĂ€t und Digitalisierung. Unternehmen prĂŒfen daher verstĂ€rkt Investitionen in Regionen mit niedrigeren Kosten und schnellerer Genehmigungspraxis, etwa in Teilen Nordamerikas oder Asiens.
Wenn MĂŒller davon spricht, dass die Industrie abwandere, knĂŒpft sie an diese Entwicklung an und deutet sie als strukturelles Problem, nicht als vorĂŒbergehende SchwĂ€che. Ihre Kritik richtet sich gegen eine Politik, die aus Sicht vieler Unternehmensvertreter zu stark auf Regulierung und zu wenig auf Wachstumsanreize und verlĂ€ssliche Rahmenbedingungen setzt.
Standortpolitik und politische StabilitÀt
Bemerkenswert ist der Zusammenhang, den MĂŒller zwischen ökonomischer StĂ€rke und gesellschaftlicher sowie politischer StabilitĂ€t zieht. Die Autoindustrie beschĂ€ftigt direkt und indirekt Millionen Menschen, vor allem in Deutschland. Bleibt Wachstum aus oder verlagern Unternehmen Produktion und Wertschöpfung ins Ausland, drohen Belastungen fĂŒr Arbeitsmarkt, Steuereinnahmen und regionale Infrastruktur.
Ihre Forderung nach einer âWachstumsagendaâ deutet auf einen Kurswechsel hin: Im Zentrum stĂŒnden steuerliche Entlastungen, Investitionsanreize, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie eine kritischere ĂberprĂŒfung bestehender und geplanter Regulierungen. FĂŒr Leser bedeutet die Debatte, dass Standortentscheidungen der Industrie zunehmend auch den eigenen Alltag betreffen â von ArbeitsplĂ€tzen ĂŒber öffentliche Haushalte bis hin zu Preisen und Angebot bei neuen Fahrzeugtechnologien.
