Commerzbank, Unicredit

Verdi drängt Bund: Staatsanteil von 13 Prozent an Commerzbank sichern

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 10:16 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Verdi drängt die Bundesregierung, ihre Beteiligung von rund 13 Prozent an der Commerzbank zu halten und damit Einfluss im Aufsichtsrat zu sichern. Kurz vor dem Treffen von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil mit Unicredit-Chef Andrea Orcel fordert die Gewerkschaft verbindliche Zusagen zum Schutz der Beschäftigten.

Verdi fordert Verbleib des Staats als Commerzbank-Großaktionär
Commerzbank-Filiale (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die Gewerkschaft Verdi fordert von der Bundesregierung, als Großaktionär in der Commerzbank engagiert zu bleiben und ihre Rechte im Aufsichtsrat weiterhin zu nutzen. Kurz vor dem Spitzentreffen von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) mit Unicredit-Chef Andrea Orcel erhöht Verdi damit den Druck auf die Politik.

Verdi pocht auf Staatsbeteiligung und Aufsichtsratsmandate

Verdi-Gewerkschaftssekretär Frederik Werning erklärte, die Bundesregierung dürfe ihr Einsatz für eine gute Zukunft der Commerzbank nicht nachlassen, auch wenn andere Themen derzeit im Vordergrund stünden. Die Regierung müsse an ihrer Beteiligung und dem Recht festhalten, zwei Mitglieder in den Aufsichtsrat zu entsenden. Nur so könne sie sicherstellen, dass nachhaltige Vereinbarungen mit Unicredit getroffen werden, insbesondere zum Schutz der Beschäftigten.

Hintergrund: Einstieg von Unicredit und Verantwortung des Bundes

Der deutsche Staat hält derzeit rund 13 Prozent der Commerzbank-Anteile. Bundesfinanzminister Klingbeil hat Unicredit-Chef Orcel für den 14. September nach Berlin eingeladen. Die Bundesregierung hatte den jetzigen Übernahmekampf selbst angestoßen, als sie im September 2024 ein Aktienpaket der Commerzbank an Unicredit verkaufte. Aus Sicht von Verdi trägt der Bund deshalb eine besondere Verantwortung gegenüber den Beschäftigten.

Warnung vor Hypovereinsbank-Szenario

Werning verwies auf die Entwicklung bei der Hypovereinsbank nach der Übernahme durch Unicredit im Jahr 2005. Seither ist die Zahl der Arbeitsplätze bei dem Münchner Institut nach seinen Angaben um mehr als 60 Prozent gesunken. Nach seinen Erfahrungen würden die gravierendsten Einschnitte nicht in den ersten ein oder zwei Jahren nach einer Fusion erfolgen, sondern später.

Forderung nach Standortgarantien und Kündigungsschutz

Gerade deshalb müsse die Bundesregierung als Anteilseignerin beteiligt bleiben, betonte Werning, der auch im Aufsichtsrat der Commerzbank sitzt. Nur so könne sie nachhaltige Vereinbarungen mit Unicredit sicherstellen. Verdi fordert unter anderem Standortgarantien sowie den Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen, um die Arbeitsplätze bei der Commerzbank langfristig zu sichern.

Die Forderung von Verdi, dass der Bund als Großaktionär in der Commerzbank engagiert bleibt, trifft einen sensiblen Punkt der deutschen Finanz- und Industriepolitik. Mit dem Verkauf eines Aktienpakets an Unicredit im September 2024 hat die Bundesregierung selbst einen Übernahmeprozess angestoßen, der nun in eine entscheidende Phase tritt. Für Beschäftigte und Kunden steht damit nicht nur die Eigentümerstruktur, sondern auch die strategische Ausrichtung einer der großen deutschen Geschäftsbanken auf dem Spiel.

Politische Verantwortung und Beschäftigtenschutz

Verdi argumentiert, dass die Kombination aus Staatsbeteiligung und Aufsichtsratsmandaten dem Bund ein wirksames Instrument zur Absicherung von Arbeitsplätzen und Standorten bietet. Die Warnung vor einem Szenario wie bei der Hypovereinsbank nach der Unicredit-Übernahme 2005 zielt auf die Erfahrung, dass tiefgreifende Personal- und Strukturentscheidungen häufig erst Jahre nach einer Fusion kommen. Aus Sicht der Gewerkschaft soll der Staat diese Phase nicht den Marktkräften überlassen, sondern aktiv mitgestalten.

Signalwirkung für Bankenmarkt und Investoren

Der angekündigte Termin von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil mit Unicredit-Chef Andrea Orcel am 14. September in Berlin dürfte daher eng beobachtet werden. Dort geht es voraussichtlich um zentrale Eckpunkte der weiteren Zusammenarbeit, etwa zu Standortgarantien und möglichen Beschränkungen betriebsbedingter Kündigungen. Die Haltung der Bundesregierung hat dabei eine doppelte Wirkung: Sie beeinflusst unmittelbar die Perspektive der Commerzbank-Belegschaft und sendet zugleich ein Signal an potenzielle ausländische Investoren, wie weit politischer Einfluss bei Übernahmen systemrelevanter Unternehmen reicht.

Wirtschaftliche Perspektive

Für die Commerzbank ist eine stabile Eigentümerstruktur zugleich Voraussetzung für Investitionen in Digitalisierung, Kapitalstärke und neue Geschäftsmodelle. Ein längerer Konflikt zwischen Renditeerwartungen von Investoren und arbeitsmarktpolitischen Zielen könnte Entscheidungen verzögern. Die Debatte um den Staatsanteil berührt damit nicht nur gewerkschaftliche Interessen, sondern auch die Frage, wie Deutschland seine Bankenlandschaft zwischen Wettbewerbsfähigkeit, Finanzstabilität und sozialer Verantwortung ausbalanciert.

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