ZEW-Chef: 'Energie dĂŒrfte nie mehr richtig billig werden'
28.02.2024 - 05:33:20"Energie dĂŒrfte nie mehr richtig billig werden. Wir haben weniger Wind und weniger Sonne als viele andere LĂ€nder", sagte Wambach im GesprĂ€ch mit den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX. Die Folgen wĂŒrden vor allem die energieintensiven Branchen der deutschen Wirtschaft zu spĂŒren bekommen.
"Der Arbeitsmarkt beginnt zu reagieren", sagte der Ăkonom. So will etwa der Chemieriese BASF DE000BASF111 seinen Sparkurs verschĂ€rfen und weitere Stellen im Stammwerk Ludwigshafen streichen. "Die groĂe politische Aufgabe wird sein, die notwendige Transformation in Richtung KlimaneutralitĂ€t hinzubekommen, ohne dass signifikant ArbeitsplĂ€tze ins Ausland verlagert werden und die Arbeitslosigkeit steigt", sagte Wambach.
Aus Sicht des PrĂ€sidenten des Wirtschaftsforschungsinstituts belasten die im internationalen Vergleich höchsten Unternehmenssteuern, Kosten fĂŒr BĂŒrokratie, unzureichende Digitalisierung und dadurch ZurĂŒckhaltung der Unternehmen bei Investitionen derzeit den Wirtschaftsstandort Deutschland. Auseinandersetzungen innerhalb der Ampel-Koalition sorgten fĂŒr Unsicherheit bei den Unternehmen, diese hielten sich mit Investitionen zurĂŒck. "Hohe Unsicherheit ist ein Problem. Ein gemeinsamer Wille der Regierung ist wichtig und da besteht derzeit Unsicherheit", sagte Wambach. Auch die KĂŒrzungen beim Wachstumschancengesetz und dessen Blockade im Bundesrat seien kein gutes Signal.
Inflation auf einem guten Weg
CDU und CSU wollen dem Paket mit Steuerentlastungen und BĂŒrokratieabbau nur zustimmen, wenn die Ampel-Koalition den bereits beschlossenen Abbau von Steuerentlastungen beim Agrardiesel fĂŒr Landwirte zurĂŒcknimmt. Im Vermittlungsverfahren zwischen Bundestag und Bundesrat war das Volumen der Entlastungen bereits von einst geplanten sieben Milliarden Euro jĂ€hrlich auf 3,2 Milliarden Euro zusammengestrichen worden, weil das Paket zu EinnahmeausfĂ€llen bei den LĂ€ndern fĂŒhrt.
"Wir mĂŒssen Investitionen stĂ€rken und brauchen konsequente Strukturreformen", mahnte Wambach. "AuĂerdem muss der europĂ€ische Binnenmarkt weiter ausgebaut werden." Die Inflation sieht der Ăkonom dagegen auf einem "guten Weg". Zusammen mit höheren Löhnen dĂŒrfte das den Privatkonsum stĂ€rken, der eine wichtige StĂŒtze der deutschen Konjunktur ist.
Die Inflation ist seit einiger Zeit tendenziell rĂŒcklĂ€ufig. Im Januar lagen die Verbraucherpreise 2,9 Prozent ĂŒber dem Niveau des Vorjahresmonats. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 hatten sich vor allem Energie und Lebensmittel sprunghaft verteuert. Die Teuerungsrate in Deutschland kletterte bis auf 8,8 Prozent im Herbst 2022.

