Galeria-Insolvenz: Verdi-Chef sieht Kaufhaus-Konzept nicht tot
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 10:27 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSGaleria-HÀuser bleiben unter Druck
- Verdi-Chef Frank Werneke kritisiert wiederholte EigentĂŒmerwechsel und Versprechen zulasten der BeschĂ€ftigten.
- Die vierte Galeria-Insolvenz innerhalb von sechs Jahren betrifft erneut zahlreiche Warenhausstandorte.
- Werneke verweist auf Galeries Lafayette, El Corte InglĂ©s und Breuninger als Beispiele fĂŒr zukunftsfĂ€hige KaufhĂ€user.
- Bei Importen von Temu und Shein nennt Werneke einen UmsatzrĂŒckgang von 40 Prozent nach EU-Zöllen.
Verdi fordert Investitionen in KaufhÀuser
Verdi-Chef Frank Werneke warnt nach der vierten Insolvenz der Warenhauskette Galeria innerhalb von sechs Jahren vor den Folgen fĂŒr BeschĂ€ftigte und InnenstĂ€dte. Zugleich hĂ€lt er das Kaufhauskonzept fĂŒr zukunftsfĂ€hig, wenn EigentĂŒmer dauerhaft in Sortiment, Verkaufsbedingungen und Ambiente investieren.
Kritik an EigentĂŒmern und Lohnopfern
Das Unternehmen sei wiederholt âHasardeuren in die HĂ€nde gefallenâ, sagte Werneke der Funke-Mediengruppe. Die Belegschaft habe ĂŒber Jahre durch abgesenkte Löhne Opfer gebracht, wĂ€hrend EigentĂŒmer sich bereichert und leere Versprechungen abgegeben hĂ€tten.
WarenhÀuser als Innenstadtanker
Nach Ansicht des Verdi-Chefs sind KaufhĂ€user nicht grundsĂ€tzlich ĂŒberholt. Als Beispiele nannte er Galeries Lafayette in Frankreich, El Corte InglĂ©s in Spanien und Breuninger in Deutschland.
Attraktive Produkte, gute Verkaufsbedingungen und ein ĂŒberzeugendes Ambiente seien entscheidend. Bei Galeria habe es in den vergangenen Jahren an solchen Investitionen gefehlt; nun stĂŒnden erneut zahlreiche HĂ€user auf der Kippe.
Verdi verlangt andere Handelspolitik
In der Debatte ĂŒber mögliche Schutzzölle fordert Werneke einen stĂ€rkeren Schutz europĂ€ischer MĂ€rkte vor subventionierten Billigimporten. Das massenhafte Paketaufkommen von OnlinehĂ€ndlern aus Fernost sei ein âKiller fĂŒr die deutschen InnenstĂ€dteâ.
Zölle auf China-Importe
Werneke verwies auf Temu und Shein und kritisierte, dass Waren bislang millionenfach tÀglich zollfrei nach Deutschland gelangt seien. Dabei fehlten nach seiner Darstellung hÀufig ausreichender Arbeitsschutz bei der Herstellung und Produktsicherheit.
Die EU erhebe inzwischen Zölle, fĂŒr die Verdi gekĂ€mpft habe. Dadurch seien die UmsĂ€tze der BillighĂ€ndler aus China nach Wernekes Angaben um 40 Prozent zurĂŒckgegangen.
Die vierte Insolvenz von Galeria innerhalb von sechs Jahren steht fĂŒr die wiederkehrende Krise eines GeschĂ€ftsmodells, das hohe Kosten fĂŒr Filialen, Personal und WarenbestĂ€nde mit dem wachsenden Onlinehandel verbinden muss. KaufhĂ€user bleiben in vielen InnenstĂ€dten wichtige Ankerpunkte, ihre wirtschaftliche Funktion hĂ€ngt jedoch davon ab, ob sie ausreichend Kunden anziehen und sich gegen digitale Anbieter behaupten können.
Wernekes Hinweis auf Investitionen zielt deshalb auf mehr als die Ausstattung einzelner HĂ€user. Attraktive Sortimente, zeitgemĂ€Ăe VerkaufsflĂ€chen und verlĂ€ssliche Arbeitsbedingungen sollen den stationĂ€ren Handel vom reinen Preisvergleich abheben. Zugleich erhöhen sinkende Löhne und wiederholte EigentĂŒmerwechsel den Druck auf BeschĂ€ftigte, wĂ€hrend Kommunen bei SchlieĂungen mit LeerstĂ€nden und einem Verlust an Besucherfrequenz rechnen mĂŒssen.
InnenstÀdte zwischen Handel und Strukturwandel
Die Debatte ĂŒber Zölle verbindet die Galeria-Krise mit einem zweiten Problem: Plattformen aus Fernost verkaufen Waren zu sehr niedrigen Preisen und liefern sie direkt an Verbraucher. Höhere Abgaben können Wettbewerbsbedingungen verĂ€ndern, ersetzen aber keine tragfĂ€hige Strategie fĂŒr einzelne KaufhĂ€user. FĂŒr Galeria und andere WarenhĂ€user entscheidet daher vor allem, ob EigentĂŒmer dauerhaft Kapital bereitstellen und die HĂ€user konzeptionell an verĂ€nderte Einkaufsgewohnheiten anpassen.
FĂŒr BeschĂ€ftigte steht kurzfristig die Sicherung von ArbeitsplĂ€tzen im Mittelpunkt. FĂŒr StĂ€dte geht es zugleich um die Nutzung groĂer Immobilien und die Frage, ob KaufhĂ€user kĂŒnftig als gemischte Orte mit Handel, Dienstleistungen, Gastronomie oder Kultur funktionieren können.
