Volkswagen-Tarifrunde, Metall

Volkswagen-Tarifrunde: IG Metall fordert 5 Prozent mehr für 130.000 Beschäftigte

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 05:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Gewerkschaften verlangen soziale Absicherung, während Autobauer und Zulieferer Stellenabbau planen und Beschäftigungszahlen sinken.

Industrieproteste in Deutschland: VW-Tarifforderung trifft auf Stellenabbaupläne
Weite Ansicht eines leeren deutschen Industrieparks bei Dämmerung mit Fabrikhallen und Stahlkonstruktionen. Illustration mit AI erstellt.

In 15 deutschen Großstädten finden am heutigen Samstag, dem 26. September 2026, großflächige Kundgebungen gegen drohenden Sozialabbau und für eine verlässliche Industriepolitik statt.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat zu diesen Protesten aufgerufen, um angesichts zahlreicher Ankündigungen zum Personalabbau in der Großindustrie eine soziale Absicherung während der wirtschaftlichen Transformation einzufordern. Allein in Essen werden rund 10.000 Teilnehmende erwartet.

Volkswagen im Zentrum der Tarifauseinandersetzung

Die Situation beim Volkswagen-Konzern prägt die aktuelle Debatte. Die IG-Metall-Tarifkommission beschloss einstimmig, für die rund 130.000 Beschäftigten an den neun deutschen Standorten des Haustarifvertrags eine Lohnerhöhung von 5 Prozent für eine Laufzeit von 12 Monaten zu fordern.

Diese Forderung schließt Auszubildende ein und sieht eine zusätzliche soziale Komponente für untere Entgeltgruppen vor. Da der aktuelle Vertrag zum 31. Dezember gekündigt ist, sind nach Ende der Friedenspflicht ab dem 1. Januar 2027 Warnstreiks möglich.

Hintergrund der harten Verhandlungen sind die verschärften Sparpläne des Automobilherstellers. Die Volkswagen AG plant einen weltweiten Abbau von 50.000 Stellen in den kommenden Jahren, wovon etwa die Hälfte auf deutsche Standorte entfallen könnte.

Ein am 30. September 2026 in Hannover geplantes Treffen zwischen Unternehmensleitung, IG Metall und Betriebsrat soll klären, inwieweit Investitions- und Produktzusagen aus dem Zukunftstarifvertrag 2024 trotz der neuen Pläne Bestand haben.

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Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo äußerte laut Berichten Zweifel daran, dass der zusätzliche Stellenabbau ausschließlich über Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge realisiert werden kann, und thematisierte mögliche betriebsbedingte Kündigungen.

Restrukturierungen bei Porsche und ThyssenKrupp

Auch bei der VW-Beteiligung Porsche bleibt die Personalsituation angespannt. Porsche-Chef Michael Leiters dementierte jüngst Berichte über weitere 4.000 Streichungen und verwies stattdessen auf ein bereits bekanntes Zukunftspaket, das den Abbau von 5.000 Stellen bis zum Jahr 2035 vorsieht.

Bereits im vergangenen Jahr waren bei dem Sportwagenhersteller 3.900 Arbeitsplätze weggefallen. Trotz einer Wertberichtigung der Porsche-Beteiligung in Höhe von 6 Milliarden Euro durch Volkswagen hält das Unternehmen an seinem Jahresausblick fest und plant für den 7. Oktober 2026 einen Kapitalmarkttag in Weissach.

Abseits der Automobilhersteller meldeten zuletzt weitere Zulieferer und Industriebetriebe Anpassungen. ThyssenKrupp Bilstein informierte darüber, dass an den Standorten Ennepetal und Essen bis zu 180 Arbeitsplätze entfallen könnten, wobei Forschung und Entwicklung betroffen seien.

Das Unternehmen begründet dies mit anhaltendem Kostendruck. Der Leuchtenhersteller LTS plant laut Berichten seines Mutterkonzerns Fagerhult, die Produktion in Tettnang schrittweise bis Ende 2027 einzustellen und nach Schweden sowie China zu verlagern, was rund 100 Arbeitsplätze betrifft.

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Wirtschaftlicher Druck belastet Beschäftigungszahlen

Aktuelle Analysen unterstreichen die schwierige Lage der Industrie. Laut dem EY-Parthenon Employment Barometer sank die weltweite Beschäftigung der DAX-Konzerne zuletzt um etwa 1,2 Prozent. Besonders Großunternehmen mit mehr als 100.000 Mitarbeitern reduzierten ihre Belegschaften.

In der deutschen Automobilindustrie waren zum Ende des ersten Halbjahres 2026 noch 691.500 Menschen beschäftigt. Der Branchenverband VDA wies in diesem Zusammenhang auf die hohen Standortkosten hin: Eine Arbeitsstunde koste in der deutschen Autoindustrie knapp 65 Euro, während sie in Tschechien bei 24 Euro und in Polen bei 18 Euro liege.

Zudem beobachten Personalverantwortliche einen Trend zu flexibleren Beschäftigungsverhältnissen. Einer Umfrage von Randstad und ifo zufolge planen 26 Prozent der Firmen künftig vermehrt mit Befristungen zu arbeiten.

In der Industrie gaben 17 Prozent der befragten Unternehmen an, dass Restrukturierung und Stellenabbau die prägenden Themen der vergangenen Monate gewesen seien. Die Gewerkschaften warnen vor diesem Hintergrund vor einer Aufweichung des Kündigungsschutzes und fordern von der Politik Investitionssicherheit statt Sparmaßnahmen.

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