Volkswagen-Krise: Betriebsrat entzieht Blume das Vertrauen
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 21:10 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Bei Volkswagen entzieht der Betriebsrat dem Vorstandschef das Vertrauen, während Arbeitgeberverbände gegen strenge Arbeitszeitregeln wettern. Gleichzeitig sorgt eine geplante Neuregelung zum Krankenstand für Diskussionen.
Vertrauensentzug bei Volkswagen
Der Konzernbetriebsrat von Volkswagen hat Vorstandschef Oliver Blume am Freitag offiziell das Vertrauen entzogen. Der Grund: Blume informierte das Management über ein weitreichendes Sparprogramm, ließ die Arbeitnehmervertreter aber im Dunkeln. Ein Ultimatum des Betriebsrats verstrich damit ungenutzt.
Die bekannt gewordenen Pläne sind drastisch. Bis 2030 könnten weltweit bis zu 120.000 Stellen wegfallen, davon rund 100.000 in Deutschland. Vier deutsche Standorte stehen zur Disposition: Zwickau und Emden sollen 2031 schließen, Hannover 2032. Auch Neckarsulm gilt als gefährdet.
Ein Aufsichtsratsbeschluss zu den Reformplänen scheiterte bereits am 9. Juli mit 12 zu 7 Stimmen. IG-Metall-Vertreter und das Land Niedersachsen stimmten dagegen. Als Reaktion kündigte der Betriebsrat ab dem 10. August Betriebsversammlungen an. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer brachte unterdessen eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich ins Spiel.
Streit um Arbeitszeiterfassung
Neben der VW-Krise tobt eine grundsätzliche Debatte über Arbeitszeiten. Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter sprach sich am Freitag gegen eine flächendeckende Pflicht zur Arbeitszeitaufzeichnung aus. Er plädiert für Vertrauensarbeitszeit und kritisiert die fehlende Einigung bei der Reform des Arbeitszeitgesetzes.
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Wie sensibel das Thema ist, zeigt die rechtliche Einordnung von Fehlern bei der Zeiterfassung. Juristen betonen: Nicht jede Unregelmäßigkeit ist gleich Arbeitszeitbetrug. Für eine Kündigung muss Vorsatz nachgewiesen werden. Arbeitgeber müssen vor personellen Maßnahmen sorgfältig ermitteln.
Neue Regeln für Krankschreibungen
Die Bundesregierung bereitet einen Koalitionsbeschluss vor: Arbeitnehmer sollen bereits ab dem ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorlegen müssen. Ziel ist die Senkung der hohen Fehlzeiten. Die telefonische Krankschreibung wurde bereits abgeschafft. Arbeitgeberverbände begrüßen die Pläne, Gewerkschaften und Ärzte kritisieren sie.
Trotz der allgemeinen Anspannung gab es in einigen Branchen Tariferfolge:
- ÖPNV Niedersachsen: ver.di und Arbeitgeber einigten sich auf eine 38,5-Stunden-Woche ab 2028. Urlaubsgeld steigt ab 2026 auf 600 Euro.
- Uni-Kliniken Baden-Württemberg: 26.000 Beschäftigte in Heidelberg, Freiburg, Tübingen und Ulm bekommen 5,4 Prozent mehr Geld bei 27 Monaten Laufzeit.
- Charité Berlin: Der Marburger Bund fordert für 2700 Ärzte 8 Prozent mehr Gehalt und bessere Zuschläge.
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Im Einzelhandel stocken die Verhandlungen. In Hessen liegt ein Angebot über 5 Prozent vor. Für Rheinland-Pfalz und das Saarland wurden die Gespräche abgesagt. Streiks im Versand- und Einzelhandel werden wahrscheinlicher.
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