Appetit, Bio

Wieder mehr Appetit auf Bio - auch AnbauflÀche wÀchst

11.02.2024 - 06:39:51

Viele Menschen achteten 2023 mehr auf ihr Geld. Bio-Lebensmittel gönnten sie sich trotzdem wieder mehr. Die Einkauf-Trends scheinen sie allerdings verfestigt zu haben.

Trotz Inflation und schwacher Konjunktur haben die Menschen in Deutschland wieder mehr Geschmack an Bio-Lebensmitteln gefunden. Nach einer leichten Delle 2022 habe die Nachfrage im vergangenen Jahr wieder zugenommen, sagte die Vorsitzende des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Tina Andres. 

Das bestĂ€tigt auch der NIQ-KonsumgĂŒter-Experte David Georgi: «Der Bio-Lebensmittelumsatz konnte 2023 im Vergleich zum Vorjahr nochmals ein deutliches Wachstum von 8,7 Prozent erreichen.» Interessanterweise gehe diese Entwicklung nicht nur auf höhere Preise zurĂŒck wie in vielen anderen Lebensmittelbereichen. «Auch der Absatz wĂ€chst bei Bio-Lebensmitteln mit 4,7 Prozent deutlich.»

BÖLW will Zahlen auf Messe vorstellen

Genau Zahlen zum deutschen Biomarkt will der BÖLW am Dienstag auf der weltgrĂ¶ĂŸten Naturkostmesse Biofach in NĂŒrnberg vorstellen. Dieser ist der Spitzenverband fĂŒr die deutschen Erzeugerbetriebe, verarbeitenden Unternehmen und den Handel von Bio-Lebensmitteln. Parallel zur Biofach wird die Naturkosmetikmesse Vivaness veranstaltet. Bis zum 16. Februar werden auf dem Messe-Duo rund 2800 internationale Aussteller Neuheiten zeigen. 

«Die Verbraucher kommen langsam wieder aus der Schockstarre, sagte Andres mit Blick auf die KaufzurĂŒckhaltung angesichts steigender Lebenshaltungskosten. Der Aufwind sei in allen VertriebskanĂ€len spĂŒrbar, auch im Fachhandel. Die NaturkostlĂ€den hatten zuletzt am deutlichsten zu spĂŒren bekommen, dass Verbraucherinnen und Verbraucher mehr auf ihre Ausgaben achten. 2022 war deren Gesamtumsatz laut dem Branchenreport der ökologischen Lebensmittelwirtschaft um rund 12 Prozent auf 3,83 Milliarden Euro gesunken. 

Bio-Produkte beim Discounter gefragt

Eigenmarken spielten bei den Bio-Lebensmitteln weiter eine entscheidende Rolle, sagte Georgi. Ihr Anteil im Lebensmitteleinzelhandel und den DrogeriemĂ€rkten liege aktuell bei mehr als 60 Prozent und wachse weiter. Außerdem kauften die Menschen zunehmend Bio-Produkte im Discounter. 

Die Preise fĂŒr Bio-Lebensmittel seien im Vergleich zu konventionellen Produkten im vergangenen Jahr weniger stark gestiegen, sagte Andres. WĂ€hrend es bei konventionellen Lebensmitteln einen Preisanstieg um neun Prozent gegeben habe, habe dieser bei Bio bei fĂŒnf Prozent gelegen. Ein Grund sei, dass die explodierenden Energiekosten die Bio-Landwirte weniger stark treffen. Diese kommen ihr zufolge ohne chemisch synthetische StickstoffdĂŒnger und Pestizide aus, die mit fossiler Energie hergestellt werden.

Bauern steigen zunehmend auf Bio-Anbau um

Immer mehr BĂ€uerinnen und Bauern steigen laut dem BÖLW in Deutschland auf Bio-Anbau um. «TĂ€glich kommen FlĂ€chen in der GrĂ¶ĂŸe von ĂŒber 300 Fußballfeldern hinzu», sagte Andres. 2022 hatte die AnbauflĂ€che auf fast 1,87 Millionen Hektar zugelegt - das sind rund 11 Prozent der deutschen AgrarflĂ€che. 

Auch mit dem erneuten Zuwachs sei man immer noch weit von dem Ziel entfernt, dass 30 Prozent der LandwirtschaftsflÀche bis 2030 ökologisch bewirtschaftet werden sollten, betonte Andres. «Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern wir haben ein Umsetzungsproblem in der Landwirtschaftspolitik.» Es gebe hervorragende PlÀne und ausgearbeitete Strategien. Doch das werde alles nicht funktionieren, wenn man diese nicht mit einem ausreichenden Budget ausstatte, sagte sie. 

@ dpa.de