Französischer, Notenbankchef

Französischer Notenbankchef: Zollkonflikt spricht fĂŒr baldige EZB-Zinssenkung

09.04.2025 - 13:21:09

Vertreter der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) haben sich angesichts des Zollkonflikts fĂŒr rasche Leitzinssenkungen ausgesprochen.

Der Zollkonflikt werde eine nicht zu vernachlÀssigende Auswirkung auf das Wirtschaftswachstum haben, sagte der französische Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau am Mittwoch der Tageszeitung "Le Monde".

WĂ€hrend die USA wahrscheinlich einen "Inflationsschock" erleiden wĂŒrden, sei der Disinflationstrend in Europa "solide". Der Anstieg des Euro-Wechselkurses seit Trumps AnkĂŒndigung umfassender Zölle werde dazu beitragen, den Preisdruck einzudĂ€mmen. Unter Disinflation versteht man einen Prozess sinkender Inflationsraten.

"Es gibt noch Spielraum fĂŒr Zinssenkungen", sagte er. "Die VerĂ€nderungen seit dem 2. April sprechen in der Tat fĂŒr eine baldige Senkung." Trump hatte am vergangenen Mittwoch - dem von ihm sogenannten "Liberation Day" - seine neuen Zölle verkĂŒndet, die jetzt in Kraft getreten sind. Der französische Notenbankchef entscheidet als EZB-Ratsmitglied auch ĂŒber Geldpolitik der EZB mit.

Ähnlich wie Villeroy Ă€ußerte sich der finnische Notenbankchef Olli Rehn. Die GrĂŒnde fĂŒr eine erneute Zinssenkung hĂ€tten sich verstĂ€rkt. "Das war meine Ansicht schon frĂŒher, aber die vergangene Woche hat diese EinschĂ€tzung noch verstĂ€rkt, da sich die Inflation auf dem Zielniveau zu stabilisieren scheint und die Wachstumsaussichten sich aufgrund des Handelskriegs abgeschwĂ€cht haben", sagte er am Mittwoch in Helsinki. Die Geldpolitik der EZB bleibe weiter von den Daten abhĂ€ngig.

Die EZB hatte zuletzt Anfang MĂ€rz die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Dies war die sechste Zinssenkung seit dem Sommer 2024. EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde hatte nach der Sitzung keine klaren Signale fĂŒr das weitere Vorgehen gegeben. Mittlerweile gehen die FinanzmĂ€rkte angesichts der VerschĂ€rfung des Zollstreits fest von einer Leitzinssenkung aus. Offenbar werden die Gefahren fĂŒr das Wirtschaftswachstum höher gewichtet als die Inflationsrisiken.

@ dpa.de