Volkswagen-Aufsichtsrat, Entscheidung

Volkswagen-Aufsichtsrat am 9. Juli: Entscheidung über Sanierungskurs

30.06.2026 - 23:04:32 | boerse-global.de

Volkswagen-Chef Blume plant drastische Maßnahmen gegen Widerstände. Ausgliederungen und Werksschließungen sollen das Sparpaket retten.

VW-Sparkurs: Blume erwägt Ausgliederung und Werksschließungen
Volkswagen-Aufsichtsrat - Nahaufnahme von Arbeiterhänden auf einer Maschine oder einem Bauplan, im Hintergrund eine verschwommene Autofabrik. Symbolisiert Arbeitsplatzunsicherheit. 30.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Konzernchef Oliver Blume erwägt offenbar drastische Schritte, um das geplante Sparpaket gegen den Widerstand von Betriebsrat und Land Niedersachsen durchzusetzen.

Massiver Stellenabbau und Werksschließungen

Das Management plant laut Medienberichten einen weitreichenden Einschnitt. Betroffen seien die Standorte Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm, deren Schließung im Raum steht. Parallel dazu kursieren Zahlen über einen Abbau von bis zu 100.000 Stellen weltweit bis 2035. Das würde die bereits vereinbarte Reduzierung um 50.000 Arbeitsplätze deutlich übersteigen.

Konzerninsider berichten zudem von Überlegungen, weitere 20.000 bis 30.000 Stellen zu streichen. Der Fokus liege auf der Kernmarke VW, die im Vergleich zu anderen Konzernteilen als renditeschwach gilt.

Strategische Manöver zur Umgehung des VW-Gesetzes

Um die Blockadehaltung im Aufsichtsrat zu brechen, prüft der Vorstand offenbar weitreichende strukturelle Veränderungen. Im Raum steht die Ausgliederung der Kernmarke VW sowie der Komponentensparte in eigenständige Gesellschaften. Ein solcher Schritt könnte die besonderen Mitbestimmungsrechte aus dem VW-Gesetz umgehen. Dieses räumt dem Land Niedersachsen mit einem Anteil von 20 Prozent eine Sperrminorität ein.

Sollte der Aufsichtsrat das Sparpaket in seiner geplanten Sitzung am 9. Juli ablehnen, droht der Vorstand zudem mit einer außerordentlichen Hauptversammlung. Diese könnte bereits im August stattfinden. Ziel wäre es, die Unterstützung der Aktionäre direkt einzuholen – und so den Druck auf die Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen zu erhöhen. Gemeinsam verfügen sie über 12 der 20 Stimmen im Aufsichtsrat.

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Widerstand von Betriebsrat und Politik

Die Arbeitnehmerseite reagierte mit deutlicher Kritik. Der Betriebsrat hatte bereits Ende Mai einen Katalog mit 86 Fragen an den Vorstand übermittelt. In der aktuellen 43-seitigen Antwort des Managements fehlten jedoch weiterhin konkrete Zahlen zum geplanten Stellenabbau. IG Metall und Betriebsrat kündigten massiven Widerstand gegen Werksschließungen an.

Auch aus der Politik kommen mahnende Stimmen. Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori fordert transparente Gespräche zwischen Vorstand und Belegschaft. Er betonte die Notwendigkeit von Klarheit – insbesondere mit Blick auf das Werk Kassel-Baunatal, in dem rund 15.000 Menschen beschäftigt sind. Das Land Niedersachsen lehnt Werksschließungen bisher ebenfalls kategorisch ab.

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Finanzielle Lage und Marktbewertung

Der Konzern steht wirtschaftlich unter erheblichem Druck. Der Aktienkurs markierte zuletzt ein 16-Jahres-Tief und notierte bei etwa 72,54 Euro. Analysten der Citi wiesen darauf hin, dass der Marktwert des Gesamtkonzerns mit rund 37,6 Milliarden Euro deutlich unter dem Wert der Mehrheitsbeteiligungen an Porsche und der Lkw-Holding Traton liegt. Diese werden zusammen auf etwa 44 Milliarden Euro geschätzt.

Zusätzlich zu den strukturellen Sparmaßnahmen prüft das Management offenbar den Verkauf von Unternehmensteilen wie Ducati und Europcar. Auch eine Reduzierung der Anteile an Traton auf 75 Prozent steht zur Debatte – um die Liquidität zu erhöhen und den Konzernumbau zu finanzieren. Über die konkrete Umsetzung soll die Aufsichtsratssitzung am 9. Juli entscheiden.

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