Temu, Shein

SchÀtzung: Temu und Shein kosten Einzelhandel Milliarden

23.04.2026 - 04:01:05 | dpa.de

Viele Menschen kaufen Produkte bei Temu und Shein. Welche Auswirkungen hat das fĂŒr die deutsche Wirtschaft? Forscher haben dies nun berechnet.

  • Temu und Shein sind in Deutschland erfolgreich. (Archivbild) - Foto: Oliver Berg/dpa/dpa-tmn
    Temu und Shein sind in Deutschland erfolgreich. (Archivbild) - Foto: Oliver Berg/dpa/dpa-tmn
  • Laut einem aktuellen Ranking des Handelsforschungsinstituts EHI war Shein 2024 bereits der siebtgrĂ¶ĂŸte Onlineshop in Deutschland. (Archivbild) - Foto: Julien Mattia/Le Pictorium via ZUMA Press/dpa
    Laut einem aktuellen Ranking des Handelsforschungsinstituts EHI war Shein 2024 bereits der siebtgrĂ¶ĂŸte Onlineshop in Deutschland. (Archivbild) - Foto: Julien Mattia/Le Pictorium via ZUMA Press/dpa
Temu und Shein sind in Deutschland erfolgreich. (Archivbild) - Foto: Oliver Berg/dpa/dpa-tmn Laut einem aktuellen Ranking des Handelsforschungsinstituts EHI war Shein 2024 bereits der siebtgrĂ¶ĂŸte Onlineshop in Deutschland. (Archivbild) - Foto: Julien Mattia/Le Pictorium via ZUMA Press/dpa

Die beliebten OnlinehÀndler Temu und Shein schaden der deutschen Wirtschaft einer SchÀtzung zufolge erheblich. Dem Einzelhandel entgehen jÀhrlich UmsÀtze in Höhe von 2,5 Milliarden Euro - weil Konsumenten Produkte bei den chinesischen Plattformen kaufen, statt bei Anbietern in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von IW Consult im Auftrag des Handelsverbands Deutschland (HDE). 

Der tatsĂ€chliche Umsatzausfall fĂŒr die gesamte Wirtschaft wird doppelt so hoch beziffert. Darin enthalten sind auch Vorleistungen wie Mieten, Energie, Logistik sowie Löhne und daraus entstehende Konsumausgaben. Jeder Euro Umsatz im Einzelhandel fĂŒhre zu insgesamt etwa zwei Euro Umsatz in der gesamten Wirtschaft, sagte Marco Trenz, Ökonom am Institut der Deutschen Wirtschaft. 

Grundlage ist eine reprÀsentative Umfrage unter 4.000 Verbraucherinnen und Verbrauchern zwischen 16 und 69 Jahren, die im Februar online befragt wurden. Daraus geht hervor: 51 Prozent der Nutzer von Temu und Shein hÀtten die dort erworbenen Produkte zum gleichen Preis woanders gekauft, wenn dies bei den chinesischen Plattformen nicht möglich gewesen wÀre. 19 Prozent wÀren sogar bereit, mehr Geld auszugeben.

Der Analyse zufolge sind in Deutschland wegen Temu und Shein bereits mehr als 40.000 ArbeitsplĂ€tze verloren gegangen, die meisten im Einzelhandel. «Wenn es Temu und Shein nicht gĂ€be, dann wĂŒrde ein Großteil der KĂ€ufe im deutschen Einzelhandel getĂ€tigt. DafĂŒr wĂ€ren mehr BeschĂ€ftigte nötig», so Trenz. Hinzu kĂ€men weitere Jobs in Vorleistungsbranchen. Er erwartet, dass die UmsĂ€tze von Temu und Shein weiter steigen und dadurch mittelfristig noch mehr Jobs wegfallen.

Temu und Shein schicken laut HDE tÀglich 460.000 Pakete

Der Forscher sieht durch den Erfolg der beiden Shoppingportale weitere Nebenwirkungen. Bund, LĂ€ndern und Kommunen entgingen dadurch bis zu 420 Millionen Euro an Steuereinnahmen pro Jahr. «Wenn die KĂ€ufe nicht bei Temu und Shein, sondern im deutschen Einzelhandel stattfĂ€nden, wĂŒrden dadurch auch Lohn-, Gewerbe- und Körperschaftsteuer gezahlt», betonte Trenz.

Laut HDE haben Temu und Shein 2025 tĂ€glich 460.000 Pakete nach Deutschland verschickt. Die Plattformen sind bei Verbrauchern beliebt, stehen aber in der Kritik. Politiker, Handelsvertreter und VerbraucherschĂŒtzer monieren unter anderem ProduktqualitĂ€t, mangelnde Kontrollen und unfaire Wettbewerbsbedingungen. Sie fordern eine strengere Regulierung und besseren Schutz beim Online-Einkauf.

HDE-PrĂ€sident Alexander von Preen beklagt, Temu und Shein erfĂŒllten oft nicht die rechtlichen Vorgaben, verbreiteten unsichere Ware und brĂ€chten viele heimische HĂ€ndler «an den Rand des Ruins». Diese wĂŒrden streng kontrolliert und hielten sich an die Gesetze. Der Verband forderte erneut ein hĂ€rteres Durchgreifen gegen die Plattformen. «Wenn sonst nichts hilft, muss bei solch massiven RegelverstĂ¶ĂŸen der Stecker gezogen werden», sagte von Preen. 

So reagieren Temu und Shein

Temu nahm zu der Kritik Stellung. Ein Unternehmenssprecher teilte auf Anfrage mit: «Temu ermöglicht Tausenden traditionellen Unternehmen in Deutschland und ganz Europa den Zugang zu einem globalen Kundenstamm und unterstĂŒtzt sie dabei, ihren Umsatz zu steigern, ArbeitsplĂ€tze zu schaffen und international wettbewerbsfĂ€hig zu sein.» Die Partnerschaften sollen weiter ausgebaut werden. 

Ein Sprecher von Shein sagte: «Konkurrenten zum SĂŒndenbock zu stempeln und mit denselben immer wiederkehrenden und haltlosen VorwĂŒrfen fairen Wettbewerb zu konterkarieren, mag Schlagzeilen erzeugen.» Eine ernsthafte Strategie, die deutschen EinzelhĂ€ndlern helfe, wettbewerbsfĂ€hig zu sein, sei dies jedoch nicht.

Weiter sagte er: «Heute verkaufen mehr als 600 deutsche Unternehmen ĂŒber unsere Plattform, schaffen BeschĂ€ftigungen und leisten einen konkreten Beitrag zur Wirtschaft in Deutschland.» Allein in den vergangenen drei Jahren habe Shein hierzulande Hunderte Millionen Euro an Steuern entrichtet und werde auch kĂŒnftig allen Verpflichtungen nachkommen.

EU fĂŒhrt neue BearbeitungsgebĂŒhr ein

Im Kampf gegen die Flut kleiner Pakete aus OnlinekĂ€ufen in Drittstaaten gilt in der EU ab November eine neue BearbeitungsgebĂŒhr fĂŒr jedes im Internet bestellte und in die EU eingefĂŒhrte Produkt. Die Höhe steht noch nicht fest. Die BearbeitungsgebĂŒhr kommt zusĂ€tzlich zu geplanten neuen ZollgebĂŒhren. 

Bislang können Pakete mit einem Wert von bis zu 150 Euro zollfrei in die Staatengemeinschaft eingefĂŒhrt werden. Ab Juli soll jedoch fĂŒr jedes Paket mit einem Warenwert bis 150 Euro eine Abgabe in Höhe von drei Euro gelten. Diese Regelung ist vorĂŒbergehend, bis eine neue digitale Plattform startet und dann alle in die EU importierten Waren ab dem ersten Euro zollpflichtig sind. 

Die EU-Kommission hat Temu und Shein auch wegen möglicher VerstĂ¶ĂŸe gegen das Gesetz ĂŒber digitale Dienste im Visier. Gegen beide Firmen laufen Untersuchungen. Das Bundeskartellamt leitete im Oktober ein Verfahren gegen Technology Limited ein, das Unternehmen hinter Temu. Die Behörde prĂŒft den Verdacht, dass der Online-Marktplatz unzulĂ€ssige Vorgaben fĂŒr die Preisgestaltung der HĂ€ndler in Deutschland machen könnte.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 69238606 |