Volkswagen: 50.000 Stellen weltweit, 25.000 in Deutschland gestrichen
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 02:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Vorstandsvorsitzende von Volkswagen, Oliver Blume, hat am 27. August 2026 im Rahmen einer Betriebsversammlung in Wolfsburg einen umfangreichen Stellenabbau bestätigt.
Weltweit sollen demnach 50.000 Arbeitsplätze wegfallen, wobei die Hälfte dieser Streichungen – insgesamt 25.000 Stellen – auf die Standorte in Deutschland entfällt. Vor über 10.000 anwesenden Mitarbeitern bezeichnete der VW-Chef die aktuelle Lage des Automobilkonzerns als mehr als kritisch.
Gefährdete Standorte und Management-Kürzungen
Neben dem allgemeinen Personalabbau kündigte Blume am Standort Emden eine Reduzierung der Management-Stellen um 25 % an. Als Grund nannte er die Arbeitskosten vor Ort, die doppelt so hoch seien wie an vergleichbaren Standorten.
Auch für die 2030er-Jahre zeichnet sich eine schwierige Perspektive ab: Den Werken in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm fehle es derzeit an einer wettbewerbsfähigen Auslastung. Endgültige Entscheidungen über die Zukunft dieser Standorte sollen innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate getroffen werden.
Die Produktionskapazitäten in Europa sollen laut Unternehmensführung um insgesamt 500.000 Fahrzeuge pro Jahr gesenkt werden. Blume betonte jedoch, dass die genannte Zahl von 50.000 Stellen keine starre Zielgröße darstelle und Werksschließungen lediglich als letzte Option betrachtet würden, über die noch kein Beschluss gefasst sei.
Dennoch sind die Schließungen der Standorte in Dresden für Ende 2025 und Osnabrück für Mitte 2027 bereits beschlossen. Für das Werk in Osnabrück prüft das Land derzeit einen Einstieg mit mindestens 200 Millionen Euro.
Widerstand der Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaften
Die Betriebsratschefin Daniela Cavallo kritisierte die Pläne des Vorstands scharf und bezeichnete die Maßnahmen als unzureichend. Nach ihren Berechnungen könnten in Deutschland bis zu 115.000 Arbeitsplätze betroffen sein.
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Diese Summe setze sich aus den bereits bis 2030 vereinbarten 50.000 Stellen, den nun zusätzlich angekündigten 25.000 Stellen sowie weiteren 40.000 Arbeitsplätzen zusammen, die ab 2031 im Falle von Werksschließungen gefährdet wären. Cavallo lehnt sowohl betriebsbedingte Kündigungen als auch die Schließung von Werken kategorisch ab.
Unterstützung erhält der Betriebsrat von der IG Metall. Bezirksleiter Thorsten Gröger drohte dem Unternehmen mit einem verschärften Konflikt und warf der Konzernleitung vor, keine tragfähigen Antworten zu liefern.
Die Gewerkschaft bezeichnete die Ankündigungen als unverantwortliche Drohungen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Beschäftigten bereits auf Arbeitskosten in Höhe von 1,5 Milliarden Euro verzichten würden.
Auch Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Olaf Lies mahnte an, dass massenhafte Entlassungen keine Lösung sein könnten, und forderte stattdessen ein schlüssiges Zukunftskonzept.
Wirtschaftlicher Hintergrund und Kapazitätsprobleme
Die wirtschaftliche Notwendigkeit der Maßnahmen begründet der Konzern mit einer zu geringen Rendite von 3,8 %. Laut Technikvorstand Schmall verbleiben von 100 Euro Umsatz derzeit lediglich 4 Euro als Gewinn im Unternehmen. Besonders deutlich wird die Krise am Beispiel des Werks Zwickau, das seit Ende 2024 ausschließlich Elektroautos produziert.
Dort sank die Zahl der Beschäftigten bereits von 11.000 auf 8.000. Im Jahr 2025 wurden in Zwickau nur 210.000 Fahrzeuge produziert, obwohl die Kapazität bei 350.000 Einheiten liegt. Für 2027 ist dort bereits die Stilllegung einer von zwei Fertigungslinien geplant. Eine vollständige Schließung des Standorts würde Schätzungen zufolge etwa 780 Zulieferer mit insgesamt 95.000 Beschäftigten treffen.
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Im größten Komponentenwerk in Kassel-Baunatal, das rund 15.000 Mitarbeiter beschäftigt, wird für das Jahr 2026 mit einer Produktion von etwa 2,7 Millionen Getrieben und E-Antrieben gerechnet. Hier pocht der Betriebsrat auf die Einhaltung der im Tarifabschluss 2024 getroffenen Zusagen.
Die allgemeine Verunsicherung in der Branche spiegelt sich auch in den Zahlen des VDA wider: Im Jahr 2025 waren in der deutschen Automobilindustrie durchschnittlich 731.928 Personen beschäftigt, was einem Rückgang von 5,3 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Nach der Betriebsversammlung in Wolfsburg, bei der Blume von der Belegschaft ausgepfiffen wurde, stehen nun weitere Termine an. Am 31. August findet die nächste Versammlung in Hannover statt, gefolgt von einer Aufsichtsratssitzung am 4. September, auf der über den weiteren Kurs des Konzerns beraten werden soll. Die Volkswagen-Aktie reagierte auf die Ankündigungen zeitweise mit einem Kursverlust von 2 %.
