Verivox-Auswertung: Frauen zahlen 6,77 Prozent Zinsen fĂŒr Kredite
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 11:45 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSFrauen zahlen fĂŒr Ratenkredite in Deutschland im Durchschnitt höhere Zinsen als MĂ€nner und bekommen zugleich kleinere Darlehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Vergleichsportals Verivox auf Basis aller im Juli 2026 ĂŒber die Plattform abgeschlossenen Ratenkredite.
Deutliche Unterschiede bei ZinssÀtzen und KreditbetrÀgen
Nach Angaben von Verivox liegt der mittlere Zinssatz fĂŒr einen Ratenkredit bei Frauen bei 6,77 Prozent, wĂ€hrend MĂ€nner im Schnitt nur 6,39 Prozent zahlen. Gleichzeitig werden Frauen niedrigere KreditbetrĂ€ge bewilligt: Ihr durchschnittlicher Ratenkredit belĂ€uft sich auf 14.382 Euro, bei MĂ€nnern liegt der Wert bei 17.509 Euro.
Auch bei der Frage, ob ein Kredit ĂŒberhaupt zustande kommt, zeigt sich eine LĂŒcke. Kreditanfragen von Frauen werden von Banken laut Auswertung um 15 Prozent hĂ€ufiger abgelehnt als Anfragen von MĂ€nnern.
Ăkonomische ErklĂ€rung statt direkter Diskriminierung
Die Wirtschaftsprofessorin Alexandra Niessen-Ruenzi fĂŒhrt die Schlechterstellung von Frauen vor allem auf Gehaltsunterschiede zurĂŒck. Der wesentliche Faktor fĂŒr die unterschiedlichen Kreditkosten sei demnach die unterschiedliche finanzielle Ausgangslage, weniger eine direkte Diskriminierung in den Banken.
Niessen-Ruenzi, die zu geschlechtsspezifischen Unterschieden an den FinanzmĂ€rkten forscht, verweist darauf, dass Frauen immer noch weniger verdienen als MĂ€nner und hĂ€ufiger in Teilzeit beschĂ€ftigt sind. Banken schĂ€tzen sie deshalb aufgrund einer rechnerisch schlechteren BonitĂ€t hĂ€ufiger als weniger kreditwĂŒrdig ein, was zu höheren Zinsen und geringeren Kreditrahmen fĂŒhrt.
Rechtlicher Rahmen fĂŒr Kreditentscheidungen
Per Gesetz dĂŒrfen Banken ihre Kreditvergabe nicht von persönlichen Merkmalen wie Geschlecht, Herkunft, Religion oder Alter abhĂ€ngig machen. Diese Vorgaben sollen besonders verletzliche Gruppen vor Diskriminierung schĂŒtzen und die Kreditvergabe an objektive Kriterien binden.
In der Praxis stĂŒtzen sich Institute bei der PrĂŒfung der KreditwĂŒrdigkeit auf Einkommen, Art und Sicherheit des BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnisses sowie externe BonitĂ€tsbewertungen. Eine zentrale Rolle spielt hierbei der Schufa-Score, der anhand von zwölf Faktoren berechnet, wie wahrscheinlich ein Zahlungsausfall ist. Eine schlechtere BonitĂ€t erhöht das kalkulierte Ausfallrisiko â und fĂŒhrt folglich zu höheren Kreditzinsen fĂŒr die Betroffenen.
Die Verivox-Auswertung zu höheren Kreditzinsen fĂŒr Frauen fĂŒgt sich in eine lĂ€nger bekannte strukturelle Ungleichheit zwischen den Geschlechtern auf dem Arbeitsmarkt und im Finanzsystem. Frauen verdienen im Durchschnitt weniger, arbeiten hĂ€ufiger in Teilzeit und unterbrechen ihre Erwerbsbiografie öfter fĂŒr Care-Arbeit. Diese Faktoren verschlechtern objektive BonitĂ€tskennziffern und wirken sich unmittelbar auf Kreditkonditionen aus.
Hintergrund: GeschlechterlĂŒcke beim Einkommen
Der in der Meldung genannte Zusammenhang zwischen Einkommen, BeschĂ€ftigungsumfang und KreditwĂŒrdigkeit entspricht gĂ€ngigen Bewertungslogiken von Banken. Einkommen und StabilitĂ€t des ArbeitsverhĂ€ltnisses sind zentrale Kriterien in Scoring-Modellen, etwa beim Schufa-Score. Wer weniger verdient oder nur ĂŒber ein befristetes ArbeitsverhĂ€ltnis verfĂŒgt, gilt statistisch als risikoreicher. Das trifft Frauen ĂŒberproportional.
Damit verstĂ€rkt das Kreditsystem bestehende Ungleichheiten: Schlechtere Verdienstaussichten fĂŒhren zu schlechterer BonitĂ€t, die wiederum zu höheren Kreditzinsen und kleineren Kreditrahmen fĂŒhrt. FĂŒr gröĂere Anschaffungen oder die GrĂŒndung eines Unternehmens wird es damit schwieriger, was langfristig auch Vermögensaufbau und Altersvorsorge beeintrĂ€chtigen kann.
Bedeutung fĂŒr Verbraucherinnen und Regulierung
Formal ist eine Ungleichbehandlung nach Geschlecht verboten, weshalb Banken nach eigenen Angaben ausschlieĂlich objektive Kriterien wie Einkommen, BeschĂ€ftigungsstatus und externe BonitĂ€tsbewertungen nutzen. Wenn diese Kriterien aber strukturell zu Lasten einer Gruppe wirken, stellt sich die Frage, ob zusĂ€tzliche Regulierung oder Transparenzanforderungen nötig sind, um indirekte Benachteiligungen abzumildern.
FĂŒr Verbraucherinnen kann es sinnvoll sein, Kreditangebote verschiedener Institute und Vergleichsportale genau zu prĂŒfen, SpielrĂ€ume bei Laufzeit und Sicherheiten auszuloten und im Vorfeld ihre BonitĂ€t zu stĂ€rken â etwa durch stabile BeschĂ€ftigung oder das Senken bestehender Verbindlichkeiten. Politisch bleibt die zentrale Stellschraube jedoch die Verringerung der EinkommenslĂŒcke zwischen MĂ€nnern und Frauen, weil sich darĂŒber auch die Ausgangslage bei Kreditentscheidungen nachhaltig verĂ€ndert.
