Deutschland, Gewerkschaft

«Verzicht bringt nichts» - IG Metall will Reallöhne sichern

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 10:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Obwohl in Deutschland Tausende IndustriearbeitsplÀtze bedroht sind, hÀlt die IG Metall nichts von Lohnverzicht. In der Tarifrunde Metall und Elektro will sie die Kaufkraft der BeschÀftigten erhalten.

  • Die Chefin der IG Metall, Christiane Benner, sieht keinen Grund zum Verzicht. (Foto: Archiv) - Bild: Hannes P Albert/dpa
    Die Chefin der IG Metall, Christiane Benner, sieht keinen Grund zum Verzicht. (Foto: Archiv) - Bild: Hannes P Albert/dpa
  • Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie sind ab November möglich. (Foto: Archiv)   - Bild: Marcus Brandt/dpa
    Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie sind ab November möglich. (Foto: Archiv) - Bild: Marcus Brandt/dpa
Die Chefin der IG Metall, Christiane Benner, sieht keinen Grund zum Verzicht. (Foto: Archiv) - Bild: Hannes P Albert/dpa Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie sind ab November möglich. (Foto: Archiv)   - Bild: Marcus Brandt/dpa

In der anstehenden Tarifrunde fĂŒr die deutsche Metall- und Elektroindustrie will die IG Metall mindestens die Reallöhne sichern. WĂ€hrend die exakte Lohnforderung noch in den kommenden Wochen gefunden werden soll, verweist die Gewerkschaft auf eine bundesweite BeschĂ€ftigtenbefragung, bei der sich eine relative Mehrheit von 47,8 Prozent fĂŒr «moderate» Entgelterhöhungen ausgesprochen hat. 35 Prozent der 267.000 Teilnehmer waren fĂŒr eine «krĂ€ftige» Erhöhung. 

«Verzicht bringt nichts», erklĂ€rte die Gewerkschaftsvorsitzende Christiane Benner. Sie sieht Unternehmen und Politik in der Verantwortung, die IndustriearbeitsplĂ€tze zu halten und eine Deindustrialisierung zu verhindern. «Wir brauchen eine Anti-Dumping-Strategie und die Sicherung von Wertschöpfung ĂŒber Local-Content-Vorgaben. Die ArbeitsplĂ€tze werden durch unfairen Wettbewerb bedroht, nicht durch zu hohe Arbeitskosten.» Diese machten ohnehin nur einen geringen Teil der Gesamtkosten aus. 

IG Metall verlangt Gegenleistungen

Wenn es Unternehmen schlecht gehe, sei die Gewerkschaft bei wirtschaftlichen Problemen stets zu GesprÀchen bereit und habe Lösungen, sagte Benner. «Wir verlangen aber Gegenleistungen, nÀmlich Investitionen, Produktzusagen und die Sicherung von ArbeitsplÀtzen.»

Die Lage sei auch nicht so schlecht, wie es in der öffentlichen Diskussion den Eindruck erwecke. Die Befragten nĂ€hmen die Situation in ihren Betrieben sehr unterschiedlich wahr. WĂ€hrend knapp die HĂ€lfte sie als gut (31,7 Prozent) oder sehr gut (14,5 Prozent) schildert, sieht gut jeder FĂŒnfte die Lage als schlecht (16,9 Prozent) oder sehr schlecht (4,7 Prozent) an. Gut gehe es Betrieben der Luft- und Raumfahrt, RĂŒstung, Schiffsbau oder Energie, wĂ€hrend in der Autoindustrie und bei Dienstleistern Sorgen herrschten. 

Angriffe auf 35-Stunden-Woche

Gleichzeitig warnte die Gewerkschaftschefin einzelne Unternehmen wie Mercedes-Benz, gewerkschaftliche Errungenschaften infrage zu stellen, die nicht einmal Gegenstand der Tarifverhandlungen sind. «Die 35-Stunden-Woche und der Achtstundentag gehören zum IdentitĂ€tskern unserer Gewerkschaft. Wir haben das erkĂ€mpft und nicht geschenkt bekommen. Und wir werden weiter dafĂŒr kĂ€mpfen.» 40 statt 35 Stunden zu arbeiten ohne Entgeltausgleich, bedeute eine erhebliche LohnkĂŒrzung um 14 Prozent.

In den FlĂ€chentarifvertrĂ€gen fĂŒr die deutsche Metall- und Elektroindustrie werden die Arbeitsbedingungen von rund 3,7 Millionen BeschĂ€ftigten verhandelt. Neben der Autoindustrie sind Maschinenbau, Metallbearbeitung, Elektrotechnik und der sonstige Fahrzeugbau wichtige Sparten. Nicht verhandelt wird fĂŒr die BeschĂ€ftigten der kriselnden Volkswagen AG, fĂŒr die ein eigener Haustarifvertrag gilt. Dieser lĂ€uft zum Jahresende aus. 

Der Vorstand der IG Metall will seine Forderung nach umfangreicher RĂŒckkopplung mit den regionalen Tarifkommissionen am 23. September beschließen. Erste Verhandlungen mit den ArbeitgeberverbĂ€nden sind ab dem 7. Oktober geplant. Die aktuellen TarifvertrĂ€ge laufen zum 31. Oktober aus. Danach sind dann sofort auch Warnstreiks möglich, weil in dieser Runde auf eine nachlaufende Friedenspflicht verzichtet worden ist.

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